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Handball Ex-Profi Martin Strobel hat ein Buch veröffentlicht und berichtet über seine Erlebnisse

Schreiben in der Nacht

Stuttgart.Als Martin Strobel die ersten Zeilen seines Buches schreibt, ist es 4.38 Uhr am frühen Morgen. Er liegt mit einer Knieverletzung in einer Klinik im schwäbischen Markgröningen, kurz zuvor ist sein großer Traum geplatzt.

Im Hauptrundenspiel bei der Handball-WM 2019 gegen Kroatien verletzt sich der Spielmacher in Köln so schwer, dass die Weltmeisterschaft im eigenen Land für ihn gelaufen ist. „Der Sport kann eben auch brutal sein, und somit liege ich jetzt hier“, schreibt der heute 34-Jährige. Es sind die ersten Zeilen seines Werks „Höhepunkt am Tiefpunkt“, das er ohne einen Verlag an seiner Seite erstellt hat.

Sein Buch ist mehr als eine reine Autobiografie. Strobel schreibt zwar zum einen von den Anfängen seiner ungewöhnlichen Karriere, seinen Erlebnissen bei der erfolgreichen Europameisterschaft 2016, den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro oder eben bei der Heim-WM.

Tiefe Einblicke

Zum anderen geht er aber auch über die Grenzen seiner persönlichen Laufbahn hinaus. Er berichtet über Erfahrungen mit Mentoren, den konstruktiven Umgang mit Kritik oder beantwortet aus seiner Sicht die Frage, was Teamführung bedeutet. „Martin ist ein sehr ehrgeiziger, strukturierter Mensch, der, wenn er von einer Sache überzeugt ist, ihr sich voll verschreibt“, sagt Ex-Bundestrainer Christian Prokop.

Obwohl Strobel sich bereits nach Olympia 2016 auf seinen Verein HBW Balingen-Weilstetten hatte konzentrieren wollen, überredete Prokop ihn zu einem Comeback zur Heim-WM 2019. Strobel sagte zu, erlebte als Regisseur der DHB-Auswahl Spiele vor außergewöhnlichen Kulissen in Berlin und Köln – und erlebte am Höhepunkt seiner Karriere wegen seiner schweren Verletzung gleichzeitig einen Tiefpunkt. Dennoch kämpfte er sich nochmal zurück und beendete wegen des coronabedingten Saisonabbruchs vor dem vergangenen Sommer seine Karriere. Alles, was er in seiner Zeit als Profi erlebt hat, will er nun mithilfe seines Buches weitergeben.

„Ein ausschlaggebender Punkt für das Buch war sicher die Heim-WM. Im einen Moment war ich noch umgeben von tausenden Zuschauern – und plötzlich lag ich nachts alleine auf einem Krankenbett“, erzählt Strobel. Da habe er einfach seinen Laptop aufgeklappt und angefangen zu schreiben. Künftig würde er gerne in der Nachwuchsentwicklung des Handballs mitarbeiten. Prokop jedenfalls ist sich sicher: „Wir werden ihn definitiv im Sport- bzw. Handballbereich wiedersehen.“ dpa

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