Leserbrief

„Als es in Bobstadt noch schön war“

Leserbrief zum Thema Entwicklung Bobstadt:

Kürzlich habe ich gelesen, dass jemand der Entwicklung Bobstadts im Wege stünde. Welcher Entwicklung? Was bedeutet Entwicklung? Für die Stadt Bürstadt bedeutet dies anscheinend nur, immer mehr Gewerbe anzusiedeln. Das bringt natürlich Geld in die Stadtkasse; aber zu welchem Preis? Entwicklung ist für mich Verbesserung, Verschönerung, Erleichterung und das Schaffen von Wohlbefinden.

Als 55-Jährige (schon immer Bobstädterin) erlaube ich mir einen Rückblick in meine Bobstädter Vergangenheit, nach dem Motto: „Früher war alles schöner“! Als ich Kind war, gab es in der Nähe der jetzigen Feuerwehr eine Wiese mit Kühen. Ja, das gibt es nicht nur in Bayern. Bei dem ansässigen Bauern konnte man frische Milch kaufen. Es gab zwei Metzger, zwei Bäcker, eine Drogerie, einen Kurzwarenladen, zwei Lebensmittelläden, Hofläden, zwei Tankstellen und ein Haushaltswarengeschäft. Es gab eine Eisdiele, in der Schoko, Vanille und Erdbeere in einer Muschelwaffel angeboten wurde: super! Am Kiosk waren Brause und Lutscher der Hit, und es wurden Zeitungen für die Berufstätigen angeboten, welche auf dem Weg zum Bahnhof – natürlich mit einem Menschen hinter dem Schalter – waren. Bobstadt hatte eine richtige Post, ein Lottogeschäft und fünf Gaststätten.

Und das zu einer Zeit, in der Bobstadt wesentlich weniger Einwohner hatte als jetzt. Und es gab einen eigenen Bürgermeister! Als Kinder sind wir mit unseren Schlitten zum Weschnitzdamm, um den kleinen Hang hinunter zu rodeln. Neulich las ich, dass dieser Feldweg für Privatmenschen, also Jogger, Walker, Spaziergänger und Radfahrer, nicht mehr nutzbar sein soll, sondern nur noch für die Landwirtschaft. Geht’s noch?

Als Kinder haben wir uns nach den Hausaufgaben auf dem neuen oder alten Spielplatz getroffen, zu dem auch der Meßplatz gehörte. Oh mein Gott! Welch ein Fehler der Stadt und auch des Ortsbeirates, diesen unter falschem Vorwand zubauen zu lassen. Wir Kinder haben dort unsere halbe Kindheit verbracht. Welche Freiheit, dort toben zu können – unbezahlbar.

Ich möchte natürlich den „Zugezogenen“ Bobstadt nicht mies machen. Ich wohne ja auch immer noch hier. Die Werte ändern sich ja auch. Aber wäre es nicht schön, nicht in den Odenwald fahren zu müssen, um eine idyllische Umgebung in einem romantischen Dörfchen zu genießen? Wir hatten das alles. Früher war alles schöner.

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