Lokalsport Südhessen

Fußball Verfahren zwischen Eintracht Bürstadt und SGH-Spieler zu möglichem Hitlergruß mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt

„Zum Teil gravierende Unterschiede“

Frankfurt/Ried.Der Vorwurf wog schwer: Beim TVL-Hallen-Cup im Januar soll ein Spieler der SG Hüttenfeld nach einem Tor den Hitlergruß gezeigt haben. Der Fall wurde am Dienstagabend vor dem Sportgericht der Verbandsligen am Landessportbund Hessen in Frankfurt verhandelt – und endete nach zwei Stunden mit der Einstellung des Verfahrens.

Das Sportgericht berief sich auf Paragraf 6 der Rechts- und Verfahrensordnung des Hessischen Fußball-Verbands (HFV). Demnach wurde das Verfahren eingestellt, weil es nach der Beweisaufnahme keinen hinreichenden Tatverdacht gab. Entscheidend war, dass mehrere Zeugen unterschiedliche Versionen des Tathergangs geschildert hätten – „mit zum Teil gravierenden Unterschieden“, wie das Sportgericht feststellte. Ferner fiel dem Gericht auf, dass sich keiner der Zeugen oder der Betroffene selbst vor Ort an die Turnierleitung oder an einen der Schiedsrichter gewandt habe.

Beim Betroffenen handelt es sich um Amir Nur. Der Trainer des C-Ligisten Eintracht Bürstadt II war am 9. Januar, dem ersten Hallencup-Spieltag, als Privatperson in der Jahnhalle. Nach einem Treffer im Spiel zwischen der SG Hüttenfeld und der Spvgg 07 Mannheim (4:1) habe sich der Torschütze vor die Tribüne gestellt und kurz den rechten Arm zum Hitlergruß ausgestreckt, hatte Nur dem „Südhessen Morgen“ vor der Verhandlung geschildert.

Keine weiteren Rechtsmittel

Für den Eintracht-Coach, der auch Strafanzeige erstattet hat, besteht kein Zweifel daran, dass sich die Geste gegen ihn richtete. Der gebürtige Somali beruft sich auf mehrere Augenzeugen, die um ihn herum saßen. In Frankfurt sagten sechs Zeugen für Nur aus. Der Beschuldigte nahm schriftlich Stellung und sagte zudem vor Gericht aus.

Die Turnierleitung hatte dem Gericht vorab schriftlich erklärt, den Vorfall nicht gesehen zu haben. Während der Verhandlung sagte ein Schiedsrichter aus, ebenfalls nichts mitbekommen zu haben. Vor das Sportgericht kam der Fall, weil zwei Mannschaften aus verschiedenen Landesverbänden involviert waren. Die Verfahrenskosten trägt die Bürstädter Eintracht. Sie hatte die Verhandlung für Nur in die Wege geleitet. Beim HFV gibt es für die Eintracht kein weiteres Rechtsmittel. Eine Neuaufnahme der Ermittlungen kann nur das HFV-Präsidium anordnen – etwa, wenn es im Verlauf eines Strafprozesses neue Erkenntnisse gibt.

Der „Südhessen Morgen“ hatte vor der Verhandlung bei beiden Vereinen sowie der Turnierleitung und Kreis-Schiedsrichterobmann Karlheinz Dörsam nachfragt, der am ersten Turniertag als Referee im Einsatz war. Ihm und seinen Kollegen sei nichts aufgefallen, meinte Dörsam.

Auch den Beschuldigten kontaktierte diese Zeitung – er bestritt die Tat. TVL-Turnierorganisator Michael Metzner erklärte: „Wir haben diesen Fall intern besprochen, allerdings erst lange nach dem Hallencup. Wir von der Turnierleitung haben dahingehend nichts gesehen.“ Die Turnierleitung besteht aus fünf bis sechs Personen, die vom Oberrang der Tribüne beste Sicht haben. In diesem Jahr zeichnete ein Kamerateam von „FuPa Bergstraße“ alle Treffer auf. Die Tore sind online zu sehen. Auf der zehnsekündigen Videosequenz ist nur zu erkennen, wie das Tor fällt und kurz, wie der Schütze abdreht.

Der Fall ist besonders eklatant, da Bürstadt und Hüttenfeld erst im Januar vor dem Kreissportgericht Groß-Gerau geladen waren. Am 2. Dezember hatte Nur den Abbruch des Punktspiels zwischen Hüttenfeld und Bürstadt II veranlasst, nachdem der farbige Eintracht-Spieler Joel Wayita-Makamba mehrfach von Hüttenfelder Zuschauern rassistisch beleidigt worden war. Dafür wurde C-Liga-Primus Hüttenfeld mit einem Drei-Punkte-Abzug be-straft (wir berichteten).

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