Lampertheim

Pandemie In der Warteschlange vor dem Covid-Testzentrum des Kreises / Erfahrungen einer „Südhessen Morgen“-Redakteurin

Zwei Stunden Anstehen für den Corona-Test

Archivartikel

Lampertheim/Bergstraße.Über die Corona-Statistik des Kreises Bergstraße zu berichten, ist das eine. Plötzlich selbst vor dem Testzentrum in Heppenheim zu stehen, etwas völlig anderes. Die Erfahrung hat jetzt „Südhessen Morgen“-Redakteurin Alexandra Hoffmann gemacht. Sie begleitete ihre zwölfjährige Tochter, die sich auf Anordnung des Gesundheitsamts auf Covid-19 testen lassen musste. Ein Erfahrungsbericht:

Wo ist es nur, das Ende der Warteschlange? Die schwarz-gelb-gestreiften Markierungen, die jeweils im Abstand von 1,50 Meter auf den Pflastersteinen kleben, reichen nicht aus. Die Warteschlange ist länger. Viel länger. Wir müssen um das Gebäude herumlaufen, um uns anstellen zu können.

Mehr als 100 Wartende

Deutlich mehr als 100 Menschen stehen um halb zwölf vor dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) am Kreiskrankenhaus in Heppenheim. Sie alle wollen oder müssen sich auf das Coronavirus testen lassen. Hier befindet sich das Covid-Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen – Koordinierungsstelle für alle Corona-Verdachtsfälle im Kreisgebiet.

Unter den Wartenden: Eine siebte Schulklasse aus Bensheim, zu der auch meine Tochter gehört. Das Gesundheitsamt hatte sie unter Quarantäne gestellt, nachdem ein Schüler oder Lehrer der Klasse positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden war. Nun müssen alle 30 Jungen und Mädchen zum Corona-Test, jeweils begleitet von einem Elternteil, manche zusätzlich von jüngeren Geschwistern. Sind diese unter zwölf Jahre alt, dürfen sie für die Dauer der Quarantäne ebenfalls keine Schule oder Kita besuchen.

„Damit es schneller geht“, hatte die Mitarbeiterin des Gesundheitsamts am Telefon darum gebeten, das notwendige Formular mit den persönlichen Kontaktdaten schon zu Hause auszudrucken und ausgefüllt mitzubringen. Auch die Versichertenkarte solle man bereithalten. Doch die Warteschlange bewegt sich kaum, jedenfalls nicht nach vorne. Hinten wird sie indes immer länger.

Einige Siebtklässler lümmeln auf dem angrenzenden Rasenstreifen, sind mit ihrem Smartphone beschäftigt oder albern herum. Einige Eltern wirken dagegen durchaus angespannt, ärgern sich, dass man „trotz Termin“ so lange warten muss. Oder dass man ausgerechnet vor dem Corona-Testzentrum mit so vielen Leuten zusammenkommt. Die meisten tragen zwar einen Mund-Nasen-Schutz und halten Abstand. Dennoch kommt auch mir kurz der Gedanke: „Wenn ich es bislang nicht hatte, hier kriege ich es womöglich.“ Die Unterhaltungen der Wartenden sind geprägt von Hoffen und Bangen. Hoffen darauf, dass die Tests der Kinder keine Infektion ergeben. Und auch darauf, „dass zumindest in der zweiten Herbstferienwoche noch was geht“, wie es ein Vater formuliert.

Das Gesundheitsamt hat für alle Kinder der Klasse Quarantäne bis in die erste Ferienwoche hinein verhängt. Die wird selbst bei einem negativen Test nicht aufgehoben – und auch nicht verkürzt. Einige Familien hatten Urlaubsreisen gebucht, manche umgebucht: von den Osterferien auf die Herbstferien. „Wir fahren nun wahrscheinlich zwei Tage später los“, sagt eine Mutter achselzuckend. Es bleibe ihnen nichts anderes übrig. Eine Stornierung sei schwierig. Ob die Reiserücktrittsversicherung greift – unklar: „Schließlich ist ja niemand krank.“

Die Eltern bangen auch darum, wie es nach den Herbstferien weitergeht. Wie man „über den Winter kommt“ und ob ein Vater mit seiner Vermutung Recht behalten wird, dass „man sich hier wohl schon bald wiedersieht“.

Nach zwei Stunden und 15 Minuten: Die verspiegelte Tür des ÄBD öffnet sich. Ein Arzt in voller Schutzmontur nimmt Formular und Krankenkassenkarte entgegen. Er bittet freundlich, noch einen Augenblick zu warten. Der Test werde vorbereitet. Die Tür schließt sich wieder. Zwei Minuten später öffnet sie sich erneut. Jetzt macht der Arzt bei meiner Tochter einen Abstrich von der Rachenschleimhaut. Das Teststäbchen verschraubt er in einem etikettierten Plastikröhrchen. Das war’s.

Weniger als 24 Stunden später kommt das Ergebnis per SMS: „Es gibt gute Nachrichten! Wie das Testergebnis zeigt, wurde bei Ihnen das Coronavirus nicht nachgewiesen. Alles Gute! Ihre KV Hessen“.

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