Lampertheim

Mariä Verkündigung Traditionelle Pubertätsfeier im Jugendheim / Brauch aus Sri Lanka

Zwischen zwei Kulturen

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Mit Gold- und Silberschmuck verzierte geschwungene Säulen bilden einen Torbogen im Eingangsbereich des Jugendheims. Drinnen bestimmen purpurfarbene Stoffe und Blumen das Bild, 150 Gäste aus aller Welt warten. Auch für Joyleen Kugathas steht ein prächtiges lilafarbenes Kleid bereit. Für die Lampertheimerin ist nun der große Tag gekommen, auf den sie schon lange gewartet hat.

Sie ist erst vor wenigen Tagen elf Jahre alt geworden und feiert nun ihre tamilische Pubertätsfeier. Damit wird sie nach der Tradition aus Sri-Lanka vom Mädchen zur Frau. Joyleen ist, genau wie ihre zwei Brüder, in Deutschland geboren, in Mannheim und Lampertheim aufgewachsen. Ihre Eltern Vini und Kugan kamen vor 20 Jahren aus Sri Lanka nach Deutschland.

Multireligiöser Inselstaat

Als tamilische Christin gehörte Mutter Vini dort einer sehr kleinen ethnischen Minderheit ein. Der asiatische Inselstaat ist eine multireligiöse Nation, wird aber größtenteils von buddhistischen Singhalesen bewohnt. Die große Mehrheit der Tamilen folgt wiederum dem Hinduismus.

„Auch das Pubertätsfest entstammt ursprünglich einer hinduistischen Tradition“, weiß Ulrike Weidenauer zu berichten. Sie betreut die christliche Familie seit ihrer Ankunft in Lampertheim vor fünf Jahren. Zum Fest hat die Familie ihr ein traditionelles Sari aus dunkelroten rechteckigen Tüchern geschenkt, das dort an besonderen Anlässen getragen wird. Für die drei Kinder ist sie zur „Wahloma“ geworden, ihre leiblichen Großeltern in Sri Lanka haben sie noch nie gesehen. Dennoch wollen sie sich einige tamilische Traditionen bewahren.

Das Pubertätsfest entstammt einem alten Brauch, bei dem Familien ihre Töchter nach deren erster Periode – und damit bereit zu einer arrangierten oder gezwungenen Heirat – der Gemeinde präsentierten. „Damit hat es aber heute natürlich nichts mehr zu tun“, versichert Weidenauer. Sie gehört, genau wie die Familie, zur katholischen Gemeinde Mariä Verkündigung, hat die Tamilen zufällig nach dem Gottesdienst kennen gelernt.

„Heute wünscht man dem Mädchen Glück, sie wird gesegnet auf dass Gott sie auf ihrem weiteren Lebensweg behüte“, erklärt Ulrike Weidenauer. Dazu steht eine traditionelle Waschung und der Segen der älteren Frauen auf dem Programm.

Für europäisch christlich geprägte Kulturen sei das Fest vergleichbar mit einer Kommunion, auch wenn der Aufwand und Pomp eher an eine Hochzeit erinnert. Joyleen und ihr älterer Bruder Joel haben beide bereits die Erstkommunion empfangen, besuchen wochentags das Lessing-Gymnasium und samstags eine tamilische Sprachschule in Mannheim. Für Jungs gebe es keine vergleichbare Feier, erzählt Joel. Er fühlt sich irgendwo zwischen der deutschen und der tamilischen Kultur zu Hause. In der Schule wächst er mit den westlichen Werten auf, spricht perfektes Deutsch.

Die Feier im Jugendheim hat für Joel etwas Kulturverbindendes. Für Ulrike Weidenauer ist es ein Zeichen der Toleranz ihrer Kirchengemeinde. „Wir sind offen für Zugezogene“, sagt sie. Bei der Finanzierung solcher Feste hilft sich die tamilische Gemeinde gegenseitig. Gäste aus ganz Europa bringen meist Geldgeschenke mit, und auch Joyleen erhielt Schmuck und andere Geschenke. An den Tag wird sie sich jedenfalls noch lange erinnern.

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