Viernheim

Energiewende Leitung soll nah an Viernheim vorbeiführen / Informationen zum Planfeststellungsverfahren im Bürgerhaus

Antworten zur Stromtrasse Ultranet

viernheim.Das Stromtrassenprojekt Ultranet geht in die nächste Phase. Die Anbahnung des Planfeststellungsverfahrens läuft, derzeit informiert der Netzbetreiber Amprion die Bürger bei verschiedenen Veranstaltungen. Im Viernheimer Bürgerhaus gab es gestern die Gelegenheit, Fragen an Amprion-Verantwortliche zu stellen.

Joëlle Bouillon ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Netzbetreibers mit Sitz in Dortmund und erläutert die Notwendigkeit der etwa 340 Kilometer langen Gleichstromverbindung zwischen Nordrhein-Westfalen und Philippsburg im Norden Baden-Württembergs. Die Energiewende erfordere große Transportkapazitäten für Strom von Nord nach Süd. „Im Süden fällt viel weg“, sagt sie mit Blick auf den Atomausstieg. Das Kernkraftwerk Philippsburg etwa wird zum Ende des Jahres komplett vom Netz gehen, nachdem am ersten der beiden Reaktorblöcke bereits mit dem Atom-Moratorium 2011 der Betrieb eingestellt worden war.

58 neue Masten geplant

Boullion und ihre Kollegen erläutern interessierten Viernheimern die Einzelheiten zur geplanten Trassenführung im Abschnitt zwischen Bürstadt Ost und Mannheim-Wallstadt. Auf knapp 19 Kilometern werde dort eine bestehende 220-Kilovolt-Leitung zurückgebaut und durch die neue 380-Kilovolt-Leitung ersetzt, die dann Gleichstrom führen wird. Während von Ultranet überall sonst bestehende Strommasten genutzt und diese dafür gegebenenfalls angepasst werden sollen, sind auf dem Teilstück 54 neue Masten mit einer Höhe von durchschnittlich 58 Metern geplant. Sie werden 83 alte ersetzen, die rund 35 Meter hoch sind. Ein älterer Herr mit Brille interessiert sich vor allem für einen der Strommasten: den auf dem Parkplatz des Rhein-Neckar-Zentrums. Ob da die Angestellten im Einkaufszentrum nicht zu sehr elektrischen und magnetischen Feldern ausgesetzt würden, wenn dort nun Gleichstrom fließen würde? Boullions klare Antwort: Nein. Denn nach der Planung hat der bestehende Mast an dem Einkaufszentrum ohnehin keine Zukunft, ist einer von den 83, die abgerissen werden sollen.

„Der geplante Trassenkorridor führt an dem Parkplatz vorbei“, sagt Bouillon und zeigt es auf einer aufgehängten Luftaufnahme. Bei einer ernsten Störung oder einem Unfall schaltet sich der Strom auf der Leitung laut Amprion binnen Millisekunden automatisch ab. Mit der Wirkung der elektrischen und magnetischen Felder ist beim Netzbetreiber der Ingenieur Dominik Stunder befasst. Er verweist bei Fragen zu den Feldwirkungen zunächst auf die in Deutschland geltenden Grenzwerte, deren Einhaltung regelmäßig überprüft werde.

Es knistert an der Leitung

Auch der Aufenthalt direkt unter einer Stromleitung habe keinen negativen gesundheitlichen Effekt. „Sie werden direkt an einem Gleichstrom-Mast nichts spüren“, betont Stunder. Je nach Wetterlage könne es an der Freileitung gelegentlich „hörbar knistern“ – jedenfalls dann, wenn eine nahe Autobahn nicht ohnehin alle Geräusche übertöne. Einfach ist die Umsetzung der Stromtrasse vor allem juristisch nicht – Amprion führt Gespräche mit bis zu 300 direkt Betroffenen entlang der gesamten Ultranet-Strecke. Die meisten von ihnen sind Eigentümer von Grundstücken, auf denen Strommasten stehen. Die Stadt Viernheim hatte sich ursprünglich dafür eingesetzt, dass die neue Trasse linksrheinisch über Worms statt über die eigene Gemarkung verlaufen würde. Doch seit einer Entscheidung der Bundesnetzagentur im Januar steht fest, dass die neue Freileitung dicht an Viernheim heranrückt: Ein 1000 Meter breiter Korridor wurde definiert, innerhalb dessen die Ultranet-Leitung verlaufen wird.

Die Stadtverwaltung hat bereits angekündigt, ihre Interessen auch im Planfeststellungsverfahren zu vertreten. Außerdem können in diesem Verfahren während einer Anhörungsphase erneut Bürger und Betroffene Bedenken äußern. Erst nach dem Planfeststellungsbeschluss kann mit dem Bau begonnen werden. Der Netzbetreiber Amprion plant eine Inbetriebnahme der gesamten Leitung im Jahr 2023.

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