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Fußball Nach dem Abbruch des Spiels zwischen Hüttenfeld und Bürstadt II äußert sich Eintracht-Spieler Wayita-Makamba

„Schmerzhafte Beleidigungen“

Ried.In den sozialen Netzwerken hat der Abbruch der C-Liga-Partie zwischen der SG Hüttenfeld und Eintracht Bürstadt II seit dem späten Sonntagabend hohe Wellen geschlagen. Auf seiner Facebook-Seite hat sich Eintracht-Spieler Joel Wayita-Makamba zu den Vorfällen auf dem Hüttenfelder Sportplatz geäußert.

Der 30-Jährige war in der 83. Minute auf einen heimischen Zuschauer losgegangen, der ihn laut Eintracht-Trainer Amir Nur während des gesamten Spiels mehrfach rassistisch beleidigt hatte. Danach war die Eintracht-Reserve, die 0:2 hinten lag, nicht mehr zum Weiterspielen bereit. „Bei unserem Auswärtsspiel gegen die SG Hüttenfeld wurde ich von den Zuschauern aufs Letzte rassistisch beleidigt. Nachdem ich 80 Minuten permanenten Beleidigungen ausgesetzt war, hat sich die Mannschaft entschlossen, mit mir geschlossen vom Platz zu gehen“, erklärte der gebürtige Kongolese, der in Hüttenfeld aufwuchs und früher sogar in der SGH-Jugend spielte: „Von gegnerischen Spielern sowie Mitspielern hörte ich ständig diesen Satz: ‚Steh drüber, das ist nur blödes Gelaber‘. Dazu sage ich: Jeder, der nicht meine Hautfarbe hat, weiß nicht, wie schmerzhaft solche Beleidigungen sind. Ausgerechnet bei dem Verein, wo auf und neben den Platz Freunde von mir stehen, bei dem Verein, wo ich das Fußballspielen erlebt habe und vor allem in dem Dorf, wo ich als kleiner Junge aufgewachsen bin.“

Kritik an Mais Äußerungen

Bis zum frühen Dienstagabend wurde Wayita-Makambas Facebook-Eintrag mehr als 460 mal geliket, über 135 mal geteilt und zog über 60 Kommentare nach sich – darunter von mehreren Eintracht-Spielern und von Hüttenfelds Trainer Jury Mai. „Ich selbst habe keine rassistischen Äußerungen gehört. Wenn es aber so gewesen sein sollte, sollst du wissen, dass ich, meine Mannschaft und der Verein SG Hüttenfeld sich von solchen Äußerungen distanzieren“, schrieb Mai – eine Aussage, die sich mit jenen in der Montagausgabe dieser Zeitung deckt.

Der SGH-Trainer äußerte aber auch Kritik an der Vorgehensweise Wayita-Makambas und des Eintracht-Teams, das selbst nicht mit Beleidigungen gegeizt hätte. Wayita-Makamba warf er vor, dreimal vom Platz gegangen zu sein, selbst Zuschauer beleidigt und „teilweise auch tätlich attackiert“ zu haben.

Auf Nachfrage dieser Zeitung wollte sich Mai nicht zu seinem Kommentar äußern – er habe ihn aus einer ersten Reaktion heraus geschrieben, erklärte Hüttenfelds Coach. „Ich hätte ihn heute nicht mehr so verfasst. Wir werden eine Stellungnahme zu den Vorfällen verfassen und uns bis dahin nicht mehr äußern. Ich distanziere mich aber eindeutig von Beleidigungen – aller Art.“

Mais Facebook-Äußerungen stießen bei der Eintracht auf null Verständnis. Eintracht-II-Routinier Nikos Theodoridis, der selbst dabei war, antwortete ihm: „Wir haben den Spielern von Hüttenfeld mehrmals gesagt, dass sowas nicht geht. Wir haben es abgebrochen, weil sich Joel zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zusammenreißen konnte und er auf sie losgehen wollte. Fragen wir andersherum: Warum beleidigt eine Mannschaft, die in der 82. Minute in Führung liegt, weiter?“ Im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“ bestätigte Wayita-Makamba gestern Nurs Aussagen, ohne vorher mit diesen konfrontiert worden zu sein. Er erklärte, dass er nur zweimal vom Platz gegangen sei.

„In der ersten Halbzeit bin ich lautstark auf Jury Mai und Marco Falkenstein zugegangen und habe ihnen gesagt, etwas gegen diese Zuschauer zu unternehmen. Ein älterer Mann hatte mich unter anderem als ‚Scheiß-Schwarzer‘ beleidigt. In der zweiten Halbzeit hat mich ein anderer älterer Zuschauer ‚Scheiß-Schwarzer‘ und ‚Zigeuner‘ genannt. Ich habe ihn persönlich konfrontiert, dann hat er mich geschubst und ich ihn. Dann wurden wir schon getrennt.“

Den Hüttenfeldern wollte Wayita-Makamba mit seinem Facebook-Post nicht schaden, betonte er. „Der pure Schmerz hat mich dazu bewogen. Ich wollte nur, dass der Verein etwas gegen seine Zuschauer macht. Wenn mir Hüttenfelder Spieler in der Pause sagen, ich solle drüber stehen und der Schiedsrichter einem sagt, er könne da nichts machen, ist das einfach nur enttäuschend.“

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