Lokalsport Südhessen

Leichtathletik Speerwerfer aus Offenburg hat Großes vor

Johannes Vetter auf Weltrekord-Jagd

Frankfurt.Der Besuch beim Mediziner ist dem derzeit besten Speerwerfer der Welt endlich mal erspart geblieben. „Es ist das erste Mal seit mehreren Jahren, dass ich nach der Saison nicht zur Nachbehandlung zum Arzt musste“, sagte der Speerwurf-Weltmeister von 2017, Johannes Vetter. „Das macht Mut für das Olympia-Jahr 2021.“ Zumal ihm ausgerechnet im außergewöhnlichen Corona-Jahr eine Glanztat in der Leichtathletik gelang. Am 6. September katapultierte er seinen Speer im polnischen Chorzow auf 97,76 Meter und verfehlte den 34 Jahren alten Weltrekord von Jan Zelezny nur um 72 Zentimeter. Nach diesem großen Wurf ist er nun der Topfavorit bei den Sommerspielen in Tokio.

Verblüffender Leistungssprung

„Die obere Priorität ist, gesund zu bleiben und Olympia-Gold anzugreifen“, betonte Vetter, der aber auch noch ein anderes ambitioniertes Ziel hat. „Natürlich kribbelt der Weltrekord in den Fingern. Wenn man schon so weit geworfen hat und es nur an ein paar Stellen nicht ganz optimal gewesen ist, will man das ausreizen.“ Bundestrainer Boris Obergföll traut ihm das zu: „Johannes besitzt das Potenzial für den Rekord. Er hat die nötigen Reserven.“

Den verblüffenden Leistungssprung hat er trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Einschränkungen der Pandemie gemacht. Statt sonst 20 absolvierte er nur etwa halb so viele Wettkämpfe. Im Training hatte er Zeit, an der Technik zu feilen und blieb zudem durch wenige Medien- und Sponsorentermine so gut wie ungestört. Außerdem kam er in der extremen Corona-Zeit nach dem Verletzungspech der vergangenen Jahre und einem familiären Schicksalsschlag 2018, als seine Mutter starb, besser zurecht. „Da war diese Situation leichter für mich anzunehmen“, sagte der gebürtige Dresdner. „Durch die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio habe ich mein Durchhaltevermögen und meinen Ehrgeiz nicht verloren.“

Deshalb seien die Freude und der Spaß am Speerwerfen zurückgekehrt. „Und dann kam eins und eins zusammen – und ich bin in einen schönen Flow gekommen, wo alles gepasst hat“, so Vetter. Neun Siege in sechs Wochen sind seine starke Bilanz, die auch World Athletics honorierte: Der Weltverband nominierte ihn für die Wahl zum Welt-Leichtathleten des Jahres. „Ich gehe mit der Wahlnominierung bescheiden um“, meinte der Ausnahmewerfer der LG Offenburg

Indes mangelt es ihm nicht an Motivation für das Projekt Olympia – ebenso wenig wie an einem Zuviel an Selbstüberschätzung. „Klar fällt es einem leichter, mit fast 98 Metern im Rücken das Training im Hinblick auf die Tokio-Spiele aufzubauen“, sagte Vetter. Daraus nun aber ein besonders Ding zu machen, wolle er nicht. dpa

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker überregional