Lokalsport Südhessen

Eklat am Hegwald

Claudio Palmieri sieht die SG Hüttenfeld in der Pflicht

Die Vorwürfe sind leicht erhoben – und wiegen schwer. Nach dem Prinzip „Aussage gegen Aussage“ geht es beim Abbruch der Partie zwischen der SG Hüttenfeld und Eintracht Bürstadt II längst nicht mehr nur um die Frage, ob sich unter den Zuschauern am Hegwald-Sportplatz ein paar Unbelehrbare tummeln, die den Fußballplatz als rechtsfreien Raum und ausländische Spieler als Ventil für ihre Aggressionen betrachten.

Die Kritik, die Verantwortliche der SG Hüttenfeld in den sozialen Netzwerken – also für jedermann lesbar – in den Raum gestellt haben, hat es ebenfalls in sich: Hat der farbige Eintracht-II-Trainer Amir Nur seinen Schützling Joel Wayita-Makamba, gebürtig aus dem Kongo, bewusst als Zielscheibe eingesetzt und stilisiert sich jetzt als Held, der wie einst Kevin-Prince Boateng sein Team vom Platz nimmt? Nimmt die Eintracht-Reserve Rassismus als Vorwand, um ein Spiel beim Stand von 0:2 abzubrechen?

Es ist eine schwere Anklage, die zumindest handfest belegbar sein sollte – und das ist sie im Fall der SG Hüttenfeld nach dem aktuellen Kenntnisstand nicht. Was SGH-Trainer Jury Mai auf Facebook als „Geschmäckle“ bezeichnete, ist der Umstand, dass ein möglicher Abbruch auf dem Platz offenbar schon früh ein Thema war. Das soll ein Bürstädter Spieler einem Hüttenfelder gesteckt haben. Früh – nämlich in der fünften Minute – hatte sich aber auch der in Hüttenfeld aufgewachsene Wayita-Makamba unüberhörbar an Mai und SGH-Spielausschussmitglied Marco Falkenstein gewandt, um die ersten Beleidigungen zu unterbinden.

Die Frage nach den Ordnern

Geschmäckle hat indes auch das Vorgehen der SGH am Sonntag. Warum stellte Hüttenfeld laut Mai zwischen der sechsten und 45. Minute den ausfälligen Zuschauern Ordner zu, aber nicht mehr in der zweiten Hälfte? Warum hat niemand außer der Eintracht-Mannschaft etwas unternommen? Es ist die Aufgabe des Heimvereins, für Ruhe und Ordnung zu sorgen – nicht der Gäste. Mais Argumente, er hätte nichts mitbekommen und dass Nur und Wayita-Makamba bei der Ermittlung der Übeltäter kooperieren hätten müssen, greifen hier zu kurz.

Eine Garantie, einen Sieg am Grünen Tisch zugesprochen zu bekommen, hat die Eintracht sowieso nicht. Dafür gibt es Sportgerichte. Dass Wayita-Makambas Facebook-Post Kommentare à la „Leider normal bei denen“ auf den Plan rief, sollte der SG Hüttenfeld schon eher zu denken geben. Unterm Strich scheint es der C-Liga-Primus verpasst zu haben, ein wichtiges Zeichen zu setzen – unabhängig davon, ob im weiteren Spielverlauf von beiden Seiten Beleidigungen ausgingen.

 
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