Lokalsport Südhessen

Tischtennis Drittligist TTC Lampertheim muss Saisonauftakt ohne Stammspieler bestreiten

„Ein riesiges Problem“

Archivartikel

Lampertheim.Es bleibt dabei: Das erste Herrenteam des TTC Lampertheim wird den Saisonauftakt in der 3. Tischtennis-Bundesliga Nord ohne Stammspieler bestreiten. Die litauischen Nationalspieler Medardas Stankevicius, Alfredas Udra und Tomas Mikutis werden nicht zum Heimspiel gegen den TTS Borsum am Sonntag (14.30 Uhr, Sedanhalle) anreisen, weil sie laut den Corona-Verordnungen im Baltenstaat nach ihrer Rückkehr aus Deutschland für zwei Wochen in Quarantäne müssten. Dmitry Zakharov kommt nicht aus Russland raus.

„Wir stehen vor einem riesigen Problem“, sagt Lampertheims Vorsitzender Uwe van gen Hassend. Sechs Ausweichtermine habe der TTC den Borsumern vorgeschlagen, alle wurden abgelehnt. Alternativtermine schlug der Aufsteiger nicht vor – auch kein Pro-Forma-Datum, das in ohnehin ungewisser Zukunft liegt und notfalls eine weitere Verlegung nach sich ziehen würde.

Die Lampertheimer beantragten deshalb die Absetzung des Spiels beim Deutschen Tischtennis-Bund. Doch der DTTB lehnte das ab: Die Wettspielordnung, die in Folge der Covid-19-Pandemie aktualisiert wurde, sehe keine Absetzung aufgrund von Reisebeschränkungen bei ausländischen Spielern vor. „Eigentlich wäre das ein Fall für den Europäischen Gerichtshof“, spricht van gen Hassend von einem „Wettbewerbsnachteil und Wettbewerbsverzerrung“. Denn schon nächste Woche könnte der TTC, der in den ersten drei Spielen auf drei Aufsteiger trifft, dasselbe Schicksal ereilen: Am 20. September geht es zum SVH Kassel. Für den TTC bedeutet die nicht zustande gekommene Verschiebung: Der Vorjahresfünfte, der 2019 Vizemeisterwurde, muss am Sonntag antreten – sonst droht eine Strafe über 750 Euro. Dass die bereits gebuchten Flüge der TTC-Spieler nicht stornierbar sind, die Schiedsrichter bezahlt werden müssen und Zuschauer wegbleiben werden, kommt oben drauf. Dass Litauen Deutschland am Freitag von der Liste der Länder mit einem erhöhten Infektionsrisiko streichen wird, gilt als unwahrscheinlich. „Selbst, wenn: Für die mentale Vorbereitung ist es katastrophal, wenn die Spieler drei Tage vorher nicht wissen,, ob sie spielen können“, hält van gen Hassend den Ablauf für eine „sportliche Farce“, wie er betont. Einen Protest gegen die Spielwertung zieht der TTC-Boss zurzeit nicht in Erwägung: „Wir werden antreten, um die Strafe nicht zahlen zu müssen. Aber für die Leute, die spielen werden, ist es nicht angenehm, sich abschießen zu lassen. Den Gästen wird sicher auch keine Freundschaft entgegenwehen.“

Nach heutigem Stand wird Stephan Kaiser, die Nummer eins im Verbandsliga-Team, spielen. „Von der ‚Zweiten‘ sind am Sonntag aber nur zwei Leute verfügbar“, meint der 59-Jährige, der selbst in der sechsten Mannschaft (1. Kreisklasse West) aktiv ist: „Vielleicht stelle ich mich ja hin.“ Dem DTTB habe van gen Hassend mitgeteilt, dass er die Ablehnung „für einen Witz“ halte: „Am 23. Juni gab es eine Online-Sitzung der 3. Liga. Da wurde noch ausdrücklich an die Solidargemeinschaft appelliert. Wir hätten das gerne im Sinne des Sports gelöst.“ Klassenkamerad SV Siek, der ebenfalls vier ausländische Stammspieler stellt und vor einem ähnlichen Problem stand, hatte neulich mehr Glück: Union Velbert stimmte einer Verlegung zu.

Sorgenvoller Blick in die Zukunft

Völlig offen ist, wie lange der TTC ohne seine Leistungsträger auskommen muss. Nach dem Kassel-Spiel geht es erst Ende Oktober weiter. „Niemand kann sagen, was dann ist“, macht sich van gen Hassend, der die Mannschaft für 2020/21 noch vor dem Ausbruch der Pandemie zusammengestellt hatte, ernsthafte Sorgen um die Zukunft seines Vereins: „Die Bundesliga-Zugehörigkeit und die Partnerschaften, die wir uns über Jahre aufgebaut haben, stehen auf dem Spiel. Das belastet mich auch persönlich.“

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