Leserbrief

Sprachheilabteilung ist ein „Bauernopfer“

Zum Thema Verlegung der Sprachheilabteilung nach Heppenheim:

Seit nunmehr 26 Jahren ist die Sprachheilschule eine Abteilung der Bürstadter Schillerschule und eigentlich nicht mehr wegzudenken. Der damalige Schulamtsleiter hatte 1994 in Bürstadt den idealen und zentralen Standort für eine Abteilung Sprachheilförderung gesehen. Fast zeitgleich entstand im Odenwald/Bad König eine Sprachheilschule, die vergangenes Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feierte.

Es erfüllte mich schon immer mit Dankbarkeit, Freude und Stolz, in meiner Heimatstadt Bürstadt als Förderschullehrerin tätig sein zu können – und das seit 25 Jahren.

Im Zuge der Inklusion hat sich das Sprachheilteam gemeinsam mit dem Kollegium der Regelschule gerade in den vergangenen Jahren auf einen konstruktiven Weg begeben. Das Schulleben der Schillerschule wird gestaltet und geprägt in einem Miteinander der gesamten Schulgemeinschaft. Diese Vernetzung findet sich wieder im gemeinsamen Austausch der Schulleitung, in der Zusammensetzung des Personalrates, gemeinsamen Konferenzen, Jahrgangsteams, im individuellen Austausch unter den Kolleginnen und Kollegen, in Projektgruppen, der Gestaltung aller Feste und Feiern und dem Tandem Kindergärten/Schule. Zu erstellende Konzepte oder auch pädagogische Tage, die der Weiterentwicklung der Schillerschule dienen, werden durch die Expertise der Lehrkräfte aus den verschiedenen Fachbereichen und der Förderpädagogik auf eine höhere Stufe gestellt. Die Schülerinnen und Schüler der Abteilung und der Regelschule besuchen gemeinsam Veranstaltungen, Wanderungen, Ausflüge, Klassenfahrten, teilen sich den Schulhof und hospitieren gegenseitig im Unterricht. Dieses soziale Miteinander ist ein wesentlicher Baustein für das Fundament der Schulgemeinde der Schillerschule Bürstadt. Nicht zuletzt auch durch die Abteilung lebt die Schillerschule in den vergangenen Jahren den produktiven Umgang mit Heterogenität und Vielfalt in einer „Schule für alle“.

Zusicherung des Landrats

Ich meinte, eine neue Dynamik in der Pädagogik zu spüren, und freute mich auf den geplanten Neubau der Schillerschule, in welchem auch Raum für die Abteilung Sprachheilförderung eingeplant werden sollte. Dies war bei meiner persönlichen Nachfrage bei der Einweihung der Mensa eine Zusicherung des Landrats, und die Planungswünsche des gesamten Kollegiums wurden durch die Schulleitung erfragt und weitergeleitet.

Die Wahrheit ist nun leider eine völlig andere. Es ist mir unbegreiflich, dass Mandatsträger einer Stadt, die sich „Bürgerstadt mit Herz“ auf die Fahne schreibt und die „soziale Verantwortung“ als oberste Priorität sieht, den Schulstandort einer Abteilung mit dem Förderschwerpunkt Sprachheilförderung nach 26-jähriger Tätigkeit nach Heppenheim abgibt, weil dort gerade ein Schulgebäude vakant und das Problem der „Raumnot“ der Schillerschule somit gelöst wird. Dafür wird eine jahrelange Kooperation zwischen Grundschulklassen und Förderschulklassen, die einen enormen Zugewinn im sozialen Umgang miteinander darstellen, einfach aufgegeben.

Betriebswirtschaftliche Aspekte werden über gelebte Pädagogik „mit Herzblut“ gestellt. Die Sprachheilabteilung ist meiner Ansicht nach das „Bauernopfer“ für die neue sechszügige Grundschule, die größte Grundschule des Kreises, wie unsere Bürgermeisterin so stolz postulierte. Es ist enttäuschend, dass der Wegzug der Abteilung wohl seit Oktober 2018 eine beschlossene Sache ist und es während der vergangenen 18-monatigen „Planungsphase der Schillerschule“ keinerlei Transparenz und Ehrlichkeit der Beteiligten gegenüber der betroffenen Elternschaft und den Lehrkräften der Abteilung gegeben hat.

Erst am 14. Mai 2020 wurde der Abteilung Sprachheilförderung offiziell die Standortverlegung von Bürstadt nach Heppenheim an die Siegfriedschule durch den Schulamtsleiter mitgeteilt.

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