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Fußball Beim VfR stehen aktuell gleich drei Geschwisterpaare im Aufgebot – und prägen die Auftritte des Traditionsvereins in der Kreisoberliga

Das Bürstadter Brüder-Kuriosum

Archivartikel

Bürstadt.Erwin und Helmut Kremers. Uli und Dieter Hoeneß. Und vor allem Fritz und Ottmar Walter. Viele Brüderpaare waren im Deutschen Fußball legendär. Und manchmal wurde, wie im Falle der Walter-Brüder, gar eine ganze Elf danach benannt: Die Walter-Elf aus Kaiserslautern wurde in Deutschland zum Markenzeichen.

Würde es nun darum gehen, die Mannschaft des VfR Bürstadt nach einem herausstechenden Brüderpaar zu benennen, ist das nicht so einfach. Aktuell verfügt der südhessische Traditionsverein gleich über drei Geschwisterpaare, die in der ersten Mannschaft erfolgreich Fußball spielen. Die beiden Böcks, der jüngere und der ältere Reka sowie das Schäfer-Duo aus Mannheim – sie alle geben dem VfR im Jahr 2019 ein erfolgreiches Gesicht und sind Garanten für den zweiten Platz in der Fußball-Kreisoberliga.

Ein Torjäger als Innenverteidiger

„So etwas habe ich in meiner langen Trainerlaufbahn noch nie erlebt. Ein Brüderpaar hatte ich immer mal wieder in meiner Mannschaft. Aber gleich drei – das ist ja wirklich etwas Besonderes“, freut sich Bürstadts Trainer Karl-Heinz Göbel über diese Rarität. Dazu können alle sechs auch noch richtig gut Fußball spielen.

Das kann gerade die SG Riedrode bestätigen, bei der Dennis und Daniel Böck über einige Jahre zu den Leistungsträgern in der Kreisoberligamannschaft zählten. Vorher meist im Fußballkreis Darmstadt unterwegs, sprach sie der damalige Ried-roder Trainer Patrick Lipusch einst an, ins Ried zu wechseln, wo sie auch heute noch spielen.

Die Körpergröße der beiden bemisst sich dabei in Abhängigkeit des Geburtsjahres. Dennis Böck, Jahrgang 1985, misst stolze 1,85 Meter. Und wie groß ist sein vier Jahre jüngerer Bruder? Richtig geraten. 1,89 Meter. Denn er ist ja im Jahr 1989 geboren. Aktuell spielen beide auf der gleichen Position, nämlich in der Innenverteidigung des VfR. Das ist bei Daniel nichts Besonderes. Bei Dennis schon, denn er hatte sich als Torjäger in der Region einen Namen gemacht hat.

„Vor kurzem war die Position des einen Innenverteidigers vakant. Da habe ich mich daran erinnert, früher mal in der Abwehr gespielt zu haben. Außerdem ist das Programm etwas knieschonender, als sich als Stürmer mit den gegnerischen Verteidigern in beinharten Duellen zu messen“, bringt Dennis Böck zum Ausdruck, dass er nicht lange überlegen musste, als für ihn dieser Positionswechsel anstand.

Bei Luca Schäfer hatte alles mit einer WhatsApp-Nachricht im Winter 2017/18 angefangen. Absender war Karl-Heinz Göbel, der sich ihn spätestens, als Schäfer für einige Zeit bei den Lampertheimer Azzurri am Ball war, in seinem Notizbuch vorgemerkt hatte. Schäfer kommt aus Mannheim, wohnt dort in den Quadraten. Quadratisch, praktisch, gut sind auch seine Lösungsansätze im Spiel. Gerade als Vorlagengeber ist er für die Bürstädter Mannschaft unverzichtbar. „Meist setze ich mich schnell auf der Außenbahn durch, suche den Mitspieler und passe flach nach innen. Darüber haben wir so manchen Treffer erzielt“, merkt der 23 Jahre alte Schäfer an.

Am vergangenen Wochenende aber machte er es selbst. Als er den Ball schön über Torwart Zinela hinweg hob, bedeutete dies das 2:2 gegen die Reserve von Eintracht Wald-Michelbach. Schäfer macht sich über seine fußballerische Weiterentwicklung derzeit wenig Gedanken. Wohl aber über die seines Bruders Robin, denn der laboriert schon seit Ende vergangenen Jahres an einem Kreuzbandriss. „Das war damals gegen den TV Lampertheim und nun hoffe ich, dass Robin bald wieder fit ist, denn auch er verfügt wegen seiner guten Schusskraft über ein enorm großes Potenzial“, lobt Luca Schäfer seinen jüngeren Bruder, der in den kommenden Tagen 20 Jahre alt wird.

Erfahrungen bei Darmstadt 98

Auch die beiden Reka-Brüder fühlen sich in Bürstadt derzeit pudelwohl. Beide fanden den Weg vom Gruppenligisten FC Fürth ins Ried. Mit dem 4:2-Siegtreffer am vergangenen Samstag gegen Eintracht Wald-Michelbach II erzielte Besim Reka (35 Jahre) immerhin seinen 13. Saisontreffer für den VfR und verweist dabei gleich auf die Qualitäten seines sechs Jahre jüngeren Bruders Muharem, VfR-Neuerwerbung in der Winterpause.

„Als Muharem zu Ende des vergangenen Jahrzehnts aus der Jugend des SV Darmstadt 98 kam, hätte er es dort fast in die erste Mannschaft gepackt. Eine blöde Verletzung hat ihn damals leider zurückgeworfen. Danach wurde er nicht mehr berücksichtigt. Das ist sehr schade“, freut es nicht zuletzt auch Besim Reka, dass er einen jüngeren Bruder hat, der „richtig gut kicken kann“.

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