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Fußball-Kreisoberliga Mit dem Abstieg in die A-Liga endet eine Ära beim FVH / Eine Ursachenanalyse

Die große Hofheimer Krise

Archivartikel

Hofheim.Aus und vorbei, abgestiegen. Schon nach der 0:3-Heimniederlage gegen den VfL Birkenau am 12. Mai stand fest, dass der FV Hofheim die Fußball-Kreisoberliga verlassen muss und sportlich künftig in der Kreisliga A zu Hause ist.

Rückblende: Spielertrainer Herbert Kern, Heiko Schade, Attila Jambor, Thomas Ruppert, Thomas Blüm, Albin Marsch, um nur einige zu nennen. Sie schafften im Juni 1989 einen großen Coup, von dem der Verein noch lange zehren sollte. Der FVH stieg in die A-Klasse Süd (heute Kreisoberliga Bergstraße) auf und sollte dieses sportliche Niveau immerhin 30 Jahre lang halten.

Damals war er punktgleich mit den beiden Widersachern VfR Fehlheim und TSV Reichenbach. Eine kleine Relegationsrunde brachte die Entscheidung. Die Hofheimer und Fehlheimer marschierten direkt nach oben. Die Reichenbacher, damals trainiert vom Hofheimer Trainerurgestein Rainer Freudenstein, den sie im Lautertal voller Anerkennung „Menotti“ nannten, mussten nachsitzen. Doch der TSV Reichenbach schlug die SG Wald-Michelbach und war 1989/90 ebenfalls stolzer A-Ligist.

Identifikationsfigur Schader

Der FV Hofheim, er mauserte sich. In Abstiegsgefahr zu geraten, war bald nicht mehr das Thema. 1996 sollte es sogar noch besser für die Blau-Weißen kommen, die fortan in der Gruppenliga (Bezirksoberliga) Darmstadt spielten. Von dort pendelten sie zwischen dieser Klasse und der Kreisoberliga hin und her.

Doch ein personeller Umbruch im Sommer 2017 ließ schon nichts Gutes vermuten. Der bisherige Hofheimer Trainer Aiad Al-Jumaili verließ den Verein in Richtung SG Unter-Abtsteinach, zudem suchten mehrere Stammspieler das Weite.

Doch ein Name hatte identitätsstiftende Wirkung beim Hofheimer Anhang: Oliver Schader. Der neue Spielertrainer bastelte schon im Frühling 2017, als er noch gar nicht offiziell im Amt war, am „neuen FV Hofheim“. Und es sah gar nicht einmal so schlecht aus. Obwohl der Verein ein ums andere Mal in Abstiegsgefahr geriet, belegte er am Ende Platz sieben. „Die Mannschaft war in der vergangenen Saison schlechter besetzt als in der laufenden. Doch wir hatten damals einfach mehr Biss. Und zudem mit Maximilian Schröher (18 Treffer) einen richtig guten Torjäger“, blickt Schader auf die vergangene Spielzeit zurück, mit der die große Hofheimer Krise überwunden schien.

Die Entwarnung, sie kam aber eindeutig zu früh. Die Spielzeit 2018/19 sollte aus Hofheimer Sicht zur Seuchensaison werden. Da das Schiedsrichtersoll nicht erfüllt wurde, mussten die Kicker aus dem Lampertheimer Stadtteil einen Drei-Punkte-Abzug hinnehmen. „Wir wurden als Mannschaft dafür be-straft, weil es den Funktionären nicht gelungen ist, Sportkameraden für das undankbare Schiedsrichteramt zu gewinnen. Eine solche Strafe halte ich für unangemessen“, kann sich Schader mit dieser Entscheidung am Grünen Tisch in keiner Weise identifizieren.

Aber es war auch das große Verletzungspech, das die Hofheimer zurückwarf. Nicht zu vergessen unglückliche Niederlagen wie das 2:3 gegen Riedrode oder das 1:2 gegen die Tvgg Lorsch, als der FVH die entscheidenden Treffer erst in der Nachspielzeit kassierte.

Alles Gründe, die Schader für das Scheitern seiner Mannschaft heranziehen könnte. Er fasst sich aber auch an die eigene Nase: „Wir sind völlig zurecht abgestiegen. Uns ist es einfach nicht mehr gelungen, den Hebel umzulegen.“

Nun will der FVH die nächste Gelegenheit nutzen, die Scharte auszuwetzen. Der Blick, er soll schnell wieder nach oben gerichtet werden. Für dieses Vorhaben kündigten sich bereits die ersten Personalentscheidungen an. Alfio Santangelo ist seit kurzem spielberechtigt und wird auch in der kommenden Saison das Hofheimer Trikot tragen. Von Starkenburgia Heppenheim kommt Niklas Probst, wohnhaft im Lampertheimer Stadtteil Rosengarten. Und da gibt es noch die vier A-Junioren Patrick Schüssler, Marlon Mitsch, Tim Seitz und Christopher Vogel, die teilweise schon eingewechselt wurden. „Ihnen gehört in Hofheim die Zukunft“, lobt Schader die Rasselbande aus dem eigenen Stall. Und vielleicht gelingt dem FVH ja ein ähnliches Kunststück wie damals 1988/89, als sie mit 44:24 Punkten und 54:30 Toren, die Zwei-Punkte-Regelung lässt grüßen, zu einem Höhenflug ansetzten, der erst in diesem Jahr enden sollte. hias

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