Viernheim

Bildung Bistum Mainz führt Schulgeld an seinen hessischen Schulen ein / Monatlich 90 Euro für das erste Kind

AMS-Eltern müssen zahlen

viernheim.Seit dem Jahr 2010 wird an der Albertus-Magnus-Schule über die mögliche Einführung eines Schulgeldes diskutiert – nun kommt es tatsächlich. In einem Brief an die Eltern teilt das Bistum Mainz mit, für vier katholische Schulen in Hessen künftig Beiträge zu erheben. Ab dem kommenden Schuljahr sollen zunächst die Eltern der Fünftklässler zahlen, ab 2020/2021 gilt die Regelung für alle Schüler.

Die Höhe des Schulgelds beträgt bei den weiterführenden Schulen 90 Euro pro Monat für das erste Kind. Beim zweiten Kind einer Familie werden 50 Euro, beim dritten zehn Euro fällig. Alle weiteren Kinder sind frei. AMS-Schulleiterin Ursula Kubera und Elternbeiratsvorsitzende Sandra Wunder waren für den „Südhessen Morgen“ gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

„Gute Schule kostet Geld!“, betonen Generalvikar Udo Markus Bentz und Ordinariatsdirektorin Gertrud Pollak in dem Schreiben. „Dafür sind wir als Bistum bereit, mit erheblichen Kirchensteuermitteln die Schulen zu finanzieren – im Unterschied zu den anderen privaten Trägern in Hessen bisher ohne Schulgeld.“ Die Bedingungen für eine stabile Schulfinanzierung seien in den vergangenen Jahren aber „deutlich schwieriger geworden“. Deshalb wolle das Bistum zum Erhalt seiner Schulen rechtzeitig verantwortungsvoll planen.

Sinkende Steuereinnahmen

„Die Entscheidung für das Schulgeld ist uns nicht leicht gefallen“, erklären Pollak und Bentz, „aber wir möchten sicherstellen, dass trotz Rückgangs der Katholikenzahlen und sinkender Einnahmen aus der Kirchensteuer auch künftig ein schulisches Bildungsangebot auf der Basis des christlichen Menschenbildes gewährleistet werden kann“. Die Diözese rechne damit, dass die Entscheidung „neben Zustimmung auch Kritik hervorrufen“ werde. Allerdings, so heißt es in dem Elternbrief weiter: „Der Beschluss steht.“ Es bleibe nun viel Zeit, um über die genaue Umsetzung ins Gespräch zu kommen. Insbesondere gelte es, „gute Wege zu eröffnen für Kinder, deren Eltern sich finanziell damit schwer tun. Auch künftig darf kein Kind aus finanziellen Gründen vom Besuch einer katholischen Schule ausgeschlossen werden.“

In einem beigelegten Informationsblatt des Bistums heißt es dazu: „Abhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Familie kann der monatliche Betrag nach entsprechenden Kriterien selbstverständlich reduziert und das Schulgeld ermäßigt werden.“ Die Klärung solcher Fragen laufe vertraulich über eine zentrale Stelle im zuständigen Dezernat in Mainz – und nicht über die jeweilige Schule. Der entsprechende Ansprechpartner stehe ab Januar 2019 bereit.

Nicht im Schulgeld enthalten, darauf macht das Bischöfliche Ordinariat aufmerksam, sind die Kosten für Verpflegung, Klassenfahrten, Ganztagsangebote, Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien. Das Schulgeld sei als Sonderausgabe steuerlich abzugsfähig.

Vor acht Jahren brachte die Diözese erstmals die Erhebung eines Schulgeldes ins Gespräch, um die Finanzierung der AMS sicherzustellen. Nach intensiven Diskussionen rief das Gymnasium, das sich seit 2006 in alleiniger kirchlicher Trägerschaft befindet, zu freiwilligen Elternspenden auf. Über den „Viernheimer Weg“ sollten 400 000 Euro jährlich erwirtschaftet werden. Ziel war es, trotz Mittelkürzungen durch das Bischöfliche Ordinariat weiterhin Projekte wie Schulseelsorge, Bibliothek oder Arbeitsgemeinschaften anbieten zu können. Nach Informationen dieser Zeitung war die Spendenbereitschaft der Eltern allerdings deutlich geringer als vom Bistum erwartet.

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