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Fußball-Gruppenliga Für Neuling Eintracht Bürstadt zählt nur der Klassenerhalt / Vereinsboss Rainer Beckerle denkt (un)gern zurück

Zwischen Angrifflust und Abstiegssorgen

Archivartikel

Bürstadt.Der Stolz, den Rainer Beckerle verspürt, wenn er auf die erste Mannschaft zu sprechen kommt, kann der Vorsitzende der DJK Eintracht Bürstadt in Zahlen fassen – und an einem Datum festmachen. Es ist der 28. Mai 2006, ein Sonntag. Während Fußball-Deutschland einem WM-Sommermärchen entgegenfiebert, verlässt die „Erste“ der Eintracht den Hofheimer Sportpark.

Die Köpfe der meisten Bürstädter Spieler hängen tief – wobei der Begriff „tief“ nach der Saison 2005/06 keine Bedeutung mehr hat: Mit Klatschen wie dem 0:9 beim FV Hofheim am letzten Spieltag der Bezirksliga Süd (heute Kreisoberliga Bergstraße) hat sich der Eintracht-Tross längst abgefunden. Die Bilanz ist ein klassenunabhängiger Tiefpunkt für den 1964 gegründeten Club von der Wasserwerkstraße: elf Punkte, drei Siege in 32 Spielen, 21:137 Tore – abgeschlagen verabschiedet sich der Nachbar des großen VfR wieder in Richtung A-Klasse.

Es sind Tage wie diese, die Beckerle, damals stellvertretender Vorsitzender, sich selbst in Erinnerung ruft – gerade jetzt, da sich seine Eintracht klassenhöchster Ried-Vertreter nennen darf und sich nach dem Durchmarsch von der A- in die Gruppenliga in ganz neuen Sphären bewegt. „Wir dürfen nie vergessen, wo wir herkommen“, betont Beckerle, der dem Verein seit 2008 vorsteht.

Club setzt auf Kontinuität

Das Mantra des Eintracht-Bosses klingt wie tausend Mal gehört – und doch ist es die wohl gesündeste Herangehensweise an die neue Aufgabe. Denn: Welche Rolle der Neuling in der siebthöchsten Liga spielen wird, lässt sich auch nach dem Saisonstart mit einem Punkt (9:19 Tore) aus den ersten fünf Spieltagen schwer voraussagen.

Die Einschätzungen schwanken zwischen Angriffslust und Abstiegssorgen. „Ich kenne die Gruppenliga als Schiedsrichter. Von Platz sechs abwärts spielen da alle gegen den Abstieg. Wir hoffen, zum Schluss einen guten Mittelfeldplatz zu belegen und wollen fünf Mannschaften hinter uns lassen“, meint Beckerle.

Fußball-Abteilungsleiter Marcus Haßlöcher denkt ähnlich: „Wir wollen uns nicht nach dem Gegner richten, sondern schnellen Offensivfußball zeigen. Das ist unsere Spielanlage, mit der wir Siege einfahren werden. Aber es wird bis zum letzten Spieltag eng bleiben.“

Personell spricht wenig gegen ein ruhiges Jahr. Spielertrainer Benjamin Sigmund setzt weitestgehend auf jene Elf, die in der Kreisoberliga als Aufsteiger aus der A-Klasse zwölf Punkte Vorsprung auf Vizemeister Groß-Rohrheim herausspielte. Verstärkungen erfolgten punktuell – und aus unteren Ligen: Mit Vassili Theodorou kam ein gruppenligaerprobter Mittelfeldmann vom FSV Riedrode. Stürmer Vitali Becker (VfB Lampertheim) empfahl sich als Torschützenkönig der A-Liga. Auch Klaudi Buraku, Xhino Dushaj (beide FSG Bensheim) und Jolex McNeil (Azzurri Lampertheim) waren zuletzt in der A-Klasse am Ball. Mergim Dzackaj, Patric Richter und Hüseyin Tutay kamen von D-Liga-Meister Bobstadt. Aus der A-Jugend des JFV Bürstadt gingen Niclas Herzberger und Paul Herbel hervor.

Von den fünf Abgängen fällt nur jener von Diamant Osmanaj ins Gewicht. „Kontinuität ist unser Erfolgsrezept“, sagt Haßlöcher – und denkt spontan an Leistungsträger wie Flamur Bajrami („Der Kapitän und Kopf“), Allrounder Alexander Lehmann („Ich habe selten ein schlechtes Spiel von ihm gesehen“) sowie an „junge Wilde“ wie Fabio Cappello, Juan Marroqui Cases und Stürmer Andre Bandieramonte, mit 21 Treffern die Entdeckung der vergangenen Spielzeit. „Wir haben eine eingeschworene Gemeinschaft – das ist herausragend. Die Arbeit hier macht gerade riesigen Spaß“, meint Haßlöcher.

Und doch: Allzu oft darf es sich die Bürstädter Eintracht nicht leisten, Spitz-auf-Knopf-Partien zu verlieren, wie gegen Lengfeld (2:3), Höchst (0:1) oder beim 5:7 gegen Münster, wo die Sigmund-Elf nach einem 0:5 zur Pause auf 5:5 herankam und zwei klare Chancen zum 6:5 liegen ließ.

„Wenn ich ein Patentrezept hätte, würde ich es anwenden. Wir bekommen noch zu viele Gegentore durch einfache Fehler“, hält Coach Sigmund fest: „Wenn wir das abstellen, haben wir schon viel gewonnen.“ Vielleicht ja auch schon bald ein Spiel: Auf dem heimischen Kunstrasenplatz, wo noch im WM-Sommer 2006 der längst vergessene Hartplatz stand, trifft die Eintracht am Sonntag (15 Uhr) auf Mitaufsteiger SG Einhausen.

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