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Fußball Kreisschiedsrichter-Obmann sperrt Hüttenfelder wegen einer Verfehlung als Referee / Damit fehlt er auch als Spieler

Reichlich Wirbel um Haas

Archivartikel

Hüttenfeld.Es ist ein Fall, der nicht alle Tage vorkommt – und der die SG Hüttenfeld zurzeit schwer beschäftigt. Ein Schiedsrichter im Diensten des Fußball-C-Ligisten begeht eine Verfehlung und wird für vier Wochen gesperrt. Das Kuriose: Die Sperre zieht ihn nicht nur als Unparteiischen aus dem Verkehr, sondern auch als aktiven Fußballer.

Bei dem Schiedsrichter handelt es sich um Michael Haas. Der Hüttenfelder Abwehrspieler hat sich nach Aussage von Karlheinz Dörsam, dem Kreisschiedsrichterobmann Bergstraße, zum wiederholten Male eine Verfehlung geleistet. Zu Einzelheiten will sich Dörsam nicht äußern, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handle. „Ich sperre niemanden aus Jux und Tollerei, denn auch mir fehlt jetzt ein Schiedsrichterkollege. Es war aber ein triftiger Grund. Irgendwann ist der Bogen überspannt“, erklärt Dörsam vielsagend.

Strafordnung eindeutig

An der Vorgehensweise gibt es laut Paragraf 12 der Strafordnung des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) wenig zu rütteln. „Während einer gegen ihn verhängten Sperre darf ein Schiedsrichter weder als Mitglied eines Verbandsorgans tätig sein, noch als Schiedsrichter-Assistent, Spieler, Platzordner, Trainer oder Mannschaftsbetreuer eingesetzt werden“, heißt es unter „Schiedsrichtersperre“.

Um diesen Passus geht es Hüttenfelds Trainer Jury Mai und den SGH-Spielausschussvorsitzenden Werner Gleißner allerdings auch nicht. Vielmehr stößt ihnen das Zustandekommen der Sperre bitter auf. Nach ihrer Aussage wurde Haas gesperrt, weil er am vergangenen Samstag beim Auswärtsspiel des C-Liga-Tabellenführers in Auerbach (5:2) zum Einsatz kam. Erst im letzten Moment sei er eingesprungen, betonen Verein und Spieler unisono. „Ich habe kurzfristig von einen Tag- in einen Nachtdienst tauschen können“, erläutert Haas, der unlängst eine Ausbildung zum Rettungsassistenten begann.

Was Mai nicht wusste: Offenbar hatte Dörsam bei der Schiedsrichter-Einteilung für diesen Tag mit Haas geplant. Der hatte dem Obmann jedoch keine Rückmeldung gegeben. „Wenn ich gewusst hätte, dass da etwas im Argen ist, hätte ich lieber einmal auf Michael verzichtet statt wie jetzt in vier Begegnungen. Wir spielen um den Aufstieg, Michael ist ein wichtiger Spieler – und bis zum Ablauf der Sperre am 13. November haben wir harte Gegner wie Gras-Ellenbach und Hammelbach/Scharbach vor uns“, ärgert sich Mai und nimmt den Spieler in Schutz: „Michael ist ein junger Kerl, der versucht, all seinen Pflichten gerecht zu werden.“

Nun könnte man die Schuld beim Spieler suchen – der aber wusste nach eigener Aussage nichts von einem drohenden Verfahren, geschweige denn von einer Sperre. „Das ist mir neu“, sagt der 20-Jährige, als ihn der „Südhessen Morgen“ am Donnerstagvormittag darauf anspricht: „Ich checke regelmäßig meine Mails und habe keine Spieleinteilung bekommen. Am Mittwoch in einer Woche hätte ich pfeifen sollen, das hatte ich Herrn Dörsam auch bestätigt. Einmal habe ich mich für einen Monat abgemeldet, weil ich meine Ausbildung begonnen hatte.“ Im Dienstagstraining der SGH hatte Haas gefehlt – über seine Sperre hatte ihn bis zum Anruf dieser Zeitung offenbar niemand informiert.

Auch zwischen Hüttenfelds Verantwortlichen und Dörsam habe zwischen Sonntagmorgen und Freitagabend Funkstille geherrscht, wie der Schiedsrichterobmann moniert. „Vom Verein hat mich keiner angerufen, nur Michael Haas am Donnerstag“, berichtet er. Die Sperre gegen Haas hatte Dörsam schon am Sonntagmorgen ausgesprochen und Gleißner kurz darauf telefonisch informiert. Am Montag ging eine Mail an die SGH raus. „Ich muss niemanden anrufen, das ist nicht meine Pflicht. Der Verein kann außerdem Einspruch legen“, stellt Dörsam klar.

Die viertägige Einspruchsfrist habe Hüttenfeld verstreichen lassen, erklärt Gleißner. Man hoffe auf ein persönliches Gespräch mit Dörsam, bekräftigt er – und vermutet einen Handywechsel bei Haas als Ursache. Ein solches Gespräch mit allen Beteiligten, das sich auch Mai ausdrücklich wünscht, könnte es am kommenden Dienstag geben. Um 19 Uhr weiht die SG den neuen Winterrasen mit einem Test gegen die U 23 des SV Waldhof ein. Zu diesem Anlass hat der C-Ligist unter anderem Kreisfußballwart Reiner Held, selbst Referee, und Dörsam eingeladen – ohne vom Fall Haas zu wissen. „Ich werde da sein“, kündigt der Schiedsrichterobmann an.

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