Leserbrief

Forum der Leser Zur "Kritischen Betrachtung" im "Südhessen Morgen" vom 2. Juli über die Hüttenfelder Windenergie-Debatte

Passive Haltung reicht nicht aus

Es tut gut, dass der "SHM" einige Aussagen in einem früheren Artikel richtig stellt und dazu beiträgt, die von ihm ausgelösten Wogen ein wenig zu glätten. Es muss in Lampertheim möglich sein, angstfreie Bürgerbeteiligung zu betreiben.

Aber auch im neuen Artikel gibt es einige Äußerungen, die nicht hingenommen werden können. So wird uns unterstellt, wir würden den Windradbefürwortern in Hüttenfeld keine eigene Meinung zubilligen. Das trifft auf keinen Fall zu. Dazu haben wir uns überhaupt nicht geäußert. Ich selbst war, so wie die Mehrheit bei "Gegenwind", im Herbst 2012 auch noch vorsichtiger Befürworter des Windradbaus auf dem Deponiegelände. Erst danach haben wir uns Sachwissen erarbeitet. Wir sind offen für weitere Informationen. Aufgrund des bis heute erworbenen Wissensstandes haben wir unsere frühere Meinung zum Windradbau auf der Deponie geändert und sind nun dagegen. Aus dieser Erfahrung heraus wollen wir dazu beitragen, dass möglichst viele in Hüttenfeld über die Fakten Bescheid wissen. Wir wollen über die Risiken sachlich aufklären. Jedem Bürger bleibt es unbenommen, sich zu informieren und eine eigene Meinung zu bilden.

Jedoch können wir von den städtischen Gremien erwarten , dass sie sich selbst über die Risiken genau informieren, um eine verantwortliche Entscheidung fällen zu können. Das sieht bisher so leider nicht aus. Erster Stadtrat Jens Klingler hat auf der Ortsbeiratssitzung vom 11. Juni in aller Deutlichkeit gesagt, dass die Stadt gegen das Projekt nichts tun könne, da es allein in den Händen des ZAKB liege. Und das Regierungspräsidium werde schon gut aufpassen, es sei ja nicht nur Genehmigungsbehörde für die Windräder, sondern auch Aufsicht für die Deponie. Die Stadt verlasse sich darauf, dass sowohl ZAKB als auch RP ihre Arbeit verlässlich tun, und es werde schon nichts passieren. Diese passive Haltung reicht unserer Meinung nach nicht aus. Zum einen hat die Abfallwirtschaft des Kreises bereits mit der 1991 gebauten Kompostanlage in Heppenheim einen Verlust von mehreren Millionen eingefahren, der von den Gebührenzahlern ausgeglichen werden musste. Der ZAKB verfolgt im Übrigen mit dem Windradbau eigene Interessen, die nicht deckungsgleich mit denen der Stadt sein müssen. Und zumindest zwei der vorgelegten Gutachten sind fragwürdig.

Das RP zum anderen hat Anfang der 70er Jahre die Baustufen I und II der Hüttenfelder Deponie ohne Basisabdichtung genehmigt; sie wurden erst nachträglich mit einer Kappenabdichtung versehen. Wie sich heute zeigt, war das ein großer Umweltfehler. Zwar entsprach die fehlende Basisabdichtung dem damaligen Stand der Technik. Man hätte es aber schon damals besser wissen können, da die betreffende Gesetzesvorlage bereits diskutiert wurde. Seinerzeit gab es noch keine aktive Bürgerbeteiligung. Und wie sich heute anhand der gemessenen Schadstoffe im Grundwasser zeigt, ist auch die genehmigte Kappenabdichtung unzureichend. Dass das RP bei Genehmigungen nicht fehlerfrei ist, zeigt sich auch an der Grube Messel. Diese war als Deponie genehmigt, Millionen Tonnen Müll wurden in den siebziger Jahren bereits hineingekippt. Ein jahrelanger Kampf einer Bürgerinitiative und am Ende ein Gerichtsurteil haben - gegen den erbitterten Widerstand des RP - dem Frevel ein Ende bereitet. Heute ist die Grube Messel Weltnaturerbe.

Wie die Beispiele zeigen, reicht es nicht, allein auf die Weisheit der Abfallwirtschaft und der Genehmigungsbehörden zu vertrauen. Die Risiken auf dem Deponieberg sind nach unserem heutigen Wissensstand erheblich. Wenn sich aus dem Windradbau große Probleme mit hohen Kosten ergeben, wird Lampertheim damit weitgehend alleine dastehen. Wir erwarten deshalb von den städtischen Entscheidungsträgern, dass sie sich selbst eingehend mit den Risiken befassen und dafür sorgen, dass im Problemfall keine Lasten und Kosten auf Lampertheim zukommen. Einmal Neuschloß reicht.

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