Lokalsport Südhessen

Spieler der Woche Aiman Bnshi kam als syrischer Flüchtling - und fand in Lampertheim nicht nur sportlich eine neue Heimat

Elfmetertöter aus Latakia

Lampertheim.Syrischer Sieggarant: Im Gruppenligaduell zwischen dem TV Lampertheim und den Sportfreunden Heppenheim schafften die Turner zum Auftakt mit 2:1 einen nicht unbedingt erwarteten Erfolg. Der Sieg geriet allerdings akut in Gefahr, als die Gäste aus der Kreisstadt in der 86. Minute einen Strafstoß zugesprochen bekamen: Der Elfmeter von FCS-Spieler Sascha Wickler knallte gegen den Pfosten, doch damit war die Gefahr noch nicht gebannt. "Ich habe gehört, wie der Ball gegen den Pfosten klatschte und habe dann sofort wieder reagiert", erinnert sich TVL-Torwart Aiman Bnshi an diese wichtige Szene im Spiel. Dank seiner Reaktionsschnelligkeit konnte der 34-Jährige den Nachschuss entschärfen und den Spargelstädtern so im Auftaktspiel die ersten drei Punkte sichern.

Dass Bnshi beim Elfmeter besonders reaktionsschnell ist, wussten die Clubs in seiner Heimat Syrien schon früher zu schätzen. "Da war ich als Elfmetertöter bekannt und wurde auch häufiger als bester Spieler der Begegnung geehrt", erzählt Bnshi, der unter anderem beim syrischen Top-Club Teschrin SC in seiner Heimatstadt Latakia spielte.

Konkrete Pläne für die Zukunft

"Es hat mich natürlich gefreut, dass er uns die drei Punkte retten konnte. Das hat er sich auch verdient, denn er ist einer, der immer ins Training kommt und voll dabei ist. Eigentlich ist er für unsere zweite Mannschaft in der B-Liga vorgesehen, aber angesichts unserer schwierigen Torhütersituation musste er zuletzt in beiden Teams präsent sein", lobt TVL-Trainer Christian Hofsäß die positive Einstellung Bnshis. Nach der Meniskus-OP von Stammkeeper Peter Hecher und der geplatzten Rückkehr von Christian Knecht wurde es auf der Torhüterposition bei den Spargelstädtern eng. Daniel Obert konnte nach seiner Verletzung noch nicht spielen und so blieben für beide TVL-Teams mit Aiman Bnshi und Andreas Kirsch lediglich zwei Torhüter übrig.

Somit kam Bnshi, der in der vergangenen Saison beim FC Olympia zwischen den Pfosten stand, in der Gruppenliga zum Einsatz, was sich am Wochenende in Fürth wiederholen könnte, sofern Neuzugang Marvin Greiner weiter keine Spielberechtigung hat. "Fußball ist mein Leben. Ich will immer gewinnen und immer besser werden", ist der Sport für Bnshi enorm wichtig. Wegen des Bürgerkriegs in der Heimat flüchtete der 34-Jährige mit seiner kleinen Familie zunächst in die Türkei. "Das Leben in Syrien war total gefährlich. Ich bin gegen Krieg und gegen Waffen", betont Bnshi.

Im August 2015 machte er sich auf den Weg nach Deutschland. "Damals waren wir 15 Tage unterwegs, davon viel zu Fuß. Das war zum Teil gefährlich, aber nicht so gefährlich wie der Krieg in Syrien", erzählt er. Seit der Ankunft in Lampertheim besucht Bnshi das Montagstraining der von TVL-Trainer Schmitt betreuten Flüchtlingsgruppe. Ein Zertifikat als Jugendbetreuer hat er beim TVL bereits erworben. "Ich würde gerne als Jugendtrainer arbeiten, das macht mir großen Spaß und ich möchte den Menschen hier etwas zurückgeben, denn es sind gute Menschen", ist Bnshi dankbar dafür, wie seine vierköpfige Familie hier aufgenommen wurde. Auch beruflich hat der Torwart einen Plan. "Ich mache gerade einen Sprachkurs in Deutsch und wenn ich den geschafft habe, dann möchte ich mich bei einem Metallbauunternehmen um eine Ausbildung bewerben."

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