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Fußball Wilfried Kungl gibt nach 33 Jahren den Posten des Spielausschussvorsitzenden in Riedrode ab

„Kookys“ erster freier Sommer

Archivartikel

Riedrode.Sein Ausscheiden als Spielausschussvorsitzender in Riedrode nach 33 Jahren würde Wilfried Kungl am liebsten ohne viel Aufhebens vollziehen. „Das ist doch ein einfacher Vorgang“, sagt „Kooky“ – und stellt klar: „Ich bin ja nicht weg, ich zähle mich weiter dazu. Ich bin nur nicht mehr im inneren Kreis und muss nicht mehr alles wissen.“

Ganz so einfach geht die Rechnung nicht auf – das weiß „Kooky“ selbst. Tief sind die Spuren, die er hinterlässt, groß ist die Wertschätzung, die der 66-Jährige im Fußballkreis Bergstraße genießt. In Riedrode hat er sowieso Legendenstatus. Neulich überraschte ihn das 1b-Team der FSG auf dem Waldsportplatz. Es gab einen großen Getränkekübel zum Ausstand, dazu ein Shirt mit der Rückennummer eins und der Aufschrift „Couseng“. So pflegt FSG-Spieler Petro Bozanovic seit der Fusion zwischen FSV und SG Riedrode quasi jeden Blau-Schwarz-Gelben zu nennen. „Ich war der Lieblingscouseng“, lacht Kungl.

Mehr Eigenlob räumt sich „Kooky“, der 1973 als Spieler zur SG kam und blieb, nicht ein. Lieber hebt er die Zusammenarbeit mit „besonnenen Vorstandsleuten“ wie Horst Kreiling, Bernd Deckenbach oder dem 2018 verstorbenen Joachim Metz hervor, den er als „Urvater“ der Fusion bezeichnet. „Was ein Horst Kreiling im Hintergrund alles macht, kriegen viele gar nicht mit. Manche wissen gar nicht, wer das ist“, meint Kungl. Seiner Frau Elfriede („Die wird mich schon aus dem Haus bekommen“) ist er sowieso zu Dank verpflichtet. „Ohne sie hätte ich das alles doch gar nicht machen können“, weiß Kungl um die Geduld seiner Gattin – etwa, wenn er mal wieder eine Familienfeier vorzeitig verließ, um irgendwo im Odenwald auf dem Platz zu stehen.

Über seine Arbeit sollen daher andere urteilen, findet „Kooky“, der 1987 die SG-Jugend mitbegründete und im selben Jahr Spielausschusschef wurde. „Ich habe meine Arbeit gemacht, so wie jeder im Vorstand. Ich habe immer versucht, das Amt, das ich hatte, so gut es ging auszuüben. Jedem kannst du es nicht recht machen. Manchmal musst du zum Wohle des Vereins ein Auge zudrücken“, sieht er sich „als Teil des Ganzen“. Ein Teil des Ganzen mit „guten Lehrmeistern“, wie er betont: „Von einem Hans Schwaier habe ich in jungen Jahren viel darüber gelernt, wie man als Spielausschuss mit manchen Situationen und Spielern umgehen muss – auch wenn ich es nicht mit seiner teils stoischen Ruhe hinbekommen habe. Ein Norbert Mink, der den Posten vor mir innehatte, hat schon damals alle Statistiken geführt“, erinnert sich Kungl – und denkt an knapp 50 Ordner, die in seinem Haus stehen. Daten der eigenen und der gegnerischen Mannschaften, Zeitungsartikel auch aus der weiteren Umgebung („Zu Landesliga-Zeiten war es extrem“): Alles, was irgendwie aufzutreiben war, wurde leidenschaftlich dokumentiert. Die Detailversessenheit ist bis heute da. Im Gespräch mit dieser Zeitung konnte Kungl – der selbst einst als Interimscoach einsprang – nicht sicher sagen, wie viele Trainer er als Spielausschuss erlebt hat. Eine gute Stunde später dann eine Whatsapp-Nachricht: „Wann soll der Bericht kommen? Würde heute Abend oder morgen früh nachschauen.“

Dass seine letzte Saison im Zeichen der Pandemie zu Ende ging, sei „ärgerlich“, gibt der gelernte Kfz-Elektriker zu. Für den Stabwechsel sei der Abbruch jedoch „förderlich und ideal“ gewesen: „Wir hatten keinen Zeitdruck.“ Thorsten Göck und Sven Stier übernehmen Kungls Aufgaben für das Gruppenliga-Team. Fabian Kreiling und Horst Seigies sind bei der „Zweiten“ zur Stelle. Zum Spielausschuss gehören jetzt außerdem Luca Kräußlich, Markus Lamoth, Jürgen Molitor und Thomas Wahlig. Bei der Jahreshauptversammlung im September soll dann Göck zum neuen Ausschusschef gewählt werden.

Am Samstag startete Riedrodes Gruppenliga-Team in die Vorbereitung – zum ersten Mal seit 47 Jahren ohne „Kooky“, der als Jugendtrainer beim JFV Bürstadt am Ball bleiben wird. Wäre die Riedroder Fusion nicht gekommen, wäre Kungl übrigens wohl schon früher kürzergetreten. „Da wusste ich: Da kommt sehr viel Arbeit auf uns zu“, sagt er heute, da ihn andere Vereine um Rat bitten. Die FSG gilt vielen im Kreis als Vorbild. Vertreter der neuen SG Olympia/VfB Lampertheim machten sich bei Kungl schlau, Fürth und Einhausen hörten nach. „Kookys“ Telefon wird nach wie vor nicht stillstehen, so viel ist klar. Das sagt wahrscheinlich mehr über ihn aus, als er selbst berichten könnte. cpa

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