Viernheim

Umwelt Transportfahrzeug verliert Zusatzstoff für Gase / Besorgte Bürger melden sich bei Feuerwehr und Stadtwerken

Übler Gestank, aber keine Gefahr

Viernheim.Die Aufregung war groß, in mehreren Straßen Viernheims stank es nach faulen Eiern. Etliche Bürger überkam ein Gefühl der Übelkeit. Eine Frau klagte gar über Hustenreiz. Bei der Feuerwehr und den Stadtwerken gingen am späten Dienstagabend die ersten sorgenvollen Anrufe ein. Am Mittwochvormittag folgten zahlreiche weitere Beschwerden. Der zunächst befürchtete Gasaustritt bewahrheitete sich allerdings nicht – zum Glück für alle Beteiligten.

Wie sich noch in der Nacht herausstellte, stammte der penetrante Geruch von einem Kastenwagen einer norddeutschen Firma. Deren 56 Jahre alter Fahrer aus Bremen ist nach Angaben des Polizeipräsidiums Südhessen zurzeit in der Region unterwegs, um Kunden mit einem stark riechenden Stoff zu beliefern. Das Mittel wird üblicherweise geruchlosen Gasen beigemengt, damit ein Austritt sofort bemerkt werden kann. „Ein Tropfen genügt, die Wirkung ist verheerend“, beschrieb Polizeisprecherin Christiane Kobus die Substanz. Ausgetreten sei sie nach abschließenden Erkenntnissen aus einem defekten Schlauch.

Am Abend stand das Fahrzeug vor dem Hotel Fetsch in der Einsteinstraße, weil der Fahrer dort übernachtete. Deshalb wurden zunächst Anwohner des Bereichs Kirschenstraße, Einsteinstraße und An der Oberlück auf den Gestank aufmerksam. Die Freiwillige Feuerwehr rückte gegen 22 Uhr mit vier Fahrzeugen und 18 Einsatzkräften aus. Polizei und Rettungsdienst waren ebenso vor Ort. Als Vorsichtsmaßnahme wurde das Gebiet großräumig abgesperrt.

Spezialisten führten Messungen durch, um eventuell austretendes Gas festzustellen – ohne Ergebnis. Dafür war der Transporter am Straßenrand als Ursache des Gestanks schnell ausgemacht. Nachdem der Halter ermittelt war, durchsuchten die Einsatzkräfte den Wagen. Sie fanden zwei Behälter mit Geruchsstoffen, ein Leck war aber nicht zu erkennen. Deshalb hieß es zunächst, Reste der Substanz könnten an einem Kupplungsstück haften. Um die Geruchsbelästigung zu reduzieren, wurde das Fahrzeug etwas weiter von den Wohnhäusern entfernt hinter dem Waldstadion geparkt.

Verfahren gegen 56-jährigen Mann

Damit war das Problem jedoch nicht behoben. Gestern Vormittag klagten erneut Bürger über unangenehme Gerüche. „Bei der Feuerwehr stand das Telefon nicht still“, erklärte Stadtbrandinspektor Michael Ahnert. Die Stadtwerke registrierten knapp zehn Anrufe. Gemeldet hatten sich Bürger, die unter anderem in Stadion-, Industrie-, Professor-Adler-, Nibelungen-/Wormser Straße und Mannheimer Straße wohnen. Ganz offensichtlich war das Fahrzeug bei seiner Abreise quer durch die Stadt gerollt. „Es roch erheblich, die Ursache war die gleiche wie am Abend“, berichtete Ahnert. Erneut habe die Feuerwehr Messungen durchgeführt, um auf Nummer sicher zu gehen. „Es war nichts Gefährliches, aber die Leute waren nervös.“ Stadtwerke-Leiter Ralph Franke zeigte Verständnis für die Bürger: „Es ist in Ordnung, dass sie anrufen. Im Zweifelsfall fahren wir lieber einmal zu viel raus“, sagte der Geschäftsführer. Denn einen Gasunfall gelte es unbedingt zu verhindern.

Laut Polizeisprecherin Kobus ist mittlerweile das Umweltkommissariat mit dem Fall befasst. Die Kollegen hätten das Fahrzeug gestern bei einem Kunden in Heidelberg angetroffen. Der Fahrer sei gegen 7.30 Uhr in Viernheim aufgebrochen und habe dabei offensichtlich wieder geringe Mengen seiner Ladung verloren. Es sei ein Verfahren gegen den 56-Jährigen eingeleitet worden. Dabei gelte es zu prüfen, ob Materialermüdung oder ein Fehler bei der Handhabung den Austritt des Stoffs – und damit den starken Gestank – verursacht hätten.

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