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Justiz Amtsgericht Bensheim verurteilt 17-Jährigen zur Jugendstrafe von drei Jahren und vier Monaten / Betrüger gibt sich als Polizeibeamter aus

Opfer stundenlang am Telefon malträtiert

Rhein-Neckar.Als falsche Polizeibeamte hat eine Bande älteren Menschen im süddeutschen Raum über einen längeren Zeitraum hinweg ihr Erspartes aus der Tasche gezogen und sie zum Teil um ihr ganzes Hab und Gut gebracht. Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bensheim verurteilte deshalb einen 17 Jahre alten Angeklagten aus dem Gorxheimertal wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in 15 Fällen zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Zwei weitere Anklagepunkte ließ das Gericht fallen. Die Beute des Betrügers, rund 250 000 Euro, setzte sich aus Schmuck, Bargeld, Schweizer Münzen und Bankkarten zusammen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Haftbefehl gegen den Jugendlichen, der bei den Taten von März 2018 bis Februar 2019 erst 16 Jahre alt war, als „Läufer“ fungierte und außerdem neue Bandenmitglieder anheuerte, wurde aufrecht erhalten. Zusammen mit zwei weiteren Tatverdächtigen wurde er bei einem Juwelier in Mannheim, der als Hehler tätig gewesen sein soll, Anfang des Jahres festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Auf freien Fuß kam hingegen sein 20 Jahre alter Komplize, der nachweislich nur an einem Fall beteiligt war. Gegen ihn verhängte das Gericht unter Vorsitz von Rainer Brakonier eine Jugendstrafe von neun Monaten zur Bewährung.

Weitgehend geständig

Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten, der bei einer Geschädigten in Wald-Michelbach Wertgegenstände in Höhe von einer halben Million ergaunert haben soll, wurde abgetrennt. Gegen den Viernheimer wird am 5. September um 14 Uhr vor dem Amtsgericht Bensheim verhandelt. Der Prozess am Dienstag fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da einer der Täter noch keine 18 Jahre alt ist.

Wie der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts auf Anfrage mitteilte, habe die Hauptverhandlung ergeben, dass sich der weitgehend geständige 17-Jährige mit weiteren, teils in Deutschland, teils in der Türkei wohnenden Komplizen, im Februar 2018 zu einer Bande zusammen geschlossen habe. Deren Ziel sei es gewesen, die Opfer, allesamt Frauen zwischen 76 und 91 Jahren, um ihr Geld zu bringen. Dabei haben sich die Kriminellen aus einem Callcenter in der Türkei am Telefon als Polizisten ausgegeben.

Die hochbetagten Opfer wurden zum Teil stundenlang – unter anderem am ersten Weihnachtsfeiertag 2018 – mit abenteuerlichen Räuberpistolen telefonisch festgehalten und verängstigt. Sie erhielten dabei genaue Instruktionen, wo und wie sie ihre Wertsachen den angekündigten „Zivilbeamten“ aushändigen sollten. Richter Brakonier berichtete von Fällen, bei denen die unter Druck gesetzten Geschädigten Schmuck und Bargeld im fünfstelligen Bereich vom Balkon herunterwarfen oder am Treppenabsatz deponierten, wo die Wertsachen dann abgeholt wurden.

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