Lokalsport Südhessen

Fußball Kreis Bergstraße rückt von der „Richtzahl“ ab

Clubs stimmen für Relegation

Bergstraße.Außer Spesen nichts gewesen – in den vergangenen Jahren waren im Fußballkreis Bergstraße die Relegationsspiele meist für die Katz. Aus den unterschiedlichsten Gründen (Rückzug, Fusion, Verzicht) waren die sportlichen Auseinandersetzungen nicht notwendig, weil eh alle Beteiligten aufstiegen oder die Klasse hielten.

Schuld an dieser Konstellation war die Richtzahl, die eine bestimmte Klassenstärke zwingend vorschrieb. Im Kreis Bergstraße war es von Kreisober- bis C-Liga die 16, die mit allen Mitteln versucht wurde zu erreichen.

Damit ist jetzt Schluss. In der Spielzeit 2019/20 wird die Richtzahl ausgesetzt. Das beschlossen die Vereinsvertreter bei der Rückrundenbesprechung in Mitlechtern. Das Ergebnis fiel einstimmig aus. Wobei Birlikspor Biblis, SV Bobstadt, Waldhorn Lampertheim, SV Mittershausen, FSV Rimbach und SV Schönberg keine Vertreter entsandt hatte.

Härtere Strafen für Vereine

„Wir brauchen Planungssicherheit“, formulierte es Wilfried Kungl von der FSG Riedrode. Will heißen: 2020 steigt ein Tabellenletzter wirklich ab, Relegationsspiele sollen wieder ihren Zweck erfüllen. Der Sieger ist in der höheren Klasse, der Verlierer nicht. Um Ligen aufzufüllen, wären – wie schon in den Neunzigern – zwei direkte Aufsteiger möglich.

Kreisfußballwart Reiner Held ist ein Verfechter der Richtzahl („Mehr als die Hälfte der Kreise in Hessen spielt danach“), wird aber das Votum der Vereine umsetzen. Held stellt jedoch klar: Wenn nach den Relegationen weniger als 16 Mannschaften in einer Klasse sind, „wird aus der Relegation aufgefüllt“. Ein weiterer Vorschlag, zwei C-Ligen einzuführen, darunter als Unterbau eine eingleisige D-Liga, fand keine Befürworter.

Allgemein angemahnt wurde die fehlende Fairness auf dem Sportplatz. Rainer Beckerle, der Vorsitzende des Kreissportgerichts, freute sich zwar über den Rückgang der Einzelrichterurteile (von 213 auf 185), bilanzierte aber die Rekordzahl von 16 Kammerverfahren wegen Abbrüchen, Beleidigungen und Bedrohungen: „Der Respekt gegenüber Schiedsrichtern ist auf ein Minimum gesunken. So können wir nicht weitermachen.“ Ab sofort würde bei Verfehlungen auch der Verein, der nichts gegen „faule Äpfel“ unternehme, für das Verhalten seiner Trainer, Spieler und Zuschauer bestraft, kündigte Beckerle die Umsetzung einer Verbandsvorgabe an: „Für 350 Euro Strafe muss man schon 350 Würstchen zusätzlich verkaufen.“

Schiedsrichterobmann Karlheinz Dörsam erwartet von allen mehr Respekt: „Bei uns ist die Verrohung ziemlich weit fortgeschritten.“ Der Schiri-Chef forderte wie Beckerle die Vereinsvertreter auf, den Auswüchsen aktiv entgegenzutreten: „Jeder hat die Möglichkeit, auf Trainer, Spieler und Zuschauer einzuwirken.“ Dörsam, der wegen zweier Zeitungsberichte angesäuert war, bei denen Vereine scharf Schiedsrichter kritisierten, kündigte an, dass in den restlichen Rückrundenspielen keine Unparteiischen mehr Begegnungen von Clubs leiten würden, die in der gleichen Klasse am Ball sind wie der des Referees. all

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