Viernheim

Spiritualität 15. „Nacht der Lichter“ in der Hildegardkirche widmet sich dem Thema „Feuer“ / Zahlreiche Besucher

2500 Kerzen erhellen Gotteshaus

Archivartikel

Viernheim.„Tulekahju“, „yangin“, „agi“, „fjoer“, „ignis“, „fire“ – die Begriffe aus anderen Sprachen liegen auf dem Boden wie ein Band, das sich einmal durch die ganze Kirche zieht. „Feuer“ ist das Thema der 15. „Nacht der Lichter“ in der Hildegardkirche.

Das spirituelle Projekt bietet die Gelegenheit, nach den Feiertagen einzukehren, in der Stille nachzudenken, sich von den vielen Lichtern, den Texten, den Bildern, den Impulsen berühren zu lassen. Für viele Viernheimer ist es ein fester Termin am Jahresende – das macht der große Besucherzuspruch deutlich. Langsam gehen sie durch die illuminierte Hildegardkirche, schauen sich still die Stationen an, im Hintergrund erklingt passende Musik. Wer dann aus der stillen Kirche tritt, erlebt den direkten Gegensatz. Draußen wird geplaudert und gelacht, bei Glühwein und Bratwurst tauschen sich die Besucher über das aus, was sie bei der „Nacht der Lichter“ berührt hat. Und erneut sind die Besucher ergriffen von dem, was die Organisatorinnen Christina Feifer und Judith Diesterweg entwickelt, aufgebaut und angezündet haben. In allen Ecken der Kirche brennen zusammen rund 2500 Kerzen – große und kleine Flammen ergeben ein stimmungsvolles Bild in dem dunklen Gotteshaus.

Kreuz als Blickfang

Blickfang der Lichtinstallation ist die Figur im Mittelgang – ein Kreuz, in den Farben von züngelndem Feuer. Von der Empore aus hat man den besten Blick auf das imposante Lichterbild. Im gesamten Gotteshaus lohnt es sich dann, weiter hinzuschauen, wie das Thema „Feuer“ umgesetzt wird. So sind die Bücher der Bibel in einem Regal aufgestellt, drumherum hängen und liegen Bibel-Zitate, in denen Funken, Feuer und Flamme erwähnt werden.

Das Feuer, das zu St. Martin weitergetragen wird, symbolisieren die bunten Laternen, die um einen roten Mantel angeordnet sind. Vorbei an den Wänden mit „feurigen“ Begriffen geht es zu einem Liedtext von Leonard Cohen. „Who By Fire“ steht dort als Impuls: „Wer durch Feuer, wer durch Wasser, wer als Strafe Gottes, wer entscheidet das?“ An anderer Stelle leuchten kleine Engel und illustrieren das Gedicht von Mascha Kaléko „An meinen Schutzengel“.

Feuer kann aber nicht nur wärmende, inspirierende, begeisternde Wirkung haben. Auch die Gefahr der Flammen wird thematisiert, mit Bücherverbrennungen, die es nicht nur im nationalsozialistischen Deutschland gab. Neben den Lektüren mit versengten und verkohlten Buchseiten leuchtet als Mahnung das Zitat von Heinrich Heine: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“

Wer bei der Lichter-Installation neben dem Altar die Aushänge genau liest, wird wehmütig und ein wenig traurig: Denn die 15. „Nacht der Lichter“ ist auch die letzte. „Wir wollen zum Schlussakkord ein Feuerwerk erstrahlen lassen“, erklären Christina Feifer und Judith Diesterweg das Thema der Veranstaltung. Die beiden haben sich die „Nacht der Lichter“ ausgedacht, jedes Jahr aufs Neue initiiert und mit vielen Helfern vorbereitet und aufgebaut. „Über die Jahre waren es etwa 45 000 Lichter und ungefähr 540 Arbeitsstunden“, haben Diesterweg und Feifer nachgerechnet.

In den Überthemen „Engel“, „Sehnsucht“, „Wünsche“ oder „Lebensmelodie“ spiegle sich das persönliche Glaubenszeugnis wider. Jetzt seien Herz und Geist frei für neue Projekte. „Wir blicken unendlich dankbar auf diese Zeit zurück“, schreiben die Organisatorinnen, „und behalten die vielen strahlenden Augen, das geflüsterte Danke, die freudige Umarmung und so manche Träne der Rührung in liebevoller Erinnerung.“

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