Lokalsport Südhessen

Triathlon Wehmütiger Blick nach Hawaii und Krisenmodus

Lange zieht es in die Berge

Archivartikel

Berlin.Jan Frodeno will am Abend vielleicht den Pizzaofen anwerfen. Eigentlich wäre der dreimalige Ironman-Weltmeister und Titelverteidiger nicht in seiner spanischen Wahlheimat Girona. Eigentlich wäre Frodeno an diesem Samstagabend (MESZ) irgendwo mit seinem High-Tech-Rad auf dem berühmten Queen Ka’ahumanu Highway unterwegs, weit weg auf Hawaii. 180,2 Kilometer nach den 3,86 Kilometern Schwimmen, danach noch die 42,2 Kilometer Laufen. Sonne mit leichter Bewölkung ist für Kailua-Kona vorhergesagt, Temperaturen von über 30 Grad. Beste Bedingungen für ein weiteres denkwürdiges Rennen bei der berühmten Ironman-Weltmeisterschaft angeführt von den insgesamt vier deutschen Titelträgern an diesem 10.10.2020. Daraus wird nichts.

„Ein wenig Wehmut ist schon dabei“, sagt Frodeno der Deutschen Presse-Agentur. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass seit langem schon feststeht, dass auch das WM-Rennen, das Ortszeit am Sonntag in der früh traditionell mit einem Kanonenknall gestartet worden wäre, nicht stattfinden wird. Zuerst auf Februar 2021 verschoben wegen der Coronavirus-Pandemie, dann komplett abgesagt.

„Schöne Erinnerungen“

„Training ist schön, aber sind wir mal ehrlich: einen Wettkampf und das Kribbeln im Bauch kann es nicht ersetzen“, betont Patrick Lange, Gewinner 2017 und 2018. Den 34 Jahre alten Hessen wird es in die Berge ziehen in seiner Wahlheimat Salzburg. Gesprächsstoff gibt’s genug, allen voran die „schönsten Erinnerungen“ seiner Erfolge auf Hawaii. Die Coronavirus-Pandemie bringt auch die an Grenzen, die sich einer der härtesten sportlichen Herausforderung stellen. Trainingsprogramme, Saisonplanungen, alles umsonst. Kaum Rennen fanden in diesem Jahr statt. Eines war angesetzt, bei dem 2014er Hawaii-Champion Sebastian Kienle nur wenige Wochen nach einem Schlüsselbeinbruch nach einem Trainingssturz auf dem Rad antrat. Als wären die Probleme der Profi-Triathleten nicht schon groß genug, musste dieses Rennen im schweizerischen Davos aber kurz nach dem Schwimmen wegen Unwetters abgebrochen werden. Dass es derzeit in Deutschland auch recht herbstlich ist, macht alles nicht besser. „Jetzt verstärkt es die eher düstere Stimmung“, sagt Kienle.

Virtuelle Rennen

Die Ironman-Besitzer versuchen, in der jetzigen Situation weiter mit virtuellen Rennen zu retten, was zu retten ist. Das übliche Vorprogramm in der Hawaii-Woche – auch meist virtuell, dazu Einblicke hinter die Kulissen des Kultevents der Triathleten. Ein virtuelles 17-Stundenevent ist auch für die Zeit des eigentlichen Rennens geplant. „Trotz des für alle herausfordernden Jahres, waren wir entschlossen, einen Weg zu finden, die Traditionen und Errungenschaften zu feiern und zu ehren, die die Ironman-Weltmeisterschaft für so viele so besonders machen“, erklärte Ironman-Geschäftsführer Andrew Messick. dpa

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