Viernheim

Schach Viernheimer Neuzugang gewinnt den Weltmeister-Titel der U16

Annmarie Mütsch triumphiert

Viernheim.In Porto Carras auf der Halbinsel Chalkidiki in Griechenland fand die Jugendweltmeisterschaften der Altersklassen U14 bis U18 statt. Annmarie Mütsch vom Schachclub Viernheim trat dabei in der Kategorie U16 weiblich an. Ausgetragen wurden elf Runden im „Schweizer System“, bei dem immer Spielerinnen mit gleicher Anzahl erreichter Punkte gegeneinander gelost werden. Vor dem Turnier hatte sich der Viernheimer Neuzugang einiges vorgenommen, war sie doch von ihrer Wertungszahl her an vierter Stelle gesetzt.

Das Turnier begann für Annmarie mit einem Rückschlag. Nach dem Auftaktsieg gegen eine Amerikanerin verlor sie in Runde zwei gegen die nur an Nummer 24 geführte weibliche Fide-Meisterin Srdanovic. Dabei hatte sie bereits früh einen Bauern gewonnen. Doch anstatt die alte Regel „a pawn ahead – go to bed“ („bist Du einen Bauern im Vorteil, dann tausche alles ab und gewinne leicht im Endspiel“) zu berücksichtigen, blieb sie ihrem Stil treu und forcierte weiter den Königsangriff. Leider verteidigte sich die Serbin zäh und drehte sogar noch das Blatt. Doch die Niederlage war im Nachhinein möglicherweise ein Weckruf zur rechten Zeit. „Der Titel war gefühlt unerreichbar“, meinte Annmarie, „ab jetzt hieß es einfach, Schach spielen und schauen, was passiert.“ Mit dieser Einstellung kehrte sie in den Runden drei bis sechs zurück in die Erfolgsspur: Lediglich gegen die Spanierin Sosa-Suarez gab sie in der vierten Runde ein Unentschieden ab.

In der siebten Runde dann der erste schwere Brocken: Annmarie gegenüber saß Fide-Meisterin Beydullayeva aus Aserbaidschan. Nach dem Damentausch im Mittelspiel verflachte die Stellung und die beiden Kontrahentinnen einigten sich auf Unentschieden. Ein Sieg in Runde acht und ein weiteres Unentschieden gegen die an Nummer zwei gesetzte Russin Internationale Meisterin Solozhenkina ließ Annmarie bereits wieder vom Treppchen träumen. Zu diesem Zeitpunkt lag sie – zwei Runden vor Schluss – auf Platz sechs.

Die zehnte Runde war ein echter Thriller. Mit den Schwarzen Steinen wurde sie gegen die Nummer eins gelost, Großmeisterin Aleksandra Maltsevskaya. Annmarie begann couragiert, tauschte die richtigen Figuren und erhöhte den Druck auf der f-Linie. In beiderseitiger Zeitknappheit unterlief der Russin dann ein folgenschwerer Fehler und sie gab sofort auf. Damit war für die Finalrunde alles angerichtet. Vier Spielerinnen hatten 7,5 Punkte aus zehn Begegnungen erreicht, getrennt nur durch die Feinwertung. Ganz vorne immer noch Srdanovic, die nach ihrem Erfolg gegen Annmarie aus Runde zwei die ganze Zeit das Feld klar dominiert hatte und erst in Runde zehn ihre erste Niederlage kassieren musste. Dahinter Annmarie Mütsch vor Maria Berdnyk (Ukraine) und der Polnischen Fide-Meisterin Honorata Kucharska. Die Auslosung verhieß nichts Gutes: Annmarie musste gegen Kucharska antreten, während Srdanovic eine vermeintlich leichtere Gegnerin erhielt, da sie bereits gegen alle Spielerinnen mit 7,5 Punkten gespielt hatte.

Von da an lief aber alles zugunsten der Deutschen. In einer atemberaubenden Partie bezwang sie die Ukrainerin und setzte sich damit an die Spitze des Feldes. Srdanovic hatte möglicherweise ihre Nerven nicht im Griff, sie verlor ihre zweite Partie in Folge. Lediglich Kucharska konnte ihr folgen. Nun gab es zwei Spielerinnen mit 8,5 Punkten und so würde die Buchholz-Wertung über den Weltmeistertitel entscheiden. Bei dieser Feinwertung werden die Punkte der Gegnerinnen addiert, und Annmarie lag klar mit 67:63,5 vorne. Ein Traum ging für die 16-Jährige in Erfüllung und sie wurde Weltmeisterin. Bei der Siegerehrung dankte Annmarie ihrem französischen Coach Großmeister Fabien Libiszewski, der ebenfalls für Viernheim spielt. Mit ihrem Titel im Gepäck möchte sie sich jetzt auch für die Frauennationalmannschaft empfehlen. red

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