Lokalsport Südhessen

Tischtennis Europameister erklärt sein Erfolgsrezept

Boll hat noch Spaß

Archivartikel

Alicante.Erfolg hat manchmal seinen Preis. Eigentlich wollte Timo Boll (Bild) am Wochenende gern die Vorzüge des EM-Spielortes Alicante in Spanien genießen. Dort gibt es einen schönen Hafen und ein paar Strände, und Boll war sich auch sicher: „Das wird ein kürzeres Turnier für mich.“ Doch dann kam dem großen Star des deutschen Tischtennis etwas dazwischen: Sein siebter Europameister-Titel. „Vielleicht“, sagte er nach dem Endspiel-Erfolg gegen den Rumänen Ovidiu Ionescu am Sonntagabend, „komme ich noch einmal für einen Urlaub zurück.“

So ist das mit Timo Boll: Dieser Ausnahmesportler ist mit 37 Jahren immer noch so gut, dass es ihn manchmal selbst überrascht. Seine sechs Gegner in Alicante waren im Schnitt 11,17 Jahre jünger als er. Hinzu kommt, dass der Weltranglisten-Vierte im Sommer während der entscheidenden Phase der Vorbereitung auf dieses Turnier sechs Wochen lang keinen Schläger in der Hand hielt. Eine Verletzung an der Halswirbelsäule hatte ihm genauso zu schaffen gemacht wie schon bei den Olympischen Spielen 2016 und der darauffolgenden EM in Budapest.

„Ich habe nicht geglaubt, dass dieser EM-Sieg möglich ist“, sagte Boll. „Ich hatte im Training vor der EM kaum ein Spiel gewonnen, egal gegen wen. Unsere Trainingsgruppe hat mich schon fast ausgelacht.“

Vor Generationenwechsel

Warum es am Ende trotzdem geklappt hat, erklärte er gleich mit. „Ich bin immer noch nervös vor jedem Spiel. Ich habe immer noch dieses Verlangen, zu spielen und zu gewinnen“, sagte er. „Erfolg ist wichtig, aber wenn du keinen Spaß mehr am Spiel hast, dann ist es Zeit, aufzuhören. Ich werde aber noch eine Weile dabeibleiben.“

Bis 2022 läuft Bolls Vertrag mit seinem Verein Borussia Düsseldorf. So lange will er mindestens weiterspielen. Der World Cup vom 19. bis 21. Oktober in Paris, die Weltmeisterschaften 2019 in Budapest, die Olympischen Spiele 2020 in Tokio: Das sind noch große Ziele für ihn.

Für den Deutschen Tischtennis Bund und seinen Bundestrainer Jörg Roßkopf ist das eine komfortable Situation. Roßkopf kann den Generationenwechsel im Team von langer Hand vorbereiten. dpa

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