Viernheim

Sozialausschuss Arbeitskreis Altenhilfe schlägt Alarm / Experten: Für Arbeiten im Haushalt fehlt das Personal

Ambulante Pflege an der Grenze

Viernheim.„Das System wird irgendwann zusammenbrechen“, sagt Claudia Dewald-Haas. Die Leiterin der Caritas-Sozialstation ergänzt: „Wir haben Angst, dass die Versorgung in ein paar Jahren nicht mehr gewährleistet ist.“

Der Arbeitskreis Altenhilfe schlägt Alarm: In der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses schildern die Fachleute die aktuelle Situation rund um die ambulante Pflege. Der Arbeitskreis setzt sich aus den Hauptamtlichen von Arbeiterwohlfahrt, Caritas-Sozialstation, Johanniter, Forum der Senioren, St.-Josef-Krankenhaus, Seniorenberatung der Stadt Viernheim sowie gesetzlichen Betreuern und privaten Anbietern zusammen.

„Die Versorgung, ob pflegerisch oder hauswirtschaftlich, wird in Viernheim immer schwieriger“, stellt Eberhard Schmitt-Helfferich gleich zu Beginn fest. Die notwendige Pflege könne mit dem vorhandenen Personal nicht mehr vollumfänglich geleistet werden, hauswirtschaftliche Dienste wie Putzen oder Einkaufen blieben somit auf der Strecke. Die Familien von Pflegebedürftigen seien zwar hilfsbereit, so Schmitt-Helfferich, sie stünden aber aus unterschiedlichen Gründen oft nur bedingt zur Verfügung. Und pflegerische und haushälterische Leistungen gegen Bezahlung – das lasse die geringe Rente von Alleinstehenden meist nicht zu.

Für Pflegebedürftige stehe zwar ein Entlastungsbetrag von 125 Euro zur Verfügung. „Das soll eigentlich eine umkomplizierte Hilfe sein“, lobt Schmitt-Helfferich den Ansatz, „aber die Inanspruchnahme ist oft schwierig“. Privatpersonen, die die Haushaltsarbeiten übernehmen würden, müssten geschult und qualifiziert sein, um den Entlastungsbetrag ausbezahlt zu bekommen.

„Solche Basis-Qualifikationskurse werden aber im Kreis nicht angeboten“, führt Schmitt-Helfferich aus. „Da muss man dann schon hartnäckig mit den Krankenkassen verhandeln“, hat Andrea Winkler von den Johannitern festgestellt. Etablierte und anerkannte Pflegedienste könnten die haushaltsnahen Leistungen zwar abrechnen, haben für diese Tätigkeiten aber keine personellen und zeitlichen Kapazitäten. „Bei der Mehrheit der Anfragen bei uns geht es ums Saubermachen, aber dafür fehlt uns einfach das Personal“, erklärt Winkler.

FSJler bringen etwas Entlastung

Claudia Dewald-Haas, Leiterin der Caritas-Sozialstation bestätigt: „Wir müssen schon Anfragen von Pflegefällen ablehnen.“ Zudem sei der Satz, den Pflegekassen für hauswirtschaftliche Tätigkeiten zahlen, zu niedrig. Ausgebildete Pflegefachkräfte, die nach Tarif bezahlt werden, könnten mit diesen Tätigkeiten aus rein wirtschaftlichen Aspekten gar nicht beauftragt werden.

Bei aller Personalnot können die Johanniter immerhin alle zur Verfügung stehenden Stellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) besetzen. „Die FSJler können und dürfen aber nicht alle Aufgaben erledigen“, fügt Andrea Winkler hinzu, „aber auf dem Weg gewinnen wir den einen oder anderen neuen Mitarbeiter für die Altenpflege“.

Eine Lösung des Problems haben die Ausschussmitglieder spontan nicht parat. „Kommunal ist da auch nichts zu bewegen“, sagt Bürgermeister Matthias Baaß und erklärt, dass auf Landes- und Bundesebene etwas verändert werden müsse. Er schlägt vor, einen Brief an entsprechende Ansprechpartner zu senden und auf die Missstände im Pflegesystem hinzuweisen. Ein erster Schritt in Viernheim könnte sein, unabhängig vom Arbeitskreis jährlich einen runden Tisch zu veranstalten, um sich über die aktuelle Situation auszutauschen, Ideen einzubringen und vielleicht Sofortmaßnahmen zu entwickeln.

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