Lokalsport Südhessen

Tischtennis Drittliga-Herren des TTC gewinnen sensationell 6:4 beim Top-Favoriten Hertha BSC und treffen jetzt auf Schwarzenbek

„Der absolute Wahnsinn“

Berlin/Lampertheim.„Sensationell. Traumhaft. Es gibt keinen Superlativ, der unsere Gefühlslage beschreiben könnte“, sagte ein völlig verblüffter Uwe van gen Hassend – und merkte stolz an: „Ich war selbst diesmal nicht in Berlin dabei. Diejenigen, die dabei waren, sagen mir aber durch die Bank, dass es das beste Spiel in der Geschichte des TTC Lampertheim war.“

Schon vor einer Woche, beim 4:6 zu Hause gegen Zweitliga-Absteiger 1. FC Köln, hatte das erste TTC-Herrenteam einen Titelkandidaten der 3. Bundesliga Nord am Rande einer Niederlage. Jetzt setzten die Südhessen gegen den nächsten Top-Gegner noch einen drauf. Bei Hertha BSC feierten die Lampertheimer einen nie für möglich gehaltenen 6:4-Auswärtserfolg. Van gen Hassend konnte nur staunen: „Das ist der absolute Wahnsinn, das toppt die tolle Leistung aus dem Köln-Spiel. Unsere Jungs hatten bei der Abfahrt gesagt, dass sie nicht nach Berlin fahren, um zu verlieren. Und dann das. Ich bin total stolz auf die Mannschaft. Chapeau.“

Es waren „Spiele auf höchstem Niveau“ (van gen Hassend), die die nur 22 Zuschauer in der Sporthalle der Berliner Ernst-Reuter-Schule zu sehen bekamen. „Dass ein Ligaspiel zweier Vierer-Mannschaften über viereinhalb Stunden geht, kommt nicht alle Tage vor“, meinte Lampertheims Vorsitzender.

Junges Team holt Rückstand auf

Sechs der insgesamt zehn Einzel- und Doppelpartien gingen in den fünften Satz. Die TTC-Jungs, mit 20 Jahren das im Schnitt jüngste Team der Nord-Gruppe, gewannen drei davon – und bewiesen vor allem hinten raus Nervenstärke. Zur Pause hatte es nämlich 3:1 für Berlin gestanden. Beide Doppel waren an die Hertha gegangen, nach einer Fünf-Satz-Niederlage von Alfredas Udra gegen Ex-Nationalspieler Philipp Floritz sorgte TTC-Spitzenmann Andrei Putuntica im fünften Satz gegen Torben Wosik immerhin für den 1:3-Anschluss.

Es folgte eine mustergültige Aufholjagd, in deren Verlauf Lampertheims hinteres Paarkreuz um die Neuzugänge Nicholas Tio und Istvan Molnar eine 4:0-Ausbeute gegen die erfahrenen Berliner Sebastian Borchardt und Deniz Aydin herausholte. Im vorderen Paarkreuz verlor zwar Putuntica gegen Floritz in einem hochdramatischen Match mit 10:12 nach 10:9-Führung im fünften Satz, dafür fertigte Udra Wosik in drei Sätzen ab.

Mit ihrer unbeschwerten Spielweise machten die Lampertheimer zu einem frühen Zeitpunkt in der Saison ein großes Manko aus der vergangenen Spielzeit wett. „Da hatten wir den Gegner in so vielen Spielen am Haken. Auch gegen Köln hatten wir 3:1 geführt – und jedes Mal ist es schiefgegangen. Jetzt haben wir endlich einmal den Lohn für viele gute Leistungen eingefahren. Nicht auszudenken, wo wir jetzt ständen, wenn wir auch Köln besiegt hätten.“ In der Tat: Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre, wäre der TTC Lampertheim jetzt mit 4:0 Punkten Tabellenführer der dritthöchsten deutschen Spielklasse.

Aber auch so kann sich der Saisonstart des TTC-Quartetts mit 2:2 Punkten und neutraler Spielbilanz nach den Partien gegen die turmhohen Favoriten aus Köln und Berlin absolut sehen lassen. Der doppelte Punktgewinn in der Hauptstadt geht nach jetzigem Stand als dicker Bonus durch – sofern die talentierte TTC-Truppe ihr Heimspiel am Samstag (18.45 Uhr, Sedanhalle) gegen Schlusslicht TSV Schwarzenbek (0:4 Punkte) nicht auf die leichte Schulter nimmt. „Dann wäre der Sieg in Berlin nicht mehr so viel wert“, warnt van gen Hassend: „Vor der Runde galt Schwarzenbek neben uns, Borsum und Buschhausen in Fachkreisen als Abstiegskandidat. Wir müssen diese Begegnung mit viel Respekt angehen, das wird kein Selbstläufer. Wir sind aber der Favorit, unsere Spieler wissen, was sie können. Ich bin zuversichtlich.“

TTC-Damen erwarten Niesetal

Auch das TTC-Damenteam bekommt es am Wochenende in der Oberliga Hessen mit dem Tabellenletzten zu tun. Am Sonntag (14 Uhr, Sedanhalle) empfangen die Südhessinnen (2:4 Punkte) den SC Niestetal II. „Das ist ein sehr wichtiges, wegweisendes Heimspiel, das wir unbedingt gewinnen wollen“, stellt van gen Hassend klar. Personell werden die TTC-Damen wohl aus dem Vollen schöpfen können.

TTC Lampertheim, Herren (gegen Hertha): Tio, Molnar (je 2), Putuntica, Udra (je 1).

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