Lokalsport Südhessen

Bogenschießen Recurve-Schützen des PBC Bürstadt entscheiden Hessenliga-Auftakt für sich – und gewähren Einblick in die Sportart

Zwischen Adrenalin und Ausgeglichenheit

Bürstadt.Lautstärke und Bogenschießen – beißt sich das nicht? Thomas Strubel lacht. „Wenn unsere Leute gut schießen, hört man das gleich“, meint der zweite Vorsitzende des Pfeil- und Bogenclubs (PBC) Bürstadt. Die ersten Eindrücke vom Auftakt der Bogen-Hessenliga in der Sporthalle der Astrid-Lindgren-Schule Bobstadt geben Strubel Recht. Schüsse ins Goldene – nicht „ins Schwarze“ – werden vom Jubel der Teamkameraden und Mitgereisten begleitet, im Hintergrund läuft sogar Musik: Rock und Pop.

Das soll natürlich nicht bedeuten, dass das Bogenschießen den Sportlern nicht Einiges an mentaler Stärke abverlangt. „Gerade das Schießen in der Liga kann Stress pur sein. Da braucht es gute Nerven“, betont Strubel. Neben Konzentration und Koordination nennt er „Rhythmus“ als Schlagwort: „Das ist ein Mannschaftswettkampf. Hier müssen alle Abläufe von der Zeit her passen.“

Die Beobachtung eines Durchgangs, auch Passe genannt, zeigt, wie viel Eingespieltheit von Nöten ist. Schaltet die Ampelanlage auf Grün, läuft die Zeit rückwärts. 120 Sekunden bleiben den drei Schützen jeder Mannschaft, um sechs Schüsse – zwei pro Sportler – abzugeben. Das sind 20 Sekunden pro Schuss, inklusive Wechselzeit. „Es braucht ein paar Jahre Übung und Routine, damit man in der Liga mitschießen kann“, erklärt Strubel.

Für einen Treffer aus 18 Metern Distanz auf die gelben Flächen der Scheiben – das sind der Kreis in der Mitte und die zwei kleinsten Ringe – gibt es zehn und neun Punkte. Die zwei roten Ringe bringen acht und sieben Zähler, die beiden blauen Ringe sechs Punkte. Bei sechs Team-Schüssen sind also maximal 60 Zähler pro Durchgang möglich. An einem Wettkampftag gilt der Modus „Jeder gegen Jeden“.

Bärenstarker Auftakt

Die Recurve-Bogenschützen des PBC – dabei handelt es sich um den klassischen olympischen Bogen – übertreffen sich beim ersten von insgesamt vier Wettkampftagen selbst. Das Team um Alexander Brinkmann, Heiko Rahn, Sebastian Eberle, Timo Helmke, Kelly Tröger und Olaf Kaiser kommt nach sieben Matches auf volle 14:0 Punkte – und das als Aufsteiger aus der Oberliga. „Sie haben in den vergangenen Wochen viel trainiert und sind hochmotiviert“, hält Strubel nach den ersten zwei Matches fest: „Hier sind alle Teams auf einem gutem Niveau. Ich glaube nicht, dass einer durchmarschiert.“

Dass Bürstadts Recurve-Schützen auf einen 6:0-Auftaktsieg gegen den BSC Oberauroff II und ein 6:2 gegen den SV Böddiger ein 7:3 gegen den ebenfalls mit zwei Siegen gestarteten SV Ober-Roden folgen lassen und auch sonst nichts liegen lassen, ahnt Strubel da noch nicht.

Neben dem ersten Hessenliga-Wettkampftag in der Recurve-Disziplin richtet der 1995 gegründete PBC auch den Ligastart der Compound-Bogenschützen aus – die „High-Tech-Variante“, wie Strubel erläutert. Außerdem sind da noch die Bezirksmeisterschaften im Einzel und in der Mannschaft, die als Qualifikationslauf zu den „Hessischen“ dienen. „Wir hoffen, dass es auch ein paar von unseren Schützen zur DM in Hof/Bayern im März schaffen“, sagt der PBC-Vorsitzende Steffen Brinkmann. Bürstadts Compound-Team, bestehend aus Daniel Strubel, Johanna David, Jan Frederik Höth und Olaf Kaiser, beendet den Hallenauftakt mit 7:7 Punkten auf Platz vier.

Die Faszination Bogensport misst sich übrigens nicht nur in Ringen, Passen und Punkten – sondern auch in einem hohen Maß an Fairness. Nach jeder Passe gehen Schützen beider Teams zur Zielscheibe und zählen gemeinsam. Die Wettkampfrichter schauen ihnen nur über die Schultern, sie werden nur im seltenen Zweifelsfall per Handzeichen dazugeholt. Es ist eine bemerkenswert vertrauensvolle Vorgehensweise. Aber auch eine, die wie gemacht zu sein scheint für einen Sport, der Adrenalin und Ausgeglichenheit wie kaum eine andere Disziplin vereint.

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