Viernheim

Kinderbetreuung Schwierige Suche nach Standort für neue Kita / Ausgleich für Sportverein TSV Amicitia würde 500 000 Euro kosten

„Alles hat irgendeinen Haken“

Archivartikel

Viernheim.Kommt sie oder kommt sie nicht? Eine neue Kita soll in Viernheim gebaut werden und bereits im Laufe des kommenden Jahres öffnen. Doch derzeit deutet kaum etwas auf eine schnelle Entscheidung in der Stadtpolitik hin, und die Zeit wird knapp. Im Haupt- und Finanzausschuss kam keine Empfehlung an die Stadtverordneten-Versammlung zustande. Konsens besteht lediglich bei der Notwendigkeit neuer Plätze. Uneins sind die Fraktionen vor allem in der Frage, ob ein Sportgelände des TSV Amicitia die erste Wahl wäre – die CDU etwa sah bislang einen anderen Standort vorne.

Jugendarbeit nicht „zerschießen“

Eigentlich zu favorisieren sei das städtische Areal am neuen Friedhof, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Bastian Kempf. „Allerdings kommen nach Angaben der Stadtverwaltung dort noch einmal fünf Monate obendrauf.“ Grund sei der zu ändernde Bebauungsplan, der auch im beschleunigten Verfahren eine Offenlegung und damit zusätzliche Zeit nötig mache. „Es gibt hier keine einfache Lösung“, betont Kempf. Ihm widerstrebe es allerdings, dem Sportverein „seine erfolgreiche Jugendarbeit zu zerschießen“ – und keinen Ausgleich zu schaffen.

Ähnlich sieht es Manfred Winkenbach von den Grünen. Es wäre „unredlich“, dem Verein einen Ausgleich zu versprechen, wenn die Finanzen diesen gar nicht zuließen. Auch Winkenbach sieht im Grundstück am Friedhof den an sich besser geeigneten Platz, auch wenn dort der Bebauungsplan geändert werden muss. „Alles hat irgendeinen Haken.“ Die Stadt benötigt 2000 Quadratmeter Bauland für die neue Kindertagesstätte. Der TSV Amicitia hat eine Spielfläche an der Kirschenstraße angeboten, möchte als Ausgleich einen neuen Kunstrasenplatz. Unter anderem die SPD sieht darin die Lösung, in Rekordzeit zur neuen Kita zu kommen. „Ich sehe keine Alternative zu diesem Standort“, sagt etwa Dieter Rihm von der SPD. Über einen Ausgleich wäre dann zu einem späteren Zeitpunkt zu verhandeln.

Der TSV Amicitia benötigt bei dieser Lösung nach eigenen Angaben einen ganzjährig nutzbaren Kunstrasen-Platz im Großfeld-Format. Das Waldstadion sei der einzige dafür geeignete Ort, heißt es aus Vereinskreisen. Die Kosten für ein solch großes Spielfeld würden sich wohl auf 500 000 Euro oder mehr belaufen. Die FDP hat bereits klargestellt, dass sie keine Notwendigkeit für einen vollen Kostenausgleich an den Verein sieht. Das Kirchengrundstück sei schließlich in Erbpacht an die Stadt vergeben worden. Allenfalls einen Zuschuss wolle man zahlen, hatte Fraktionschef Bernhard Kammer zuvor gesagt.

Übergang im Kita-Container?

Sehr teuer könnte es allerdings auch schnell werden, wenn sich der Kita-Bau weiter verzögern sollte. Denn dann wären nach Lesart des Kreisjugendamts Zwischenlösungen für die Kita-Unterbringung fällig, die ins Geld gehen. Nach Angaben des Ausschussvorsitzenden Jörn Ritterbusch von der SPD kostet eine Überbrückung mit Kita-Containern absehbar mehr als eine Million Euro. Das habe sich schon in Heppenheim gezeigt, wo eine solche Lösung nötig geworden war. „Und die Betriebserlaubnis gilt dann für maximal zwei Jahre“, betont Ritterbusch.

Kommende Woche stehen einige Fraktionssitzungen an. Am Donnerstag, 11. April, 19 Uhr, findet dann die Stadtverordneten-Versammlung im Ratssaal statt. Es ist nach der Ausschusssitzung nicht absehbar, ob dann ein Beschluss zur neuen Kindertagesstätte gefasst werden kann.

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