Viernheim

Armut grenzt aus

Archivartikel

Caspar Oesterreich würdigt die Leistung der Ehrenamtlichen

Freunde zu finden kostet Geld. Das fängt schon in der Schule an: Wer nicht die neuesten Turnschuhe an den Füßen trägt oder sich mit dem gerade angesagten T-Shirt eines Youtube-Stars schmückt, hat es schwerer, in der Klasse Anschluss zu finden. Wer keine Arbeit oder eine geringe Rente hat, vereinsamt ohne Ersparnisse schnell. Soziale Kontakte wollen gepflegt werden – durch gemeinsame Ausflüge, Geburtstagsgeschenke, ein Besuch im Restaurant, Kino, Zoo oder Theater. Unmöglich für denjenigen, dem schon das Geld fürs Abendbrot fehlt.

Armut grenzt aus. Fast jedenfalls. Gebe es nicht die Tafel Viernheim und die tollen Angebote im katholischen Sozialzentrum. Denn für die 125 Ehrenamtlichen ist es eine Herzensangelegenheit, für bedürftige Menschen da zu sein. Dabei helfen sie mit der Ausgabe von Nahrungsmitteln mindestens genauso, wie mit einem Gespräch beim gemeinsamen warmen Mittagessen in der Vesperstube. Immer auf Augenhöhe. Niemand stellt sich über den anderen.

Wertschätzung nennt man das, ohne auf den vom Portemonnaie-Inhalt bestimmten sozialen Status zu blicken. Volker Gassenferth, Leiter des katholischen Sozialzentrums, findet noch drastischere Worte. Er spricht von einer „Form der Resozialisierung, die die ehrenamtlichen Helfer hier leisten, den Menschen damit wieder ihr Wohlbefinden zurückgeben“. Schlimm, dass es in unserer Gesellschaft schon so weit gekommen ist und es für eine kurze Plauderei mittlerweile schon ein Ehrenamt braucht.

 
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