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Fußball-C-Liga Trainer der SG Hüttenfeld begründet seinen Rücktritt / „Spieler haben den Verein im Stich gelassen“

Falkenstein greift Neuzugänge an

Archivartikel

Hüttenfeld.Ein Mann, der Schuld und Fehler immer nur bei den anderen sucht, ist Marco Falkenstein nicht. Im Gespräch mit dieser Zeitung macht der scheidende Trainer der SG Hüttenfeld einen selbstkritischen Eindruck. Spurlos geht die Entscheidung, nach dieser Saison als Trainer des Fußball-C-Ligisten aufzuhören, jedenfalls nicht an ihm vorbei. „Vielleicht habe ich nach 13 Jahren als Trainer beim TV Lampertheim wieder zu früh angefangen. Vielleicht habe ich auch zu hohe Ansprüche, weil ich anderes gewohnt bin“, grübelt der 38-Jährige.

Allerdings: Mit den Motiven, die er als ausschlaggebend für seinen freiwilligen Abschied zum Saisonende ausmacht, steht Falkenstein im Ried nicht alleine da. Schlechte Trainingsbeteiligung, eine zunehmend unverbindliche Haltung von Spielern in Sachen Vereinstreue und zum Fußball als Hobby im Allgemeinen: Dieses Klagelied stimmen immer mehr Amateurvereine ein.

Falkensteins Ex-Club TV Lampertheim, dessen erste Mannschaft im Frühjahr nach dreimaligem Nichtantreten aus dem Spielbetrieb der Gruppenliga Darmstadt ausschied, lässt grüßen. „Es ist doch ein Freizeitsport. Niemand wird zum Fußball gezwungen. Die Einstellung der Spieler hat sich in den letzten fünf, sechs Jahren dramatisch verschlechtert. Es kann nicht sein, dass Spieler machen, was sie wollen und gleichzeitig alles hinterhergetragen haben wollen“, holt Falkenstein aus – und denkt etwa an die Ansprüche, die einige Akteure bei Verhandlungen stellen.

Ross und Reiter genannt

Was einzelnen Spielern letztlich nicht passt, werden die Verantwortlichen vermutlich nie erfahren. Viele kommen einfach gar nicht mehr – eine Erfahrung, die auch SGH-Coach Falkenstein im Lauf dieser Runde machen musste. „Ich muss mir ankreiden lassen, dass ich vor der Saison auf die falschen Pferde gesetzt habe“, meint er – und scheut sich nicht davor, Namen zu nennen: „Michael Bopp hat sich nach seiner Roten Karte im dritten Spiel nicht mehr hier blicken lassen. Marcel Klotzbach hat sich vor vier Wochen mitten im Abstiegskampf abgemeldet. Karsten Krämer gibt bei uns an, länger verletzt zu sein, spielt aber jetzt in Bobstadt. Nur für Marc-Christopher Schader, der uns aus privaten Gründen nicht mehr zur Verfügung steht, habe ich Verständnis.“ Als Hauptgrund für sein Aufhören macht der frühere Gruppenliga-Trainer „Gräben“ aus, die sich zwischen einigen Spielern und ihm aufgetan hätten.

Einen besonderen Vorfall habe es nicht gegeben, betont er: „Vielleicht kann ein anderer Trainer neue Akzente setzen. Ich will diesen Druck, ständig da sein zu müssen, nicht mehr haben. Ich muss mich auch nicht von Spielern anlügen oder sonntags auf dem Fußballplatz anschreien lassen.“

Das Ried-Derby bei Eintracht Bürstadt II am 27. Mai wird somit Falkensteins letztes Match als Trainer der Hüttenfelder SG sein. Für den Mann, der 2010 den TVL in die Gruppenliga geführt hatte, endet damit eine selbsterklärte Herzensangelegenheit.

Vor drei Jahren übernahm der 38-Jährige die erste Mannschaft seines Heimatvereins und führte sie nach vier D-Liga-Saisons auf Anhieb zurück in die C-Klasse. Nach einem guten fünften Platz in der vergangenen Runde wollte Falkenstein den nächsten Schritt nach vorne machen.

Ein Unterfangen, das sich auch aufgrund der personellen Schieflagen als zu ambitioniert entpuppte. Als Vierter hat die SGH keine Chance mehr auf den Aufstieg. Dem Verein würde Falkenstein auch nach seinem Ausscheiden gerne treu bleiben. Ein Problem sieht er darin nicht: „Die Leute, die uns im Stich gelassen haben, sind ja nicht mehr da.“

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