Lokalsport Südhessen

Interview Der neue TVL-Trainer Thorsten Kreuzer fordert eine bessere Trainingsbeteiligung - und nimmt die Spieler in die Pflicht

"Über WhatsApp meldet sich keiner ab"

Lampertheim.Er ist der neue starke Mann an der Seitenlinie des TV Lampertheim: Thorsten Kreuzer soll den Fußball-Gruppenligisten, der mit nur vier Punkten aus zehn Spielen schlecht in die neue Runde gestartet ist, vom letzten Tabellenplatz zum Klassenerhalt führen. Im Interview mit dem "Südhessen Morgen" spricht der B-Lizenz-Inhaber darüber, wie er dieses Ziel erreichen will.

Herr Kreuzer, nach Thomas Roth, Marco Falkenstein und Christian Hofsäß sind Sie erst der vierte TVL-Trainer seit 2001. Das Umfeld sollte also keine schlechten Voraussetzungen bieten...

Thorsten Kreuzer: Ich glaube, dass das ein sehr familiär geführter Verein ist. Ich bin hier herzlich aufgenommen worden und spüre den Rückhalt, dass man hier längerfristig plant.

Trotzdem betonen Sie, dass Ihr Engagement zunächst nur bis zum Winter gilt.

Kreuzer: Wir haben einen dünnen Kader - da muss man einfach abwarten, ob es wechselwillige Spieler im Winter gibt. Ohne gleichwertigen Ersatz müsste man sich schon Gedanken machen. Mit nur zehn oder elf Mann hätte es keinen Sinn, weiter Gruppenliga zu spielen. Wir hoffen natürlich, dass die Spieler ihr Wort, das sie uns vor der Saison gegeben haben, halten und sind guter Dinge, dass der eine oder andere im Winter zu uns stößt. Grundsätzlich gehe ich davon aus, in die Rückrunde zu gehen.

Als Torwarttrainer haben Sie zum Team um Chefcoach Christian Hofsäß gehört, der nach dem 0:7 in Unter-Flockenbach vor elf Tagen zurückgetreten ist. Gibt es Dinge, die Sie grundlegend anders machen wollen als er?

Kreuzer: Nein, Christian hat das schon sehr gut gemacht. Die Trainingsbeteiligung war nun einmal sehr dünn, daran müssen wir arbeiten - dann kann man gezielt Dinge üben. Generell spiele ich hinten lieber mit einer Viererkette, Christian hat die Dreierkette bevorzugt. Im ersten Spiel (2:2 gegen Sandbach, Anmerkung der Redaktion) haben wir schnell wieder auf eine Dreierkette umgestellt, weil sich die Mannschaft damit wohler fühlt. Es ist aber sicher besser, wenn man ein zweites Spielsystem beherrscht. Ob wir es einstudieren können, hängt vom vorhandenen Spielermaterial und eben von der Trainingsbeteiligung ab. An der aktuellen Situation trifft Christian keine Schuld.

In der Gruppenliga bekommt man es schon eher zu spüren, wenn nur eine Handvoll Spieler ins Training kommt.

Kreuzer: Natürlich müssen wir auch sehen, dass wir ein paar Verletzte haben - allerdings nicht so viele, dass nur fünf Mann ins Training kommen können. Man merkt schon, wenn immer nur dieselben fünf, sechs Leute trainieren. Dann ist das Miteinander nicht mehr so toll, vor allem, wenn man sonntags seine Spiele verliert. Wenn zehn statt fünf Spielern im Training sind, freuen sich hingegen auch die Fünf, die schon die ganze Zeit da waren. Dann ist die Stimmung positiver. Außerdem müssen wir zusehen, dass wir das Training nicht so streng gestalten, sondern den Spaß in den Vordergrund stellen, damit die Jungs die Köpfe freikriegen. Da ist Motivationsarbeit gefragt.

Alles steht und fällt wohl mit der Trainingsbeteiligung.

Kreuzer: Wenn mehr Leute im Training sind, wird die Intensität höher. Wenn ich nicht mittrainiere, fehlen mir als Spieler zwei, drei Einheiten pro Woche. Spielerisch haben wir oft 60, 70 Minuten sehr gut mitgehalten. Dann hat man gemerkt, dass die Körner fehlen. Im Großen und Ganzen gibt es sonst nicht viel zu verändern. Bis auf drei, vier Positionen ist das dieselbe Mannschaft, die in der vergangenen Saison 42 Punkte geholt hat. Da habe ich viele richtig starke Spiele von uns gesehen - da müssen wir wieder hinkommen.

Haben Sie das Gefühl, dass sich eine gewisse Unverbindlichkeit im Kader eingestellt hat? In der Vorbereitung gab es speziell beim TV Lampertheim ein paar Aufreger, nachdem sich drei Spieler per WhatsApp bei Hofsäß für die Runde abgemeldet hatten.

Kreuzer: Ich war bisher kein Mitglied in unserer WhatsApp-Gruppe, aber ich habe den Jungs schon gesagt, dass sich künftig niemand mehr über WhatsApp abmeldet. Das müssen sie ab sofort wieder persönlich machen. Die Gruppe ist praktisch, wenn es etwa darum geht, ob wir ein Spiel verlegen können.

Bei der Bekanntgabe Ihrer Verpflichtung nahm der Verein die Spieler der ersten und zweiten Mannschaft in die Pflicht. Abteilungsleiter Helmut Wehe hat im Gespräch mit dieser Zeitung beklagt, dass das Mantra "Einmal TVL, immer TVL" nicht mehr so gilt wie noch vor ein paar Jahren, als zeitweise beide Teams nur aus Eigengewächsen des Vereins bestanden.

Kreuzer: Natürlich muss man Spieler, die unter der Woche nicht ins Training gekommen sind oder sonntags ihre Leistung nicht gebracht haben, in die Pflicht nehmen. Ich glaube aber nicht, dass das daran liegt, dass der eine ein TVler ist und der andere nicht. Klar: Auch Leute wie Philipp Hensel oder Tobias Haser, die schon ewig hier sind, sind jetzt gefordert - aber das wissen sie.

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