Lokalsport Südhessen

Fußball Sandhausen erwartet am Montag Wehen

Duell der „grauen Mäuse“

Archivartikel

Sandhausen.Als Peter Neururer im September 2013 als Trainer des VfL Bochum nach Sandhausen kam, war er erst einmal wenig begeistert. „Da dachte ich: Oh Moment mal, schon wieder ein Vorbereitungsspiel, das darf doch nicht wahr sein“, sagt der 64-Jährige im Rückblick. Alles sei klein und nett gewesen – aber der Platz des SV Sandhausen in der Nähe von Heidelberg habe mehr einer „Sportanlage“ als einem Stadion geähnelt. „Da konnte man noch auf Wald und Wiesen gucken.“

Ein gutes Jahr nach dem ersten Zweitligaaufstieg der Clubgeschichte wirkte bei den Kurpfälzern Vieles damals noch relativ amateurhaft. Und Neururer merkte, dass seine Mannschaft in diesem Umfeld Motivationsprobleme hatte. Sie verlor dann auch 0:1 und musste den SVS in der Tabelle an sich vorbeiziehen lassen. Denn es war kein Testspiel mehr, sondern der 9. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga.

Sandhausen hat mittlerweile ein schmuckes Stadion mit 15 000 Plätzen, die Stadt hat etwa ebenso viele Einwohner – war bis zum Sommer jedoch kleinster Standort der Zweiten Liga. Noch kleiner ist jetzt nur das hessische Wehen, die Keimzelle des Aufsteigers SV Wehen Wiesbaden. Am Montag (20.30 Uhr) treffen die beiden in Sandhausen im Duell der „grauen Mäuse“ aufeinander. So werden sie zumindest an großen Fußball-Standorten wahrgenommen. Der Fußball- und Zweitliga-Experte Neururer findet das ungerecht.

Er ziehe den Hut davor, dass ein kleiner Verein wie Sandhausen schon die achte Saison in Serie in der Zweiten Liga spiele und sich dort zu einer festen Größe entwickelt habe: „Es ist großartig, was dort mit überschaubaren Mitteln geleistet wird.“ Ebenso stark sei es, dass der SV Wehen Wiesbaden, die in eine GmbH ausgegliederte Fußballabteilung des SV Wehen, zum zweiten Mal ins Profi-Unterhaus aufgestiegen sei.

Wiesbadens Trainer Rüdiger Rehm nannte Sandhausen „einen gestandenen Zweitligisten“. Seine Aufsteiger-Mannschaft ist in der 2. Liga momentan Schlusslicht – in der Punkte- wie in der Zuschauertabelle. In letzterer hinter dem Vorletzten Sandhausen.

Auch der SVS und der SVWW, beide um die 100 Jahre alt, seien Traditionsvereine, findet Neururer. Ebenso wie der VfB Stuttgart, Schalke 04 oder Borussia Dortmund. „Nur haben sie die Titel nicht und eben eine andere Geschichte.“ Damit sind sie derzeit erfolgreicher als andere Traditionsclubs, die nach Jahren der Misswirtschaft in der 3. Liga und noch weiter unten dümpeln – siehe 1860 München, Kaiserslautern oder Kickers Offenbach. Woran das liegt?

Sandhausen und Wehen Wiesbaden seien Vereine „mit viel, viel Bodenhaftung“, findet Neururer. „Die beschränken sich auf das Wesentliche und träumen nicht von irgendwelchen Dingen aus der Vergangenheit.“ Und hätten in der Gegenwart realistische Zielsetzungen, nämlich den Klassenverbleib.

Wer wie beim FCK oder den Löwen ständig „von der Vergangenheit redet und sie glorifiziert, der muss eine scheiß Gegenwart haben“, sagt Neururer. Das eben hätten Sandhausen und Wehen Wiesbaden nicht. Denn deren Gegenwart sei „großartig“. dpa

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