Lokalsport Südhessen

Fußball-Gruppenliga Trainerduo der FSG Riedrode plädiert für einen Saisonabbruch / Gespräche über Verlängerung der Zusammenarbeit stehen bevor

„Die Runde gehört annulliert“

Archivartikel

Riedrode.Die Lust, über Fußball zu reden, hält sich bei Duro Bozanovic und Andreas Keinz zurzeit in Grenzen. Geht es in den Gesprächen mit dem Trainerduo des Gruppenligisten FSG Riedrode einmal doch um Sportliches, rückt aber vor allem eine Frage schnell in den Fokus: Wie viel Sinn hat es, auf der Fortsetzung der Saison 2020/21 zu bestehen?

„Wenn ich lese, dass der Lockdown über den Januar hinaus verlängert werden soll, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir in absehbarer Zeit wieder Fußball spielen werden“, sagt Keinz. Er vertritt eine klare Ansicht: „Meiner Meinung nach gehört diese Runde komplett annulliert, auch wenn uns das wehtun würde.“ Die erste FSG-Mannschaft ist mit 19 Punkten aus den ersten acht Partien ein heißer Anwärter auf den Verbandsliga-Aufstieg. Riedrodes 1b-Elf ist Spitzenreiter der Kreisliga B.

Verzerrter Terminplan

Trainerkollege Bozanovic schlägt in dieselbe Kerbe. „Natürlich würde ich mich freuen, wenn es unter guten Bedingungen weitergehen könnte“, erklärt der frühere Oberliga-Stürmer: „Wenn ich aber sehe, dass viele Leute ihren Beruf gerade nicht ausüben können oder um ihre Existenz zittern, frage ich mich: Warum sollten wir unserem Hobby nachgehen können? Selbst wenn die Zahlen bald runtergehen sollten, wird man ja nicht gleich wieder alles aufmachen. Der Fußball steht da ganz hinten dran.“

Wie in fast allen Lebensbereichen, die das Coronavirus momentan auf eine harte Probe stellt, gestalten sich auch die Probleme im Amateurfußball vielfältig. Da wäre zum Beispiel der zeitliche Rahmen. Geht es nach dem Hessischen Fußball-Verband, soll die Runde bis 13. Juni abgeschlossen werden. Doch eine Saison fortzusetzen, deren Terminplan schon jetzt verzerrt ist, halten Bozanovic und Keinz nicht für zielführend – geschweige denn für realisierbar.

„Um die Runde fertigzuspielen, müssten wir am besten sofort anfangen und nur noch Englische Wochen haben. Das kann im Amateursport niemand leisten“, meint Keinz. „Die Jungs arbeiten oder studieren unter der Woche, und die Ansteckungsgefahr bleibt“, pflichtet Bozanovic seinem Kollegen bei. Und er denkt an die Aussagekraft der Tabelle. „Will man wirklich noch acht, neun Spiele spielen, nur damit man irgendwie eine halbe Runde gespielt hat“, fragt sich der 40-Jährige.

Außerdem bräuchte es vorneweg „fünf bis sechs Wochen Vorbereitung“, findet Bozanovic. Keinz ist da voll bei ihm: „Wir sind jetzt drei Monate raus. Wahrscheinlich wird es am Ende auf fünf bis sechs Monate hinauslaufen. Da kann man nicht gleich wieder voll einsteigen.“ Trainingspläne hat Riedrodes Trainerduo seinen Spielern gar nicht erst mitgegeben. „Wenn es absehbar gewesen wäre, wann es wieder losgeht, hätten wir den Jungs einen Laufplan für Januar gegeben. So macht das keinen Sinn. Wir vertrauen unseren Jungs, dass sie sich selbst fit halten“, erläutert Keinz.

Wobei die Familienväter Keinz („Meine Tochter dreht zu Hause am Rad“) und Bozanovic („Meine Jungs sind genauso fußballverrückt wie ich und vermissen es, auf dem Platz zu stehen“) grundsätzlich Verantwortung vor Vertrauen stellen. „Der eine oder andere Spieler lebt mit gefährdeten Personen zusammen. Wir überlassen es den Jungs, ob sie die Saison zu Ende spielen wollen“, stellt Keinz klar.

Das Miteinander fehlt

Ob sich der Kontakt zur Truppe in der sportfreien Zeit verändert habe? Ja, bekräftigen die Übungsleiter. „Das Miteinander fehlt. Sonst sieht man sich viermal die Woche auf dem Sportplatz“, berichtet Bozanovic: „Wir haben die Jungs ein Stück weit auch in Ruhe gelassen. Letzte Woche habe ich mal mit fast allen Spielern telefoniert. Alle kriegst du natürlich nie in ein Videogespräch.“ Keinz rief kurz vor Weihnachten bei allen Spielern durch.

Einen kleinen positiven Nebeneffekt hatte die Corona-Pause: Über Zu- oder Abgänge musste sich der Gruppenligist keine Gedanken machen. „Ich habe von keinem gehört, dass er wechseln will. Wir wollen mit diesem Kader weitermachen“, sagt Bozanovic, der über „ein oder zwei Neuzugänge“ für den Sommer nachdenkt.

Die Gespräche für die neue Runde sollen „Mitte, Ende Januar“ (Keinz) stattfinden – zumindest, sofern sich das Trainerduo vorher mit dem FSG-Vorstand auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit einigen kann. „Würden wir so aufhören, wäre das kein schöner Abschluss“, ist Keinz gewillt, mit Jugendkumpel Bozanovic an der FSG-Seitenlinie weiterzumachen: „Wir haben eine tolle Mannschaft. Die Strukturen stimmen – uns macht es Spaß.“

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker überregional