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American Football Bürstadt Redskins freuen sich auf die neue europäische Liga, bemängeln aber die fehlende Einbindung der Basis

„Wäre Zeit für ein Netzwerk“

Archivartikel

Bürstadt/Frankfurt.Natürlich hat sich die Nachricht von der Gründung der European League of Football (ELF) bis zu den Bürstadt Redskins herumgesprochen. Harry Frommeld, der Head of Communication des frischgebackenen Hessenliga-Vizemeisters, kann der Idee prinzipiell Einiges abgewinnen. „Den Ansatz finde ich gut“, sagt Bürstadts Medienchef: „American Football ist eine Randsportart in Deutschland. Alles, was diesen wundervollen Sport aus dem Dornröschenschlaf holt, kann nur gut sein.“

Ein paar Zweifel an dem Projekt der B.G.A. Football Betriebs GmbH hegt Frommeld allerdings schon. „Wir wissen, dass American Football mittlerweile eine ganz interessante Fan-Base hat“, erklärt er: „Aber die bezieht sich meiner Meinung nach nicht auf den deutschen Football, sondern auf die NFL. Die deutsche Fan-Base ist es gewohnt, sich vor dem Fernseher die Nächte um die Ohren zu schlagen.“

Für die Annahme, dass sich die TV-Zuschauer mobilisieren lassen, würde Frommeld nicht die Hand ins Feuer legen: „Ich stelle mir die Frage, ob diese Fan-Base auch in ein Stadion gehen würde. Wenn man sieht, dass ‚ran’ mit seinen TV-Übertragungen auf 500 000 Zuschauer und mehr kommt, müssten die Stadien in Deutschland ja jetzt schon voll sein.“

Genau das sei aber nicht der Fall, beklagt Bürstadts Pressewart. Die German Football League (GFL), Deutschlands höchste Football-Liga, sei im Fernsehen nicht vertreten – auch nicht bei den Sendern, die die NFL übertragen. „Die Teams – wir haben es ja jetzt erlebt, als die GFL-Reserve der Marburg Mercenaries bei uns gespielt hat – arbeiten mit eigenen Livestreams“, weiß Frommeld: „Es fehlt ein Netzwerk in Richtung der Medien. Vielleicht wäre es an der Zeit, ein solches Netzwerk zu kreieren.“

Denn was Frommeld an der neuen ELF schon fast befremdlich findet, ist die fehlende Einbindung der Basis. „Zumindest gibt es keinen Ansatz, der mir transparent wäre. Wünschenswert wäre es“, meint der 55-Jährige: „Ich weiß nicht, ob sich die handelnden Personen mit dem deutschen Football-Verband mal an einen Tisch gesetzt haben.“ Frommeld ist nicht der Einzige, der dem europäischen Football-Projekt abwartend gegenübersteht. „Auf der Grundlage unserer Erfahrungen, die wir in vielen Jahren in Deutschland und Europa mit unserem Sport gesammelt haben, sind wir aktuell und mittelfristig durchaus skeptisch bezüglich der Finanzierbarkeit einer reinen Football-Profiliga“, teilt GFL-Ligavorstand Carsten Dalkowski mit.

Mehrere deutsche Standorte?

„Offenbar plant die ELF deutsche Franchise-Standorte in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Hildesheim/Hannover und Ingolstadt zu etablieren“, heißt es in einem Statement der GFL dazu: „Hier geht man wohl davon aus, die durch die dort ansässigen GFL-Vereine geschaffenen Strukturen zu nutzen oder gar zu übernehmen.“ GFL-Ligavorstandsmitglied Christoph Wolk warnt Vereine davor, „sich zu blauäugig in dieses Abenteuer stürzen“.

In einer Pressemitteilung der B.G.A. Football Betriebs GmbH sind nur Städtenamen aufgezählt. Die künftigen ELF-Footballer aus Frankfurt werden schlicht „Frankfurter Football Team“ genannt. Neben Teams aus Deutschland ist auch der dreimalige polnische Meister aus Breslau am Start. Mit einem achten Team wird noch verhandelt. In den folgenden Jahren soll die Liga auf bis zu 20 Teams aus zehn Ländern wachsen.

Die Vorschusslorbeeren sind groß. „Die ELF ist eine Riesenchance, den Football in Deutschland und in Europa auf ein neues Level zu heben“, wird Thomas Kösling zitiert. Der bisherige Coach der Frankfurt Universe wird als Head Coach in die ELF wechseln.

Auch sonst fehlt es der neuen Europa-Liga nicht an großen Namen. Ligachef ist Zeljko Karajica, früherer Geschäftsführer von ProSiebenSat.1 und Sport1. Patrick Esume, der bekannte Football-Coach und TV-Experte, ist als Commissioner an Bord. „Ziel ist es, in Europa eine Top-Liga zu etablieren, den größten Talenten eine Bühne zu bieten mit professionellen Strukturen“, erhofft sich Esume „die Möglichkeit, eine enge Allianz mit der NFL im Hinblick auf die Entwicklung von Spielern und Schiedsrichtern einzugehen“.

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