Lokalsport Südhessen

Das aktuelle Interview Dem neuen Vorsitzenden des Handballbezirks Klaus Bernshausen gehen die Schiedsrichter aus

„Fiebere beim TVL mit“

Lampertheim.Am Wochenende beginnt bei den Handballern auf Bezirksebene die neue Saison. Und es wird die erste Spielzeit unter der Regie von Klaus Bernshausen als Vorsitzendem des Handballbezirks Darmstadt sein. Im Vorfeld stand der Lampertheimer, der seit 34 Jahren aktiver Schiedsrichter ist, Rede und Antwort und beleuchtete die Situation in „seinem“ Bezirk.

Herr Bernshausen, eine Nachricht hat die Vereine des Bezirks aufgeschreckt: In der Männer-D- und Frauen-B-Liga wird es keine offiziellen Schiedsrichter mehr geben. Wie kommt es dazu?

Klaus Bernshausen: Ganz einfach: Wir haben nicht mehr genug. Seit vielen Jahren ist ein kontinuierlicher Rückgang an Schiedsrichtern zu verzeichnen.

Aber die Zahl der Strafen wegen fehlender Schiedsrichter hatte sich doch zuletzt eher reduziert...

Bernshausen: Ja, aber das hat in erster Linie damit zu tun, dass sich das Schiedsrichtersoll und damit die Strafen nach der Zahl der aktiven Mannschaften bemisst. Und da gab es immer weniger. Wir haben im Arbeitskreis Schiedsrichter vor eineinhalb Jahren eine ausführliche Analyse der Situation vollzogen und eine Prognose erstellt. Leider hat sich der Rückgang so dargestellt, wie befürchtet, zum Teil sogar noch schlimmer.

Woran liegt das?

Bernshausen: Da ist zum einen die Altersstruktur: Wir haben sehr viele ältere Schiedsrichter, die enorm viele Spiele leiten und viel Zeit investieren. Wenn von diesen welche aufhören, reißt das große Lücken. Auf der anderen Seite können Schiedsrichter, die selbst noch aktiv spielen oder als Trainer aktiv sind, diese Lücken nicht schließen. Das soll aber auch kein Vorwurf sein: Wir brauchen die Trainer und wir brauchen die Spieler. Wir müssen es aber schaffen, das Schiedsrichterwesen wieder auf eine breitere Basis zu stellen. Das geht nur gemeinsam mit den Vereinen.

Das bedeutet, dass nun die Spiele der D-Liga der Männer und der B-Liga der Frauen von Laien geleitet werden?

Bernshausen: Das denke ich eigentlich nicht. Die Mannschaften werden sicherlich erstmal auf die für ihren Verein pfeifenden Unparteiischen zurückgreifen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Trainer von höherklassigen Mannschaften mal die Leitung übernehmen oder erfahrene Spieler. Ich muss aber dazu sagen, dass wir ausdrücklich zwei Aktiven-Spielklassen nicht mehr besetzen und die Jugendligen ab der C-Jugend aufwärts weiter mit offiziellen Schiedsrichtern besetzen werden. Für mich ist es zwingend notwendig, dass der Nachwuchs gute Unparteiische hat und entsprechend auch regeltechnisch korrekt angeleitet wird.

Von den Schiedsrichtern zu den Mannschaften: Wie ist der Handballbezirk Darmstadt leistungsmäßig aufgestellt?

Bernshausen: Im Frauenhandball sind wir stolz darauf, dass die Flames der HSG Bensheim/Auerbach die Bundesliga gehalten haben und die HSG Weiterstadt/Braunshardt/Worfelden in die 3. Liga aufgestiegen ist. Zudem sind wir mit Ober- und Landesligisten gut vertreten. Im Männerbereich fehlt leider die absolute Leistungsspitze: Nach dem Abstieg des TuS Griesheim aus der Oberliga hat aber Büttelborn den Aufstieg geschafft und ich drücke fest die Daumen, dass der TVB sich dort etablieren kann. Dass wir im Männerhandball in der Spitze nicht ganz so gut aufgestellt sind, liegt aber sicherlich auch an den Vereinen aus der näheren Umgebung. Da haben wir im Süden mit Leutershausen und Großsachsen sowie im Odenwald mit Groß-Bieberau und Groß-Umstadt vier Drittligisten quasi um die Ecke, die Spieler anziehen.

Darf man als Bezirksvorsitzender eigentlich noch mit seinem Stammverein mitfiebern?

Bernshausen: Selbstverständlich. Aber wenn man selbst noch Schiedsrichter ist – und ich pfeife mit meinem Gespannpartner auch Bezirksoberliga, also die Spielklasse unserer Männer –, dann ist man zu den Heimspielterminen meist in irgendwelchen anderen Hallen unterwegs. Aber natürlich verfolge ich die Entwicklung ganz genau.

Was trauen Sie denn der Mannschaft von Trainer Achim Schmied in der neuen Saison zu?

Bernshausen: Ich rechne schon damit, dass sie eine gute Rolle spielen können. Ob es für ganz oben reicht, bleibt abzuwarten. Aber es ist eine gute, gewachsene Mannschaft.

In dieser Saison steht das Derby gegen Aufsteiger TV Groß-Rohrheim an. Wie schätzen Sie den TVG ein?

Bernshausen: Groß-Rohrheim wird sich in der Bezirksoberliga sicherlich etablieren. Gerade in der engen Bürgerhalle, in der auch mal schnell die Emotionen hochkochen, werden es die Gegner schwer haben.

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