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Fußball Fünf Lampertheimer Vereine machen sich Gedanken über eine Fusion / Nächster Gesprächstermin am 31. Januar

„Möglicherweise eine einmalige Chance“

Archivartikel

Lampertheim.Ganze sechs Vereine widmen sich in der Lampertheimer Kernstadt dem Fußballsport. Dies ist in der Relation zur Einwohnerzahl ungewöhnlich viel. Deswegen wird schon seit vielen Jahren über eine Fusion immer einmal wieder nachgedacht. Mal intensiv, mal weniger intensiv. Jetzt aber haben sich die fünf Vereine, die im Adam-Günderoth-Stadion spielen und trainieren, diesem Thema mit hoher Priorität gewidmet. Der FC Olympia, der VfB, die Azzurri, die Waldesruh und das Waldhorn schließen es nicht mehr aus, sich alsbald mit ihren bisherigen Konkurrenten zusammenzutun, um den Lampertheimer Fußball wieder nach vorne zu bringen. Auch über einen möglichen Zieltermin, ein solch großes Vorhaben zum Abschluss zu bringen, wurde bereits nachgedacht: 1. Juli 2020.

Die Stadt Lampertheim, die den Vereinen letztlich nur ein begrenztes Platzangebot im Stadion zur Verfügung stellen kann, steht dem wohlwollend gegenüber. Sie lud Anfang Dezember zu einem ersten gemeinsamen Termin ein. Am 31. Januar findet das nächste Gespräch statt. Zu den Teilnehmern wird neben Frank Lewandowski und Dirk Eichenauer von der Stadt Lampertheim auch ein Referent des Hessischen Fußballverbandes zählen, der sich bei Fusionen bestens auskennt. Wie stehen die Vereine zu diesem Thema? Der Südhessen Morgen hat die Protagonisten befragt.

Gisela Hanusch, Vorstandsmitglied VfB Lampertheim: „Das erste Gespräch Anfang Dezember ist positiv verlaufen. Wir vom VfB-Vorstand stehen der Sache absolut aufgeschlossen gegenüber. Und viele unserer Mitglieder sehen das ebenso. Auf diese kommt es letztlich aber an, denn würde es zu einer Fusion kommen und der VfB somit seine Selbstständigkeit aufgeben, schreibt die Satzung eine Zweidrittelmehrheit vor.“

Markus Köcher, Vorsitzender VfB Lampertheim: „Bei uns im Verein läuft es einigermaßen rund. Wir haben genügend Vorstandsmitglieder und Helfer. Bei den Alten Herren bekennen sich mehr als 100 Altfußballer zum VfB Lampertheim. Auch unsere Jugendarbeit kann sich sehen lassen. Das ist jedoch kein Grund, uns zurückzulehnen. Eine Fusion bietet möglicherweise eine einmalige Chance für den Lampertheimer Fußball. Hier wollen wir nicht außen vor bleiben.“

Giuseppe Sanfilippo, Schriftführer und Sportausschussmitglied bei der AS Azzurri Lampertheim: „Bei uns muss demnächst dringend etwas passieren. Auch wenn uns einige Helfer zur Verfügung stehen, werden die Azzurri letztlich von nur vier Leuten geführt. Und vor kurzem hat der Tod unseres Vereinsrechners Santo Chiveta doch eine sehr große Lücke hinterlassen. Jegliche Versuche, die jungen Leute aus unserem Umfeld in das Vereinsgeschehen einzubinden, sind bisher gescheitert. Und so sehr wir derzeit auch Freude an unserer tollen Mannschaft haben, die in der Kreisliga A oben mitspielt, sehe ich unsere Zukunft in einem fusionierten Lampertheimer Verein.“

Günter Prinz, Rechner des FC Waldhorn Lampertheim, der Ende Oktober nach dreimaligem Nichtantreten in der Kreisliga D vom aktiven Spielbetrieb der laufenden Saison abgemeldet wurde: „Für uns ist es jetzt erst einmal wichtig, am 19. Januar das Votum unserer Mitglieder einzuholen. Schon jetzt weise ich darauf hin, dass die Auflösung eines Vereins kein Pappenstiel ist. Gerade auch wegen des Vereinsvermögens. Und wenn es zur Fusion kommen sollte, dürfen kleine Vereine wie der FC Waldhorn oder der FC Waldesruh nicht einfach geschluckt werden, sondern müssen sich in dem neuen Vereinskonstrukt wiederfinden.“

Patrick Andres, Sportausschussvorsitzender des FC Olympia Lampertheim: „Ich sehe unseren Verein als Vorreiter dieses Themas. Deswegen sind wir klar für die Fusion. Warum sollte uns das, was die beiden rivalisierenden Riedroder Vereine in vorbildlicher Weise vorexerziert haben, nicht in Lampertheim gelingen? Dabei leite ich nicht nur aus dem ersten offiziellen Gespräch im Dezember eine positive Grundtendenz ab, sondern auch aus dem Gedankenaustausch, mit dem die Vereine vor und nach ihren Trainingseinheiten im Günderoth-Stadion in regelmäßigem Kontakt stehen. Auch wenn unsere Gespräche darauf ausgerichtet sind, alsbald einen gemeinsamen Verein für den Seniorenspielbetrieb zu gründen, sollten wir auch die Jugend nicht außer Acht lassen. Einen Jugendförderverein, der in Biblis aber auch in Bürstadt erfolgreich arbeitet, brauchen wir auch in Lampertheim.“

Andrea Prokop, Vorsitzende des FC Waldesruh Lampertheim: „Wenn ich über eine mögliche Fusion nachdenke, löst das bei mir gemischte Gefühle aus. Ich befürchte, dass bei einer solchen Fusion der familiäre Zusammenhalt, der uns als Waldesruh auszeichnet, verloren gehen könnte. Das sehen auch unsere Mitglieder so, von denen viele gegen eine Fusion sind. Diese sehen aber den Überlebenskampf nicht, dem der Vorstand eines kleinen Vereins ständig ausgesetzt ist. Diesen nicht mehr führen zu müssen, wäre schon ein schlagkräftiges Argument, das für eine Fusion spräche.“ hias

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