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Interview der Woche Günter Prinz vom FC Waldhorn bezieht nach dem Aus des D-Ligisten FC Waldhorn Lampertheim Stellung

„Keine Abwanderungswelle“

Lampertheim.Nun hat es den FC Waldhorn Lampertheim erwischt. Die Absage des Fußball-D-Ligisten für das am vergangenen Sonntag terminierte Auswärtsspiel gegen den TSV Gadernheim, war die dritte. Somit wird Waldhorn aus der Wertung genommen. Die bislang erspielten Punkte und Tore werden nicht gestrichen, die künftigen Spiele mit 3:0 Toren gewertet. Waldhorn-Urgestein Günter Prinz erklärt, wie es zu dieser Misere kam und wie es mit seinem Verein weitergeht.

Warum hat der FC Waldhorn am vergangenen Sonntag keine Mannschaft zusammenbekommen? Jeder wusste doch, dass das Nichtantreten in Gadernheim den Ausschluss aus der Verbandsrunde zur Folge haben würde.

Günter Prinz: Ganz so einfach haben wir es uns nicht gemacht. Spätestens ab Donnerstag haben wir die Spielerliste hoch- und runtertelefoniert. Sogar der 48 Jahre alte 2. Vorsitzende Osman Incir und ich mit meinen 55 Jahren hätten uns zur Verfügung gestellt. Doch trotz dieser sicherlich aufopferungsvollen Zusagen wären wir nur neun Spieler gewesen.

Aber es war ja nicht zum ersten Mal, dass das „Waldhorn“ ein Spiel absagen musste.

Prinz: Gegen den TSV Reichenbach II und die zweite Mannschaft des VfB Lampertheim haben wir ebenfalls nicht genügend Spieler zusammen bekommen. Gegen den VfB wollten wir am Kerwesamstag spielen, doch damit war der VfB nicht einverstanden. Somit wurde ein Mittwoch-Termin anberaumt, den wir schließlich absagen mussten.

War man bei der Kaderplanung zu sorglos?

Prinz: Mir ist bewusst, dass unsere Spielererdecke mit 18 Spielern doch recht dünn ist. Doch wir haben vor der Saison alles probiert, um neue Leute zum FC Waldhorn zu bekommen. Dies ist uns nur teilweise gelungen und vor der Saison haben mir vier Leute auf den letzten Drücker abgesagt und sind zu anderen Vereinen gewechselt.

Bedeutet der Ausschluss auch das Ende des FC Waldhorn als Verein?

Prinz: Mit Sicherheit nicht. Wir definieren uns ja nicht nur über Fußball, sondern sind auch bei der Fastnacht, dem Spargelfest und der Kerwe aktiv und immer präsent. Außerdem gibt es uns ja bereits seit dem Jahr 1975.

Aber die sportlichen Aktivitäten werden so schnell wohl nicht wieder aufgenommen…

Prinz: Das ist nicht gesagt. Auch wenn jetzt alle Spieler die Möglichkeit haben, zu anderen Vereinen zu gehen, sehe ich noch längst nicht eine Abwanderungswelle auf den Verein zukommen. Wir werden uns demnächst mit allen Beteiligten zusammensetzen, um in Erfahrung zu bringen, wer uns weiterhin die Treue hält. Ich bin mir sicher, dass viele Sportkameraden dem Waldhorn die Treue halten. Auch sportlich werden wir die Hände bis April, Mai 2019 nicht in den Schoß legen und möglicherweise das eine oder andere Freundschaftsspiel vereinbaren. Somit verfolgen wir das ganz feste Ziel, für die kommende Saison wieder eine Mannschaft zu melden.

Würde es auch Sinn machen, sich vom Verbandsspielbetrieb zu verabschieden und wieder ausschließlich an sogenannten Hobbyturnieren teilzunehmen?

Prinz: Die Frage ist berechtigt, denn über viele Jahre hinweg war der FC Waldhorn ja eine sogenannte Hobby- oder Thekenmannschaft. Längst aber gibt es heute nicht mehr so viele Freizeitfußballmannschaften wie damals. Deswegen war es 2008 absolut richtig, uns dem Hessischen Fußballverband anzuschließen. Und wir haben uns ja bis jetzt allen Unkenrufen zum Trotz ganz gut gehalten. Diese Saison einmal ausgenommen, mussten wir in zehn Jahren nur ein Spiel absagen.

In der Lampertheimer Fußballszene gibt es erneut Fusionstendenzen. Welche Rolle könnte der FC Waldhorn dabei spielen?

Prinz: Wir hatten Anfang Oktober eine Besprechung mit allen Lampertheimer Fußballvereinen, bei der es vorwiegend um den Belegungsplan im Adam-Günderoth-Stadion ging. Von der Olympia und den Azzurri wurde angeregt, dass Thema Fusion nicht außer Acht zu lassen. Wenn wir sicher sein können, von einem größeren Verein nicht einfach geschluckt zu werden, sind wir gegenüber solchen Gesprächen aufgeschlossen. Aber hier brauchen wir mehr als nur gute Vorschläge. Das Thema müsste intensiver vorangetrieben werden. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht, dass sich die Situation in den nächsten drei, vier Jahren ändern wird. hias

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