Lokalsport Südhessen

Sportpolitik Funktionäre fordern klare und einheitliche Vorgaben

Großer Unmut über unlogische Regeln

Archivartikel

Frankfurt.Es ist nicht nur das Verordnungswirrwarr der Bundesländer im Teil-Lockdown, der den deutschen Sport verunsichert. Für Ärger und Unmut sorgt auch die Gleichsetzung der Amateur-, Breitensportler in den Regelungen mit Bordellen und Spielhallen. „Hier wünschen wir uns in den politischen Debatten mehr Wertschätzung“, sagte Hessens Landessportbundpräsident Rolf Müller. „Die Einordnung des Sports in den politischen Beschlüssen hinter den Spielhöllen und Bordellen sollte sich nicht wiederholen.“

Viel mehr bewegt den organisierten Sport, was geht in den 16 Bundesländern, was darf nicht mehr laufen – und bleibt wirklich alles nur bis Ende November befristet. Während Amateur- und Breitensportler in den meisten Ländern allein oder zu zweit aus verschiedenen Haushalten Sport treiben dürfen, gibt es eine Reihe von Ausnahmen.

Wenige Kilometer entscheiden

In Hamburg ist nur diese kleine Bewegungsfreiheit im Freien gewährt, den Nachbarn aus Schleswig-Holstein hat die Politik es auch in der Halle erlaubt. Eine Vorlage für Sporttourismus: Wer in der Hansestadt wohnt, kann wenige Kilometer weiter Hallen-Tennis spielen. In Mecklenburg-Vorpommern sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vom Sportverbot ausgenommen – und in Berlin ist für bis Zwölfjährige Training an der Luft in Gruppen mit bis zu zehn Personen zugelassen.

Öffentliche und private Sportanlagen in Hessen sind wie anderenorts geschlossen. Es wird aber darauf hingewiesen, dass auf Wasserstraßen und öffentlichen Wasserflächen, im Wald oder in Parks gejoggt, geradelt, gepaddelt und gewandert werden darf; auch Ski-Langlauf ist in der Öffentlichkeit möglich. „Wir hätten uns in Hessen eine differenziertere Vorgehensweise gewünscht“, betonte Müller. Zum Beispiel sportspezifische Regelungen statt pauschale Maßnahmen.

Dies ist auch im Sinne seines Kollegen aus Bayern, wo für den Amateursport so gut wie keine Ausnahmen gemacht werden. „Bundeseinheitliche Regelungen, die für alle Sportvereine gelten und an denen sich alle orientieren können, wären sehr wünschenswert“, sagte BLSV-Präsident Jörg Ammon – und dass es „leicht verständliche Regeln“ sind. Wegen der unterschiedlichen Corona-Infektionslagen in den Ländern sei dies jedoch schwer umsetzbar.

Digel spricht von „Skandal“

Abgesehen vom Flickenteppich der Einschränkungen bewegt Elvira Menzer-Haasis, Präsidentin des Landessportbundes Baden-Württemberg, die Sorge um die Menschen, „die vor dem Hintergrund der psychischen und physischen Gesundheit auf sportliche Aktivitäten angewiesen“ seien. Deshalb sollte „eine schnelle Rückkehr in den regulierten Sportbetrieb“ nach Abnahme der Inzidenzwerte möglich sein.

„Es wäre besser gewesen, wenn konkret gesagt worden wäre, das und das ist verboten, das und das ist unter den Bedingungen erlaubt“, sagte Thomas Zirkel, Hauptgeschäftsführer des LSB Thüringen. „Ein Vergleich, was, wo gemacht werden darf und was nicht, bringt nichts und sollte nicht Maßstab der Diskussion sein.“

Der frühere deutsche Spitzenfunktionär Helmut Digel nennt das Breitensport-Verbot einen Skandal. „Die Entscheidung der Bundesregierung und der Landesregierungen, die zu dem Sportverbot geführt hat, kann einer kritischen Überprüfung nicht standhalten“, schreibt er auf seiner Website „Quergedacht“. „Der organisierte Sport darf kein devoter Untertan einer fragwürdigen Sportpolitik sein“, forderte der Ex-Präsident der Leichtathleten. „Mit allen in einer Demokratie zur Verfügung stehenden Mitteln hat der organisierte Sport sich gegen das aktuelle Sportverbot zu wehren und zukünftige Verbote zu verhindern.“ dpa

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