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American Football Bürstadt Redskins feilen an ihrem Pass- und Laufspiel / Hessischer Verband strebt Saisonstart ab September an

Das Büffeln zahlt sich aus

Bürstadt.Hier und da hatte die Corona-Zwangspause wohl ihr Gutes – sogar für manche Sportler. Harry Frommeld, der Kommunikations-chef der Bürstadt Redskins, stellt das etwa fest, als er auf die neu erworbenen Theoriekenntnisse der American-Football-Teams des TV Bürstadt zu sprechen kommt. „Die Jungs haben die Spielzüge viel besser gelernt und sind sensationell gut organisiert. Das Lauf- und Passspiel stimmt. Hut ab“, staunt Frommeld nicht schlecht.

Ganz offensichtlich hat der pandemiebedingte Trainingsstopp im Frühling die Redskins-Akteure dazu angeregt, häufiger in das sogenannte Playbook – ein Football-Leitfaden, in dem Formationen, Spielzüge und Laufwege festgehalten sind – zu schauen und sich darüber hinaus intensiver mit dem Regelwerk zu beschäftigen. Dass es zurzeit noch an der Umsetzung hapert, ist wiederum auf Corona zurückzuführen. „Noch mangelt es den Jungs an Durchhaltevermögen nach der langen Zeit ohne Training“, meint Frommeld. Vermehrt bauen die Redskins-Coaches deshalb Pausen und Dehnübungen ein – auch, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. „Es wird auch noch nicht konsequent getacklet“, betont Bürstadts Mediensprecher: „Das wird erst wieder der Fall sein, wenn alle auf einem entsprechenden Fitnesslevel sind und wenn es wieder erlaubt ist, gruppenübergreifend zu trainieren.“ Bis es so weit ist, wissen sich die Redskins mit Tackle-Donuts und Football-Dummys zu behelfen.

Situation hat sich entspannt

Die jüngsten Lockerungen für Sportvereine ermöglichen immerhin schon mal mehr Trainingspraxis als jene Verordnungen, nach denen die Footballer im Mai zwar wieder das Training aufnahmen, aber nur wenig anstellen konnten. „Es fehlt jegliche praktische Anwendung der Spielzüge, die das Wichtigste beim American Football ist“, hatte Frommeld im Interview mit dieser Zeitung vor wenigen Wochen die Situation auf der Leichtathletikanlage des TV Bürstadt beschrieben. Momentan dürfen Trainingsgruppen aus bis zu zehn Personen bestehen. So kann jetzt zum Beispiel die Offense Line gegen die Defense Line arbeiten oder auch das Offense Backfield gegen das Defense Backfield. Die Line-Spieler können ihre Tacklings an der Line of Scrimmage üben. Sprintübungen sind wieder drin. Und das Wichtigste: Lauf- und Passspielzüge sind wieder erlaubt. „Das Schöne an der Sache ist ja: Nebeneinander gestellt sieht das Ganze schon fast aus wie richtige Spielzüge“, sagt Frommeld – und gibt zu: „Die Geräuschkulisse habe ich sehr vermisst.“

Auch die Trainingshäufigkeit spricht für den Weg in die neue Normalität. Zweimal pro Woche – dienstags ab 19.30 Uhr und samstags ab 13 Uhr – stehen zurzeit Einheiten für das Seniors-Team an. Die Jugendteams (U 13, U 16, U 19) und die drei Cheerleader-Formationen haben ebenfalls wieder das Training aufgenommen.

Die Seniors hoffen als Landesliga-Aufsteiger auf einen Saisonstart im Spätsommer, wie ihn der hessische American-Football-Verband vorsieht. „Der AFV Hessen hat das neue Konzept für einen Spielbetrieb 2020 vorgestellt. Nach aktueller Sachlage soll die Saison Anfang September beginnen und bis Ende Oktober 2020 dauern. Falls notwendig ist auch eine Verlängerung bis Ende November möglich“, meldete der Landesverband am Samstag auf seiner Homepage. Der Abstieg werde 2020 ausgesetzt. Jeder Verein könne bis zum 31. Juli straffrei auf die Teilnahme verzichten, schreibt der AFVH weiter.

Allerdings werden die Redskins nicht müde, ihren wichtigsten Grundsatz für das Corona-Jahr 2020 zu wiederholen. „Wir werden nichts tun, das die Gesundheit unserer Sportlerinnen und Sportler oder deren Umfeld in irgendeiner Art negativ beeinflussen könnte. Darüber hinaus werden wir uns an alle Vorgaben von Politik und Verband halten“, heißt es auf der Startseite der Redskins-Homepage. Medienchef Frommeld gibt den Wortlaut im Gespräch mit dieser Zeitung fast eins zu eins wieder.

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