Viernheim

Vortrag Ines Král berichtet im TiB über ihre Pilgerfahrt

„Auch ich war dann mal weg“

Viernheim.„Auch ich war dann mal weg“: Mit diesen Worten begann Iris Král ihren Lichtbildervortrag über ihre erste Pilgerfahrt auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela und bediente sich dabei des Buchtitels von Hape Kerkeling. Selten fand ein Vortrag im Internationalen Frauencafé im TiB so viel Anklang. Unter dem Titel: „Unterwegs auf dem Jakobsweg“ berichtete Iris Král von ihrer 300 Kilometer langen Wanderung. Dabei zeigte sie beeindruckende Bilder der Landschaft Nord-Spaniens, die sie auf dem klassischen Jakobsweg von León nach Santiago de Compostela durchwandert hat.

Zusammen mit dem Ehepaar Monika Bryll und Ralf Seidler, die durch eine Anzeige im Mannheimer Morgen eine Gruppe suchten, die mit ihnen diesen Weg gehen würde, begannen sie ihre Pilgerwanderung am Karfreitag des Jahres 2008 in León. In Turnschuhen und mit einem Rucksack für zehn bis 13 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken legten die Drei Tagesetappen von zehn bis 25 Kilometer zurück. Bei Regen und Schneefall, genauso wie bei brennender Hitze.

Jakobsweg seit 1047 bekannt

Der Jakobsweg wurde erstmals im Jahr 1047 urkundlich erwähnt. Ab dieser Zeit war Santiago de Compostela neben Rom und Jerusalem das dritte bedeutende Pilgerziel der christlichen Welt. Schon um das Jahr 830 wurden dort aufgefundene Gebeine, dem im Jahr 44 enthaupteten Apostel Jakobus zugeordnet. Dieser soll – der Legende nach – gleich nach der Himmelfahrt Christi in die römische Provinz Spanien gegangen sein, um mit seiner christlichen Missionstätigkeit zu beginnen. Nach seiner Hinrichtung in Jerusalem sollen seine Anhänger seine Gebeine auf ein leeres Segelschiff gebettet haben, das dann durch Wind und Strömungen schließlich an der spanischen Atlantikküste strandete.

Anders als die europäischen Pilger des Mittelalters konnte Iris Král im Jahr 2008 einen Linienflug von Hahn nach Santander nutzen. Zu den Reisevorbereitung gehörte auch, einen Pilgerpass bei der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft zu erwerben, ohne den Pilger keinen Zugang zu den Herbergen (von Iris Král oftmals „Bars“ genannt) bekommen können. Der erste Übernachtungsversuch endete zunächst mit einem Schock. Als sie sich zum Abendessen versammeln wollten, wurden sie aus unerfindlichen Gründen (obwohl Ralf Seidler Spanisch spricht) vom Herbergsvater wieder hinausgeworfen. Somit mussten sie zur nächsten Herberge weiterlaufen und legten damit rekordverdächtige 37 Kilometer an diesem Tag zurück.

„Anmut in Demut“

Religiöse Motive, diese Strapazen auf sich zu nehmen, hatte Iris Král eigentlich weniger. Sie sah es eher als Herausforderung, sich den einfachen Dinge des Lebens wieder bewusst zu werden. „Hat man eine Wasserstelle gefunden, an der man seine Feldflasche wieder auffüllen konnte, lernte man die einfachen Dinge des Lebens wieder schätzen.“ Zu diesen gehörten auch die Schlafsäle der „Bars“ mit doppelstöckigen Betten, die wahrscheinlich kein Jugendherbergsniveau erreichten. „Anmut in Demut“ war auf dieser Pilgerreise ihr Motto.

Auch kommt man beim Laufen wenig zum Meditieren. „Man läuft und läuft und denkt nur: ,Wann kommt endlich die nächste Bar?’“ Als es endlich geschafft war, konnten sich die Drei die begehrte Pilgerurkunde vom Pilgerbüro in Santiago de Compostela ausstellen lassen. Selbstverständlich nahmen sie dann auch am Gottesdienst – mit dem berühmten Weihrauchfass – in der Kathedrale teil, umarmten die Statue des Heilgen Jakobus und sahen sich dessen Reliquie an.

Ein Busausflug ans Ende Spaniens am Atlantik, nach Finisterre, rundete die ereignisreichen Wochen ab. „Mit dem Jakobsweg-Fieber ist es wie mit dem Chips-Essen; wer einmal damit angefangen hat, kann nicht mehr damit aufhören“, berichtet Iris Král. So haben die Drei nach 2008 noch sieben weitere Touren auf dem Jakobsweg absolviert. Ein letzte Tour will die inzwischen 76-Jährige noch auf dem Jakobsweg, gehen, um sich gebührend von ihm zu verabschieden. Bei Kaffee und Kuchen hatte ihr Vortag das Interesse der zahlreichen Zuhörer geweckt, die sich dann engagiert an der anschließenden Fragerunde beteiligten. kos

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