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Fußball Darmstadts Trainer Dirk Schuster wünscht sich eine sorgenfreie Zweitliga-Saison und hofft auf weitere Neuzugänge

„Kader bietet gesundes Grundgerüst“

Darmstadt.Als erster Zweitligist ist der SV Darmstadt 98 bereits Mitte Juni in die Vorbereitung gestartet. Trainer Dirk Schuster bastelt an einer Mannschaft, die nicht wieder bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg spielen soll. Um den Konkurrenzkampf zu steigern, „brauchen wir noch drei bis vier Transfers“, sagte Schuster im Interview.

Herr Schuster, Darmstadt ist mit so vielen Spielern wie nie in den vergangenen Jahren in die Vorbereitung gestartet. Inwiefern wird sich das Gesicht der Mannschaft bis zum Saisonstart noch verändern?

Dirk Schuster: Es wird sich noch etwas tun. Wir haben nach dem letzten Spieltag einigen Spielern einen Wechsel nahegelegt, weil sie kaum Aussichten auf Einsatzzeiten haben. Wir wollen den Kader ein wenig umstrukturieren und den Konkurrenzkampf steigern. Da brauchen wir noch drei bis vier Transfers, die die Qualität der Mannschaft bedeutend erhöhen. Dass wir uns die Hochkaräter von der WM nicht leisten können, dürfte allseits bekannt sein. Aber wir sind in Gesprächen mit verschiedenen Spielern. Grundsätzlich bietet die Struktur des Kaders schon ein gutes Grundgerüst, uns weiterzuentwickeln. Das ist der große Unterschied zu den Jahren zuvor, wo wir mit wesentlich weniger Spielern gestartet sind.

Im vergangenen Sommer unter Coach Torsten Frings wurden zahlreiche Spieler mit langfristigen Verträgen ausgestattet. Jetzt werden Sie sie nicht mehr los. Sind Sie ein Anhänger kurzer Vertragslaufzeiten?

Schuster: Das ist zweischneidig. Wenn man einen langfristigen Vertrag mit einem Spieler hat und der schlägt ein, kann man damit gute Transfererlöse erzielen. Aber wenn man langfristige Verträge vergibt und der Spieler funktioniert nicht so wie gedacht, hat man Schwierigkeiten, andere Wege zu gehen. Da muss man einen gesunden Mittelweg gehen. Ich bin eher dafür, dass die Verträge, wenn möglich, leistungsorientiert aufgestellt werden und sich verlängern, wenn es funktioniert.

Mit der Verpflichtung von Marcel Franke sind sie in der Innenverteidigung gut besetzt. Heißt das, dass eine Verpflichtung von Leihspieler Romain Brégerie jetzt nicht mehr höchste Priorität hat?

Schuster: Das stimmt, ja.

Und wie steht es mit dem Offensivspieler Dong-Won Ji, der vom Bundesligisten FC Augsburg ausgeliehen war?

Schuster: Da sind wir im Austausch. Aber er hat nur noch ein Jahr Vertrag in Augsburg, da fällt die Option einer weiteren Ausleihe weg. Er hat sich bei uns sehr wohl gefühlt und bedeutend zum Klassenerhalt beigetragen. Ich würde ihn gerne halten. Aber da spielt auch Augsburg eine Rolle.

Wenn wir bei Augsburg sind: Wäre Marcel Heller nicht eine Option für Darmstadt? Gerade weil Sie kaum schnelle Flügelspieler haben.

Schuster: Marcel Heller ist für Darmstadt immer interessant. Er hat hier eine riesen Zeit gehabt. In Augsburg ist es, so glaube ich, nicht so ganz gelaufen, wie er sich das vorgestellt hat. Aber auch da gilt: Er hat noch ein Jahr Vertrag.

Wieso war Darmstadt 98 in der vergangenen Saison so lange im Tabellenkeller?

Schuster: Wir haben im Winter nach dem Trainerwechsel eine gewisse Anlaufzeit gebraucht. Wir mussten an einigen Stellschrauben drehen, neue Spieler integrieren. Teilweise hat uns auch ein bisschen das Spielglück gefehlt. Ich denke da vor allem an die vier Partien, die wir hintereinander verloren haben. Dass es funktioniert, haben wir in den Spielen danach eindrucksvoll bewiesen. Am Ende hat sich die Mannschaft noch mit dem Klassenerhalt belohnt, den extern fast niemand mehr für möglich gehalten hat – besonders als wir sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz hatten.

In der Rückrundentabelle war Darmstadt Vierter. Wenn dieser Trend sich fortsetzt, müssten Sie in der neuen Saison um den Aufstieg mitspielen. . .

Schuster: Das wäre jetzt wirklich verblendet. Mit dem vierten Platz haben wir gezeigt, dass man die Punkte einfahren kann, wenn man in jedem Spiel bereit ist, über die Grenzen zu gehen. Und die Lehre daraus ist auch, dass man mit einem Unentschieden gut fahren kann. Gerade die Unentschieden in Nürnberg und Kiel haben uns gut getan, weil sie gezeigt haben, dass wir mit den Spitzenteams mithalten können. Was ein Unentschieden wert ist, merkt man immer erst, wenn man mal so sein Spiel verloren hat.

Als Ziel für die nächste Spielzeit haben Sie „eine sorgenfreie Saison“ ausgegeben. Das heißt also besser als Platz zehn?

Schuster: Ich würde das nicht am Platz festmachen. Ich denke, wir sind in dieser Beziehung ein gebranntes Kind. Klar sind wir ehrgeizig und fleißig. Klar wollen wir so viele Punkte wie möglich holen. Aber um jetzt hochtrabende Ziele auszugeben – dafür sind wir die Falschen.

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