Lokalsport Südhessen

Triathlon Zweimaliger Ironman-Weltmeister unterbricht seine Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt nur am Hochzeitstag

Über Nizza nach Hawaii

Archivartikel

Nizza.An der glamourösen Côte d’Azur steigt Patrick Lange an diesem Wochenende wieder in die Welt des Ruhms ein. Sein Rad für die 70.3-Weltmeisterschaft wird wegen einiger Spezifikationen vom Sponsor und Hersteller nach Nizza gebracht, Lange reist praktisch nur mit Handgepäck an. Und er wird der Star sein im Starterfeld, der zweimalige Ironman-Weltmeister, der Hawaii-Rekordhalter. „Es schmeichelt mir sehr, für einen Tag mal im Mittelpunkt zu stehen und gefeiert zu werden“, sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Lange war bis vor gut drei Jahren nicht wirklich berühmt. Auch nicht sonderlich erfolgreich. Die Karriere als Triathlet stand auf der Kippe. Und nun? „Ich bin in der Szene sehr bekannt, werde oft erkannt und angesprochen. Die Menschen wollen Autogramme und Selfies mit mir“, erzählte Lange. Dass er ansonsten relativ ungestört und unerkannt leben kann, ist dem gebürtigen Hessen gerade recht. „Ich finde es wunderbar in meiner aktuellen Situation, dass ich das Beste aus zwei Welten habe“, erklärte er: „An dieser Situation möchte ich gar nichts ändern.“

Erst 2016 beginnt Langes Triumphzug. Er siegt beim Ironman Texas und stellt nach den 3,8 Kilometern Schwimmen und 180 Kilometern Radfahren einen Laufstreckenrekord über die abschließenden 42,195 Kilometer auf. Lange schafft es bei seiner ersten Hawaii-Teilnahme aufs Podest – er wird Dritter. Und stellt auch auf Hawaii eine Bestzeit über den Marathon auf. Er habe eine hervorragende Laufökonomie, sagt sein Trainer Faris Al-Sultan, selbst ehemaliger Hawaii-Gewinner, über Lange.

Auftakt am Sonntag

2017 gewinnt sein Schützling die WM, 2018 bleibt er als erster Triathlet im Ziel in Kailua-Kona unter der magischen Acht-Stunden-Grenze. Kraft genug für einen Heiratsantrag hatte er aber noch, und jüngst wurde geheiratet. Da gönnte sich auch der Ironman-Titelverteidiger in der Vorbereitung auf den geplanten Hawaii-Hattrick und die WM in Nizza über die halbe Ironman-Distanz mal eine Pause. „Es war schön, auch mal einen Tag nicht ans Training zu denken. Am nächsten ging es aber gleich weiter.“

Denn Lange will noch einmal eins drauflegen. Das WM-Rennen in Südfrankreich an diesem Sonntag soll als Beschleuniger für den großen Showdown auf Hawaii dienen. „Ich möchte dort noch mal ein anderes Level an Leistungsfähigkeit erreichen. Dieses 70.3-Rennen in Nizza ist dabei essenziell als weitere Motivationskraft.“

Treffen wird er in Nizza unter anderem auf Landsmann Sebastian Kienle, Ironman-Weltmeister von 2014. Der Hawaii-Gewinner von 2015 und 2016, Jan Frodeno, wird nicht am Start sein. Der Titelverteidiger und seit fast zwei Jahren ungeschlagene Olympiasieger von 2008 verzichtet. Bei der Ironman-EM in Frankfurt hatte Frodeno vor Kienle gewonnen, Lange hatte bei seinem Heimrennen nach einem Reifendefekt und Magenproblemen mit dem Sieg nichts zu tun.

Dass vor allem die drei Deutschen im Fokus stehen und er einer der drei ist, freut Lange. „Wir haben für den Sport eine unglaublich tolle Situation geschaffen. Wir haben die Aufmerksamkeit auf Triathlon und die WM auf Hawaii gelenkt, auch weil wir so unterschiedliche Charaktere sind. Wir haben unterschiedliche Geschichten zu erzählen.“

Starkes deutsches Trio

Das trifft sicher ganz besonders auf Frodeno und Lange zu. Der eine steht seit seiner Goldmedaille in Peking vor elf Jahren im Fokus, Lange erst seit knapp drei Jahren. Als Frodeno die WM auf Hawaii erstmals gewann und damit Kumpel Kienle nachfolgte, haderte Lange mit sich selbst. Dass sich die Erfolge danach so schnell einstellen würden, kam auch für den gelernten Physiotherapeuten überraschend. „Da muss ich mich schon hin und wieder zwicken und das ein oder andere Video auf Youtube vom Zieleinlauf anschauen“, sagte er.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional