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Fußball Verbandsvorstand empfiehlt vorzeitiges Rundenende – mit Aufsteigern, aber ohne Abstieg

Saison vor dem Abbruch

Archivartikel

Bergstraße.Der Saisonabbruch im hessischen Fußball ist nur noch Formsache. Einstimmig verständigte sich der Gesamtvorstand des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) auf einer Videokonferenz am Samstagmittag auf eine Empfehlung, die Runde 2019/20 zum 30. Juni zu beenden. Die Empfehlung des Verbandsvorstands wird die Grundlage für die endgültige Entscheidung auf dem außerordentlichen Verbandstag bilden, der voraussichtlich am 13. oder 20. Juni virtuell stattfinden wird.

Die Empfehlung gilt „vorbehaltlich weiterer behördlicher Entscheidungen“, erklärt der HFV in einer umfassenden Stellungnahme auf seiner Homepage. Gemäß der Empfehlung, die Saison vorzeitig zu beenden, soll es jetzt Aufsteiger, aber keine Absteiger geben. Rein formal hat der Verbandstag noch zwei Alternativen zur Auswahl: zum einen die „Fortführung der Saison über den 30. Juni hinaus“, zum anderen das „vorzeitige Saisonende mit Quotientenregelung unter Ermittlung von Auf- und Absteigern“. Es ist jedoch fest davon auszugehen, dass der außerordentliche Verbandstag der Empfehlung des Verbandsvorstands folgen wird. Dessen Empfehlung beruht auf den Abstimmungen, die in den vergangenen zwei Wochen in 32 Kreiskonferenzen stattfanden. Diese hatten sich mehrheitlich für einen Saisonabbruch ohne Absteiger ausgesprochen. „Der Verbandsvorstand beschließt, sich dieser Mehrheitsmeinung anzuschließen und empfiehlt dem außerordentlichen Verbandstag, den obenstehenden Beschluss zu fassen“, heißt es unter Punkt drei des HFV-Beschlusses.

Verbandstag im Juni

„Uns ist bewusst, dass nicht alle Vereine diesen Standpunkt teilen, aber leider ist aufgrund der speziellen Situation eine Lösung, die die Zustimmung aller HFV-Vereine findet, nicht möglich. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass wir der optimalen, gerechtesten und vereinsfreundlichsten Lösung hiermit am nächsten kommen“, wird HFV-Präsident Stefan Reuß zitiert. Vorbehaltlich neuer politischer Beschlüsse wird der Spielbetrieb in Hessen bis zum Verbandstag ruhen. „Die Empfehlung, das Spieljahr 2019/20 am 30.06.2020 zu beenden, sieht keine weiteren Meisterschaftsspiele des laufenden Spieljahres mehr vor“, teilt der HFV mit. Die Saisonwertung – allen voran die Ermittlung der Meister und direkten Aufsteiger – soll über eine Quotientenregelung erfolgen. Der Quotient soll verhindern, dass Mannschaften Vor- oder Nachteile erfahren, weil sie zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung am 12. März mehr oder weniger Spiele bestritten haben. Berücksichtigt werden sollen auch Spiele, „über deren Wertung bis 30. Juni 2020 sportgerichtlich rechtskräftig entschieden ist“, besagt das HFV-Statement weiter.

Grundsätzlich sollen also alle Mannschaften aufsteigen, die sich auf einem direkten Aufstiegsplatz befinden. Absteiger soll es keine geben. Bis zum außerordentlichen Verbandstag ist allerdings noch zu klären, ob Mannschaften, die auf einem Relegationsplatz stehen, ebenfalls aufsteigen, Relegationsspiele bestreiten dürfen oder das Nachsehen haben. Eine „abschließende rechtliche Prüfung für den Seniorenbereich“ sei hierfür vorzunehmen, heißt es im neunten und letzten Punkt des Beschlusses: „Ebenso sind finale Beschlüsse für das Vorgehen im Junioren- und Frauenbereich für den außerordentlichen Verbandstag vorzubereiten.“ Offen ist außerdem, ob die Pokalwettbewerbe zu Ende gespielt werden. Hier würden laut HFV „kurzfristig Lösungen erarbeitet“. Es seien „unterschiedliche Szenarien diskutiert worden“. Im Kreispokal Bergstraße etwa sind nur noch die beiden Halbfinals und das Finale zu absolvieren.

Der Kreisfußballausschuss Bergstraße hatte am vergangenen Dienstag mehrheitlich für einen Abbruch mit Aufsteigern und ohne Absteiger gestimmt. „Es ist richtig, dass jetzt eine Entscheidung getroffen wurde. Jede Entscheidung hätte ihr Für und Wider. Ich wollte nicht in der Haut der Entscheider stecken“, meint etwa Thomas Roth, der Trainer des A-Ligisten FV Biblis. Als ein Problem macht der 59-Jährige die Klassengrößen aus: „Unter dem Strich wird es größere Ligen und mehr Spiele geben. Das fängt spätestens bei der Kreisoberliga an und geht in der Verbandsliga weiter.“

Sportsgeist beweist Roth, als er auf seine Elf angesprochen wird. Biblis steht in der A-Liga auf Platz drei – nur einen Zähler hinter den punktgleichen Tabellenersten SSV Reichenbach und Azzurri Lampertheim. „Ich sage es klipp und klar: Die Gesundheit geht vor. Da ist es völlig egal, dass wir die beste Runde seit über 15 Jahren spielen, auch wenn es für uns eine harte Entscheidung ist“, stellt der scheidende FVB-Coach klar.

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