Viernheim

Soziales Förderverein „Stand up for Africa“ will Hilfsprojekte von Pfarrer Angelo Stipinovich wiederaufnehmen / Waisenhäuser und Kindergärten gegründet

„Arbeit in Namibia soll weitergehen“

Archivartikel

Viernheim.Vier Kindergärten mit 200 Kindern, ein Waisenhaus mit 60 Kindern, Wasser- und Agrarprojekte – vor allem dank der finanziellen und ideellen Unterstützung aus Viernheim sind diese Hilfsprojekte in der Kavango-Region in Namibia entstanden. „Aber mit dem Weggang von Pfarrer Angelo Stipinovich aus Viernheim sind diese Projekte in Vergessenheit geraten“, berichtet Joachim Hermes. Deshalb wurde schon im vergangenen Jahr der Förderverein „Stand up for Africa“ gegründet. „Unser Ziel ist es, dass es mit der Arbeit in Namibia weitergeht, dass Menschen eine Zukunft bekommen “, sagt Hermes, der Vorsitzende des neuen Vereins.

Die Corona-Krise kam der offiziellen Vorstellung des Vereins zuvor, der inzwischen im Vereinsregister eingetragen und als gemeinnützig anerkannt ist. „Die aktuelle Situation ist in Namibia aber schwierig, deswegen ist es uns wichtig, die Projekte wieder in Erinnerung zu rufen“, betont Hermes. Durch den Lockdown in Afrika steht die Wirtschaft still, Schulen und Kindergärten sind geschlossen, Tourismus findet nicht statt. Die Kayova River Lodge in Kavango beherbergt keine Gäste, dabei sollen gerade diese Einnahmen die laufenden Projekte finanzieren.

Zudem ist unklar, wie es mit der Kavango Community Development Foundation weitergeht. Sie gehört als Treuhand-Stiftung zur „Stiftung Weltkirche“ und damit zur katholischen Kirche. Pfarrer Stipinovich war nach Namibia gegangen, um für das Missionsprojekt eine Stiftung bürgerlichen Rechts zu gründen. Bislang ist diese Umstellung aber nicht erfolgt. „Durch den Förderverein sollen die Projekte weiterlaufen, damit die Selbstständigkeit der Menschen in Namibia erhalten wird“, wirbt der zweite Vorsitzende Andreas Neumann um Unterstützung für die Arbeit in Kindergärten und in den anderen Projekten.

Neue Heimat für Kinder

Vier Kindergärten mit Platz für jeweils 50 Kinder sowie ein Kindergarten für die Kinder der Lodge-Mitarbeiter konnten schon eröffnet werden. Dort lernen die Kleinen die englische Sprache, damit ihnen der Übergang in den Schulunterricht leichter fällt. Zudem erhalten die Kinder täglich eine warme Mahlzeit – in Lockdown-Zeiten ist nicht sichergestellt, dass das zuhause auch der Fall ist.

2015 wurde ein Waisenhaus mit vier Gebäuden eröffnet, das bis zu insgesamt 60 Kindern eine neue Heimat bieten kann. Durch das Wasserprojekt können über 30 000 Menschen in der Kavango-Region mit frischem Wasser versorgt werden. Im Agrarprojekt lernt die Bevölkerung den Anbau von Gemüse- und Obstsorten, die unter den klimatischen Gegebenheiten auch gedeihen können. Neben Mais und Mahangu – einer bestimmten Getreideart – können auch Kohl, Karotten, Tomaten, Kartoffeln, Wassermelonen, Kürbisse, Zucchini, Bananen und Mangos geerntet werden.

Ideen, wie sie Spenden zur Fortführung dieser Projekte generieren und Mitglieder für den Namibia-Verein gewinnen können, haben die Vorstandsmitglieder. „Allerdings müssen wir schauen, was sich in diesen Zeiten umsetzen lässt“, meint Waltraud Träger-Bugert. Klar ist, dass es einen Kalender 2021 mit Fotomotiven aus Kavango geben wird.

Was die meisten der Vorstands- und Vereinsmitglieder übrigens verbindet: Sie haben sich selbst schon ein Bild vor Ort in Namibia gemacht und wissen um die Lebenssituationen. „Da packen sich die Erwachsenen ihre Portion vom gemeinsamen Abendessen ein, weil sie ihre Familie versorgen müssen“, erzählt Joachim Hermes. Manfred Bergmann lobt das Wasserprojekt: „Da muss keiner mehr zum Wasserholen an den Fluss laufen, was immer gefährlich war.“

Fußball als Höhepunkt

Erik Faltermann hat in Namibia auch einen Film über die Kavango Community Development Foundation gedreht. „Die Lebensfreude der Menschen ist so groß, das spürt man auch bei den Filmaufnahmen“, ist er noch ganz begeistert. Franziska Hermes war sogar ein halbes Jahr als Freiwillige in Kavango und hat in den dortigen Einrichtungen mitgearbeitet. Sie erzählt vom Leben in Afrika: „Fußballspiele sind der Höhepunkt, alle fiebern auf das Wochenende hin. Und da schauen dann schon mal 300 Menschen beim Kicken zu“.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional