Lokalsport Südhessen

American Football Mit dem Ludwigshafener Charlie Zühlsdorf verfügen die Bürstädter jetzt über einen Top-Mann an der Seitenlinie / Samstag gegen Wetterau Bulls

Redskins fiebern Heimauftakt entgegen

Bürstadt.Für Jürgen Zühlsdorf (Bild), den Head Coach der Bürstadt Redskins, ist es der „geilste Sport der Welt“: American Football. Die Freude über das sportliche Comeback ist in der Bürstädter Wasserwerkstraße riesig – daran hat auch die 0:36-Niederlage gegen die Gernsheim Gladiators zum Saisonauftakt in der Verbandsliga Hessen vor zwei Wochen nichts geändert. Am morgigen Sonntag (Kick-off: 15 Uhr) bestreitet das Herrenteam der Redskins sein erstes Punktspiel vor heimischer Kulisse nach dreijähriger Absenz.

Gegner auf dem Rasenplatz des Stammvereins TV Bürstadt sind die Wetterau Bulls. Die Mannschaft aus Wölfersheim ist mit einer 7:14-Niederlage gegen die Hanau Ravens in die Runde gestartet. Seit der vergangenen Woche lässt sich der engagierte, aber punktlose Auftritt der „Rothäute“ in Gernsheim besser einordnen. Die Gladiators legten einen imposanten 66:7-Heimerfolg gegen die Legionäre Eschwege nach und gehören spätestens jetzt zum Favoritenkreis.

Erst einmal ankommen

Für die Redskins-Seniors wird es zunächst dagegen nur darum gehen, wieder im geregelten Spielbetrieb anzukommen. „Gute Ergebnisse sind schön, aber zweitrangig. Wir wollen Erfahrung sammeln, den Jungs den Spaß am Football vermitteln und sie verbessern“, sagt Zühlsdorf, den alle nur „Charlie“ nennen: „Der Fokus liegt auf Technik und Team.“

Der Kader der Südhessen setzt sich aus Rückkehrern und Football-Novizen zusammen – und aus Spielern, die aus dem früheren Bürstädter U-19-Team verblieben sind. Hinzu kommen einige Neuzugänge, die auf Chefcoach Zühlsdorf zurückgehen. „Es gibt immer Spieler, die einem folgen“, erklärt „Charlie“ mit einem Augenzwinkern. Bürstadts Football-Fachwart Matthias Klöpsch, der auch als Line Coach fungiert, gefällt die Entwicklung. „Es ist kein zusammengewürfelter Kader wie 2015, der kein gewachsenes Team war“, sagt er – und spricht von einem „organischen Wachstum“ der Truppe: „Es bringt immer mal jemand einen neuen Spieler mit. Die Leute haben sofort einen Anknüpfungspunkt. Die Spieler haben außerdem einen großen Wissenshunger. Sie wollen Spielzüge, die sie zum Beispiel im Fernsehen sehen, erklärt haben und haken nach“, berichtet Klöpsch.

„Er ist der Häuptling“

Die nötige Anzahl von 30 Spielerpässen hatten die Redskins schon kurz nach Zühlsdorfs Amtsantritt am 1. Oktober beisammen. „Wir wollen aber mit deutlich mehr als den erforderlichen 22 Mann zu den Spieltagen antreten. Alles andere macht keinen Spaß und kommt für jeden einem Ironman gleich“, bekräftigt Klöpsch.

Den Mammutanteil an der Entwicklung der „Rothäute“ in den vergangenen Monaten sieht der Fachwart Football beim neuen starken Mann an der Seitenlinie. „Wir haben einen fähigen Head Coach, der wirklich coole Ideen hat. Er ist eine mitreißende Persönlichkeit – der Häuptling der Truppe, der die Dinge manchmal auch unkonventioneller anpackt“, schwärmt Klöpsch.

Tatsächlich hat es schon fast etwas Philosophisches, wenn „Charlie“ Zühlsdorf („Football war meine Berufung“) über seine Lieblingssportart spricht. Der langjährige Jugendcoach verfügt über die nötige soziale Kompetenz und das Auge für die vielfältigen Entwicklungen. „Der Sport ist schneller, technischer, athletischer und strategischer geworden. Masse spielt nicht mehr die ganz große Rolle“, findet der Cheftrainer der Redskins, der sich im Zweifelsfall trotzdem nicht zu schade für eine Schlachtparole sein will. „Die magischen Sprüche, die Kampfrufe – die gehören doch dazu“, erklärt er schmunzelnd.

Es ist letztlich auch diese Lockerheit, die es leicht macht, an den sportlichen Neubeginn der Redskins zu glauben. 2015 mussten sich die Bürstädter wegen anhaltender personeller Engpässe mitten in der Runde aus der Oberliga Mitte zurückziehen. „Wir haben keinen Druck“, stellt Zühlsdorf klar. Natürlich weiß auch er, dass sich der Zeitraum für große Sprünge in Grenzen hält. Von den sechs Trainingsstunden pro Woche, die der 54-Jährige in der Vorbereitung angepeilt hatte, seien „nur dreieinhalb Stunden effektives Football-Training auf dem Platz“ gewesen, schätzt „Charlie“, der bis 2009 noch selbst aktiv war.

Neuland sind die Redskins für Zühlsdorf übrigens nicht. Neben Stationen bei den Titans und den Rhein Pirates in seiner Heimatstadt Ludwigshafen und den Rhein-Neckar Bandits stand er Ende der 90er Jahre auch für die Mannheim Redskins auf dem Platz, die vor zehn Jahren über Viernheim nach Bürstadt kamen. (Bild: privat)

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