Lokalsport Südhessen

Fußball Gruppenligist setzt auf individuelle Einheiten / Teamtraining ruht / Personalplanungen nahezu abgeschlossen / Verständnis für Abbruch und Leidtragende

Bürstädter Eintracht pausiert jetzt doch

Archivartikel

Bürstadt.Das Lachen kann sich Marcus Haßlöcher nicht verkneifen. Da zog das Gruppenliga-Team der Bürstädter Eintracht sein Vorhaben, ohne Trainingspause durch den Winter zu kommen, konsequent durch. Und dann kam Covid-19 – und eine fußballfreie Zeit, die nun seit knapp zwei Monaten anhält. „Das ist schon verrückt“, sagt der Fußball-Abteilungsleiter der Grün-Weißen.

Trainingsfrei erteilte Bürstadts Trainer Benjamin Sigmund seinen Spielern allerdings nicht. Vielmehr gab der 41-Jährige seiner Mannschaft einen Plan mit. Dieser sieht regelmäßige Laufeinheiten mit eingebauten Sprints vor, aber auch Kräftigungsübungen für die Muskulatur. Die Herangehensweise ist also eine etwas andere als beim lokalen Ligakonkurrenten FSG Riedrode, der seine Spieler komplett in Eigenverantwortung sporteln lässt. In der Praxis dürften die Unterschiede nicht allzu groß sein. „Ob es wirklich alle machen, kannst du nicht kontrollieren. Es geht darum, dass man nicht irgendwann wieder bei null anfängt“, erklärt Haßlöcher, der das größere Problem im fehlenden Fußballtraining erkennt: „Die spielerische Komponente geht im Moment verloren.“

Denn bei der Eintracht wird der Ball bis auf Weiteres ruhen. Mannschaftstrainings sind in Hessen zwar wieder erlaubt, unterliegen jedoch strengen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen. Zweikämpfe, Kopfbälle und Einwürfe sind tabu. „Die Maßnahmen sind so tiefgreifend, dass kein normales Training möglich sein wird“, meint Haßlöcher: „Unter den Umständen sehe ich keinen Sinn darin. Es ist zu viel Aufwand für zu wenig Nutzen. Und das Risiko ist zu groß. Was ist, wenn sich jemand ansteckt? Da kann so viel passieren. Das ist die Sache nicht wert.“

Meinung geändert

Der 45-jährige Sportchef des Tabellenachten gehört übrigens zu jenen, die ihren Standpunkt in Sachen Saisonabbruch revidiert haben. „Am Anfang habe ich für eine Fortsetzung plädiert“, gibt Haßlöcher zu: „Doch mittlerweile ist zu viel Zeit vergangen, die neue Runde wäre ja auch betroffen. Außerdem hätten wir noch zwölf Ligaspiele vor uns. Andere müssen Spiele nachholen.“ Die am Samstag vom HFV-Vorstand beschlossene Abbruch-Empfehlung mit Auf-, aber ohne Absteiger sieht Haßlöcher jedoch nicht nur positiv: „Ich befürchte, dass wir nächste Saison 20 oder 21 Teams und sechs Absteiger in der Gruppenliga haben könnten. Da wir wohl nicht vor September starten, werden viele Englische Wochen auf uns zukommen. Die perfekte Lösung gibt es in der Situation nicht.“ Trotzdem steht der Bürstädter hinter der Empfehlung: „Ein Abbruch ist das Gerechteste. Ich kann aber die Teams verstehen, die noch oben angreifen wollten. Wir würden an deren Stelle wohl genauso denken.“

Die Planungen für ihr drittes Gruppenliga-Jahr haben die Bürstädter derweil nahezu abgeschlossen. Mit Spielertrainer Sigmund hatte man sich Anfang Februar auf die Fortsetzung der 2015 begonnenen Zusammenarbeit geeinigt. Die Gespräche mit dem aktuellen Kader hatte Haßlöcher kurz vor der Unterbrechung abgeschlossen. „Wir werden wie bisher mit nur wenigen Veränderungen in die neue Runde gehen“, kündigt Bürstadts Abteilungsleiter an.

Torwart Christian Steiner, Mittelfeldmann Vassilios Theodorou und Offensivkraft Andi Schwöbel werden ihre Laufbahn beenden. Mit Timo Sauer schnappte sich die Eintracht ein Torwarttalent aus der A-Jugend des JFV Bürstadt. In der Offensive kann Coach Sigmund wieder auf Paul Herbel setzen, der nach viermonatiger Reise im März aus Australien zurückkehrte. Den Namen des zweiten Offensiv-Neulings – auch bei ihm handelt es sich um einen Rückkehrer – wollte Haßlöcher allerdings noch nicht verraten.

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