Viernheim

Ägyptologie Viernheimer Wissenschaftler Michael Höveler-Müller kommentiert Live-Übertragung einer Graböffnung im Fernsehen

Auf den Spuren der Pharaonen

Archivartikel

Viernheim.„Live“ bei der Öffnung einer ägyptischen Grabkammer zusehen: Das können Interessierte am Montag, 8. April, auf dem Fernsehsender DMAX. Kommentieren wird die zweistündige Aktion ab 2 Uhr morgens der Viernheimer Ägyptologe Michael Höveler-Müller aus einem Studio in München.

„Meines Wissens handelt es sich um die erste Live-Übertragung der Öffnung einer ägyptischen Grabkammer überhaupt“, erklärt Höveler-Müller im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“.

Das Grab liegt in einer Nekropole in der Nähe der Stadt al-Minya. Bisher ist die Kammer noch von einer Mauer verschlossen. Durch ein Loch darin ist ein steinerner Sarkophag zu sehen. Während der für den amerikanischen Discovery-Channel produzierten Sendung „Expedition Unknown Live“ wird die Mauer abgetragen und anschließend der Sarkophag geöffnet.

Die Grabkammer aus der Zeit um 650 vor Christus gehörte, wie Höveler-Müller erklärt, einem Hohepriester. „Hohepriester waren die Stellvertreter des Pharaos. Außer ihm durften nur sie die allerheiligsten Räume eines Tempels betreten.“ Trotzdem sei die Grabkammer wohl eher schlicht ausgestattet. „In der sogenannten Spätzeit, aus der das Grab stammt, waren die Ägypter meist Spielball anderer Mächte, etwa der Nubier oder der Perser.“

Neue Erkenntnisse

Durch Inschriften in der Grabkammer könnte es neue Erkenntnisse zu Verwandtschaftsbeziehungen zwischen verschiedenen Hohepriestern geben, hofft Höveler-Müller: „Das Amt wurde oft vom Vater an den Sohn weitergegeben.“

Die zu öffnende Kammer ist jedoch nicht das einzige Thema der Fernsehsendung. „Die Leute müssen nicht zwei Stunden zusehen, wie eine Mauer abgetragen wird“, beruhigt der Ägyptologe. So wird es mehrere Einspielfilme geben, die Informationen zu schon erforschten Gräbern der Nekropole bei al-Minya liefern. Durch einen geteilten Bildschirm können in einer Ecke des Fernsehers immer die Fortschritte bei der Graböffnung verfolgt werden. Direkt vor Ort sind neben Moderator Josh Gates auch der umstrittene ehemalige ägyptische Antikenminister Zahi Hawass sowie der Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung Mostafa Waziri dabei.

Höveler-Müller hat bereits Erfahrung in der Vermittlung ägyptologischer Themen an ein breiteres Publikum. Von Viernheim aus betreibt er eine Fernschule für Hieroglyphen. Außerdem hat er mehrere populärwissenschaftliche Bücher und einen Roman verfasst. Derzeit arbeitet er an einem neuen Buch, das sich mit Skandalen im Alten Ägypten beschäftigt: „Ich habe noch keinen Titel, aber man könnte sagen, es geht um Sex and Crime.“

Höveler-Müller wurde 1974 in Solingen geboren, aufgewachsen ist er in Düsseldorf. An der Universität Bonn studierte er von 1995 bis 2001 Ägyptologie, Ur- und Frühgeschichte sowie vergleichende Religionswissenschaften. Dort half er auch beim Aufbau des ägyptischen Museums, das er von 2009 bis 2011 leitete. 2012 zog er für ein Projekt der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen nach Viernheim, wo er heute mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen lebt.

Mit polnischem Team gedreht

Wegen der Familie fährt Höveler-Müller heute nicht mehr für längere Zeit nach Ägypten. Insgesamt mehr als fünf Jahre hat er im Land der Pharaonen bei Forschungsaufenthalten und Ausgrabungen verbracht. Auch mit einem polnischen Fernsehteam hat er dort schon gedreht. „Heute würde ich leiden wie ein Tier, wenn ich für mehrere Monate von meiner Familie getrennt wäre.“ Weitere Live-Kommentierungen von Graböffnungen plant er im Moment ebenfalls nicht, jedoch aus einem anderen Grund: „Ich hoffe, dass das Konzept nicht allzu oft wiederholt wird, sonst verliert es seinen Reiz.“

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