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American Football Bürstadt schlägt Mannebach hauchdünn mit 31:30 – und fährt mit „Benzin im Feuer“ nach Gernsheim

Redskins-Talente richten es

Archivartikel

Bürstadt.Kurz nach dem nervenaufreibenden 31:30 (0:8/10:0/7:8/14:14)-Heimsieg gegen die Black Goats Mannebach kam das Team der Bürstadt Redskins noch einmal auf dem Rasenplatz zusammen. Die ausgepumpten Spieler und ihre Coaches gratulierten sich zu ihrer Leistung – und schworen sich lautstark auf die American-Football-Saison 2021 ein. Nein: Das Sportjahr der Redskins ist noch nicht vorbei. Nach dem 31:30-Thriller gegen Mannebach war allen Beteiligten aber klar: Hier kann mit Blick auf die Landesliga-Spielzeit im nächsten Jahr etwas Großes entstehen. „Dieser Sieg ist wichtig für die Moral der Jungs“, betonte Offense Coordinator Chris Withers.

Mit einem Erfolgserlebnis in der Tasche treten die Bürstädter am Samstag (16 Uhr) zum Derby und Hessenliga-Abschluss bei den Gernsheim Gladiators an. Und mit der Gewissheit: Schon jetzt, im Übergangsjahr in der improvisierten Hessenklasse, zahlen sich die Früchte der jahrelangen Nachwuchsarbeit aus. Da wäre etwa Christian „CJ“ Steffan. Bürstadts Allzweckwaffe verteidigte am Samstagmorgen in Kassel den Hessenliga-Titel als Head Coach der U 13. Am Nachmittag machte er als fangsicherer Running Back ein Yard nach dem nächsten gut. Steffan spielte früher selbst für die U13 – in einem Team mit Lukas Brems, den Bürstadts Offense-Line-Coach Daniel Thatcher als „Geheimwaffe“ auf der Running-Back-Position lobte.

Pascal Eger setzte die Touchdowns zum 6:8 und 16:8. „Er war zwar noch vom Marburg-Spiel angeschlagen, ist aber einer unserer stärksten Running Backs und ein Game-Changer“, erklärte Thatcher. Quarterback Georg Hübner bewies im letzten Quarter, warum bei den Redskins gerne mal von der „Hübner-Walze“ die Rede ist. Zweimal drückte Hübner den Ball samt Gegnern mit einem Sneak zum Touchdown über die Goal Line (23:16, 30:16). Der hessische Jugend-Auswahlspieler Frederic Fengel, der aus der U 19 hochgezogen wurde, machte unter anderem mit einem starken Return auf sich aufmerksam. 14 Tage nach der 7:52-Auftaktschlappe gegen die GFL-Reserve der Marburg Mercenaries entpuppten sich zwei Szenen als entscheidend. Kurz vor der Halbzeit setzte Christopher Steiner im vierten Versuch zum Field Goal an – und kickte Bürstadt zur 10:8-Führung. Es war ein Griff in die Trickkiste: Die Redskins hatten die Field-Goal-Variante bis dahin noch nie in einem Spiel angewandt. „Ohne dieses Field Goal hätten wir heute verloren“, sagte Thatcher.

Die zweite ausschlaggebende Aktion ereignete sich in den letzten zwei Minuten. Kurz nachdem Mannebach von 16:31 auf 24:31 verkürzt hatte, schnappten sich die Gäste nach einem Bürstädter Ballverlust (Fumble) das Angriffsrecht und landeten einen weiteren Touchdown. Beim Stand von 30:31 und bei noch 57 Sekunden auf der Uhr wollten die Black Goats mit einer Two-Point-Conversion den Sieg eintüten. Das verhinderte Bürstadts Daniel Bartmann, indem er Mannebachs pfeilschnellen Quarterback Yannik Wagner kurz vor der Endzone in vollem Tempo zu Fall brachte.

Die Redskins blieben so in Führung und gewannen. Für Mannebachs Quarterback musste indes nach dem riskanten, wenn auch nicht unfairen Tackling ein Krankenwagen gerufen werden. Es bestand der Verdacht eines Kreuzbandrisses. „Wir wollen einen harten Sport, aber keine Verletzten“, wünschte Thatcher Wagner „alles Gute“.

Es war der einzige Wermutstropfen an einem Tag, an dem sich zwei Teams mit viel Respekt und sportlich auf Augenhöhe begegneten. Vor allem im ersten Quarter präsentierte sich Verbandsligist Mannebach bockstark, da schafften es die Redskins kaum aus ihrer Hälfte. Erst ab dem zweiten Quarter kämpften sich die Südhessen Yard um Yard in die Partie. Unter die 130 Zuschauer auf dem Platz des TV Bürstadt hatten sich auch ein paar Gernsheimer gemischt. „Sie haben alles gefeiert, was bei uns schief lief. Aber das ist okay. Jetzt ist genug Benzin im Feuer“, meinte Thatcher. Für die Gladiators lief es bislang mau. Einer 14:40-Niederlage in Mannebach folgte am Sonntag ein 14:44 in Marburg.

Eine Sache stellte Bürstadts Medienchef Harry Frommeld, der neben Kommentator Malte Pertzsch am Mikrofon durch den Nachmittag führte, vor dem Kick-off noch richtig: Die Black Goats kommen nicht aus der Ecke Trier, sondern aus Niederhadamar im Westerwald. Der Hadamarer Stadtteil wird mundartlich „Mannebach“ genannt.

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